Erstellt am 27. Juli 2014, 20:11

Nach Feuerpause wieder Kämpfe in Gaza. Nach einer humanitären Feuerpause am Samstag haben sich Israel und die radikalislamische Hamas am Sonntag wieder heftige Gefechte geliefert.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu warf der Hamas den Bruch einer von ihr verkündeten weiteren 24-stündigen Waffenruhe vor und kündigte eine Fortsetzung des Militäreinsatzes an. Weltweit wurde eindringlich ein Ende des Blutvergießens gefordert.

Angesichts des palästinensischen Bruchs der Waffenruhe werde Israel "alles Notwendige" zur Verteidigung seiner Bevölkerung tun, sagte Netanyahu am Sonntag dem US-Fernsehsender CNN. Im Sender CBS sagte er, Israel werde es nicht zulassen, dass "eine skrupellose Terrororganisation entscheidet, wann es ihr genehm ist, einen Moment Pause zu machen, sich wiederzubewaffnen und dann erneut auf unsere Bürger zu schießen".

Die Hamas hatte zuvor eine 24-stündige Waffenruhe ausgerufen, die ab 13.00 Uhr MESZ gelten sollte. Allerdings dauerte der Raketenbeschuss vom Gazastreifen Richtung Israel danach an, es gab zahlreiche Explosionen. Nach israelischen Armeeangaben schlugen nach der Verkündung der Waffenruhe mindestens 22 Raketen in Israel ein, fünf weitere wurden demnach abgefangen.

"Wir bekämpfen die Besatzer"

Hamas-Führer Khaled Maschaal sagte dem US-Fernsehsender PBS, Israel müsse die Blockade des Gazastreifens aufheben. "Wir bekämpfen nicht die Juden, weil sie Juden sind, wir bekämpfen keine anderen Rassen, wir bekämpfen die Besatzer", sagte er. Ein Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern sei möglich, nicht aber ein Zusammenleben mit "Besatzern".

Am Morgen hatte Israel seinerseits eine einseitige Feuerpause wegen des anhaltenden Raketenbeschusses durch die Hamas wieder aufgekündigt. Israel hatte zuvor eine von beiden Seiten eingehaltene zwölfstündige Kampfpause am Samstag zunächst um vier und dann um weitere 24 Stunden verlängert. Wegen der unablässigen Angriffe der Hamas kündigte die Armee am Sonntagmorgen aber die Wiederaufnahme ihres Einsatzes an. Seitdem wurden mehrere Palästinenser im Gazastreifen getötet.

Mehr als tausend Palästinenser getötet

Bei der knapp dreiwöchigen Offensive starben mehr als tausend Palästinenser, großteils Zivilisten. Während der zwölfstündigen humanitären Waffenruhe am Samstag wurde das ganze Ausmaß der Zerstörung im Gazastreifen sichtbar: Nach palästinensischen Angaben wurden 147 Leichen aus den Trümmern von bei den israelischen Angriffen zerstörten Häusern geborgen. Vielerorts bot sich ein Bild der Verwüstung.

Auf israelischer Seite wurde in der Nacht zum Sonntag ein weiterer Soldat an der Grenze zum Gazastreifen getötet. Damit starben inzwischen 43 israelische Soldaten. Zudem wurden drei Zivilisten in Israel getötet. Die Zahl der verletzten Palästinenser liegt bei etwa 6.000.

Laut einem US-Regierungsvertreter verhandelte Außenminister John Kerry weiter mit beiden Seiten über eine Reihe kürzerer Feuerpausen, um zu einem langfristigen Waffenstillstand zu gelangen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon rief zu einer einwöchigen Feuerpause auf. Auch die Außenminister der USA, Frankreichs, Deutschlands, Großbritanniens, Italiens, Katars und der Türkei forderten bei einer Konferenz in Paris ein Ende des Blutvergießens. Papst Franziskus rief zu Frieden auf.

In Ostjerusalem wurden am späten Freitagabend zwei Palästinenser offenbar von jüdischen Extremisten brutal angegriffen. Ein 20-Jähriger lag am Sonntag nach Krankenhausangaben auf der Intensivstation, ein Gleichaltriger auf einer chirurgischen Station. Die Polizei ermittelte.