Erstellt am 29. Juni 2015, 13:21

Nach Anschlag in Tunesien Amateur-Video aufgetaucht. Nach dem Anschlag auf ein Strandhotel in Tunesien, bei dem 38 Menschen getötet wurden, ist ein Amateur-Video von der Bluttat aufgetaucht.

 |  NOEN, APA (epa)

In den sozialen Netzwerken im Internet wurde das Video am Montag verbreitet, das den Attentäter zeigt, wie er langsam an leblosen Körpern vorbei den Strand entlang läuft.

Auf dem elf Minuten langen Video, das von einem Tunesier mit seinem Handy aufgenommen worden war, sind auch Schüsse zu hören. "Das ist er dort in Shorts! (...) Er ist dort! Er kommt!", schreien Tunesier auf Arabisch in der Hotelanlage, viele von ihnen scheinen Angestellte oder Schwimmlehrer zu sein. Schüsse sind dann zu hören und eine Explosion.

Das Video des filmenden Tunesiers, der sich hinter einer Mauer versteckt hatte, zeigt dann den Attentäter, wie er ohne Eile vom Hotel zum Strand geht. Der von den Behörden als ein 23-jährige Student identifizierte Angreifer hatte im Hotel und am Strand wahllos auf Touristen geschossen. Unter den 38 Todesopfern sind vor allem Briten.

Während seiner Video-Aufnahme folgt der Tunesier dem Attentäter, bleibt aber immer auf Distanz. Dabei kommt er an mit Blut bedeckten, leblosen Menschen vorbei, die am Strand von dem Attentäter überrascht worden waren. "Warum tötest du die Menschen?", stößt der filmende Tunesier aus und ruft die Polizei um Hilfe. Zusammen mit anderen Tunesiern läuft er dann hinter dem Attentäter her, Beschimpfungen sind zu hören und einer schreit: "Haltet ihn! Haltet ihn!"

Dann ist eine Straße neben dem Hotel zu sehen und wieder fallen Schüsse. Dort war Zeugenberichten und Fotos zufolge der Angreifer von der Polizei erschossen worden, doch ist dies auf dem Video nicht zu sehen.

Bei dem Anschlag wurden laut einem Medienbericht womöglich mindestens 30 Briten getötet. Die Regierung hatte zuvor von mindestens 15 getöteten Briten gesprochen. Dies sei die höchste Zahl britischer Anschlagsopfer seit den Anschlägen in London vom Juli 2005. Damals wurden 52 Menschen getötet.

Die britische Regierung schickte indes eine Militärmaschine los, um Tote und Verletzte auszufliegen. Das Transportflugzeug der britischen Luftwaffe vom Typ Boeing C17 solle bei der "Evakuierung der Opfer" helfen, sagte Premierminister David Cameron am Montag dem Rundfunksender BBC.

Außerdem sollten die Leichen der Anschlagsopfer zurück nach Großbritannien gebracht werden. Cameron sprach von einer "absolut entsetzlichen Attacke", die das ganze Land und die ganze Welt schockiert habe.

Am Montagmittag will die britische Innenministerin Theresa May zusammen mit dem deutschen Innenminister Thomas de Maizire und ihrem französischen Kollegen Bernard Cazeneuve Tunesien besuchen. De Maiziere will damit nach Angaben des Innenministeriums dem tunesischen Volk seine Solidarität ausdrücken.

Nach bisherigen Erkenntnissen handelte es sich bei dem Täter um einen 24-jährigen Studenten der Universität in Kairouan, einer Hochburg von Salafisten. Er hatte das Strandhotel "Imperial Marhaba" in dem Mittelmeerort Sousse überfallen und am belebten Strand das Feuer eröffnet. Zu dem Anschlag bekannten sich Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in einer nicht verifizierbaren Twitter-Mitteilung.

Der Vater des Attentäters distanzierte sich von seinem Sohn. "Nur Gott weiß, was meinen Sohn zu dieser Tat gebracht hat. Ich habe meinen Sohn nicht so erzogen. Nicht dazu erzogen, dass er Menschen tötet", sagte der in der nordtunesischen Stadt Gaafour lebende Mann in den ARD-"Tagesthemen". Er sehe die Bilder der Opfer vor seinen Augen und könne nicht nachvollziehen, wie sein Sohn unschuldige Menschen habe töten können. "Irgendwelche Leute müssen meinen Sohn indoktriniert haben, dass er so etwas tut." Er habe keine Anzeichen für extremistisches Verhalten gezeigt.

Nach Angaben des tunesischen Gesundheitsministeriums konnten bis zum Sonntag 18 Opfer identifiziert werden. Die meisten Toten stammen demnach aus Großbritannien. Das Ministerium hatte von 14 getöteten Briten gesprochen. Zu den Opfern zählen auch ein Ire, ein Portugiese und ein Belgier sowie ein Deutscher. Österreicher sind laut Außenministerium nicht unter den Opfern.

Der britische Premierminister David Cameron warnte seine Landsleute nach dem Anschlag vor Angriffen der Extremistenorganisation "Islamischer Staat" (IS). Es gebe IS-Anhänger im Irak und in Syrien, die in Großbritannien und anderswo schreckliche Taten verüben wollten, sagte Cameron am Montag in London. In Großbritannien gilt die zweithöchste Terrorwarnstufe.

Demnach wird davon ausgegangen, dass ein Anschlag höchstwahrscheinlich ist. Die Polizei des Landes hat nach eigenen Angaben den größten Anti-Terror-Einsatz seit einem Jahrzehnt gestartet.

"Es handelt sich um eine existenzielle Bedrohung, denn was hier geschieht, ist die Perversion einer großen Religion", sagte Cameron dem Sender BBC. Der erschaffene "giftige Todeskult" verführe zu viele junge Köpfe. So lange der IS im Irak und in Syrien existiere, würden Briten bedroht sein.