Erstellt am 25. September 2016, 15:58

Bombardements in Aleppo gehen weiter. Nach einer kurzen Unterbrechung hat das syrische Regime seine Luftangriffe auf Rebellengebiete in der umkämpften Stadt Aleppo fortgesetzt.

Die Waffen schweigen vorerst, doch der Schaden bleibt  |  APA/dpa/ag.

Das berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Angaben über Tote oder Verletzte lagen demnach noch nicht vor. Zuvor hatte die syrische Luftwaffe am Sonntagvormittag ihre Bombardement des Ostteils Aleppos überraschend gestoppt.

Seit dem Zusammenbruch der Waffenruhe vor einer Woche wurden mehr als 180 Menschen getötet. Nach UNO-Angaben handelte es sich um die schwersten Luftangriffe seit Beginn des Bürgerkrieges 2011.

Während die westlichen Außenminister Russland ermahnten, beriet in New York der UNO-Sicherheitsrat über Aleppo. Die USA, Großbritannien und Frankreich beantragten eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats, der am Sonntag um 17.00 Uhr MESZ tagen sollte. Die syrische Exilopposition warf der internationalen Gemeinschaft vor, über die "Gräuel" in Syrien zu schweigen. "Wir ertragen dieses Schweigen nicht mehr länger", sagte der Vorsitzende der Nationalen Koalition, Jawad Abu Hatab.

Westliche Außenminister forderten von Russland ein Ende der eskalierenden Gewalt. Es liege an Moskau, die diplomatischen Bemühungen als mächtiger Verbündeter des Assad-Regimes zu retten. Die Stellungnahme der Außenminister der USA, Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und der EU-Außenbeauftragten betonte: "Die Geduld mit Russlands andauernder Unfähigkeit oder Unwilligkeit, sich an seine Verpflichtungen zu halten, ist nicht unbegrenzt". Die Ereignisse in Syrien stünden im eklatanten Widerspruch zur russischen Behauptung, eine diplomatische Lösung in Syrien zu unterstützen.

Russland wies diese Kritik freilich zurück. Außenamtssprecherin Maria Sacharowa sagte am Sonntag der Agentur Interfax: "Wer von Russland Beweise für seinen Friedenswillen fordert, soll erst einmal selbst beweisen, dass er kein Aggressor in Bezug auf Länder der Region ist", sagte sie. Bisher zeige die Geschichte das Gegenteil.

Das syrische Regime hatte vor Wiederaufnahme der Luftangriffe am Donnerstag eine Bodenoffensive angekündigt, um die Stadt vollständig zurückzuerobern. Aleppo ist die letzte verbliebene Großstadt in Syrien, in der Rebellen noch Gebiete kontrollieren. Mindestens 250.000 Menschen harren im belagerten Ostteil der Stadt trotz widrigster Lebensumstände aus. Regierungstruppen und Kämpfer der mit ihnen verbündeten Milizen haben das Flüchtlingslager Handarat im Norden der Rebellengebiete eingenommen. Weitere Geländegewinne machten die Truppen bisher nicht.