Erstellt am 26. Januar 2015, 12:22

von APA/Red

Partnersuche in 71 Gemeinden. Nach den Kommunalwahlen in Niederösterreich vom Sonntag beginnt in 71 der 570 Gemeinden die Partnersuche.

Überall dort besteht nämlich keine Mandatsmehrheit. Polit-Beben hat es insbesondere in Wiener Neustadt und Schwechat (Bezirk Wien-Umgebung) gegeben. Wie die künftigen Stadtregierungen aussehen werden, ist vorerst offen.

SPÖ Wiener Neustadt muss Koalition bilden

In Wiener Neustadt sind 70 Jahre Mandatsmehrheit seit Sonntagabend Geschichte. Die SPÖ verfügt nur mehr über 17 der 40 Sitze im Rathaus. Bernhard Müller hat als Bürgermeister das Handtuch geworfen, ihm soll Horst Karas folgen. Wollen die Sozialdemokraten, die als nach wie vor stärkste Kraft die besten Karten haben, weiterhin den Stadtchef stellen, müssen sie eine Koalition bilden.

Am "einfachsten" wäre das auf den ersten Blick mit der FPÖ (fünf Mandate). Die ÖVP (14 Sitze) stellt mit Klaus Schneeberger, Klubobmann im NÖ Landtag, selbst den Bürgermeisteranspruch, bräuchte jedoch zumindest zwei Partner.

Schwechater SPÖ mit schweren Verlusten

Abgestraft - wohl im Zusammenhang mit den finanziellen Turbulenzen um das Veranstaltungszentrum Multiversum - wurde die SPÖ auch in Schwechat. Nicht weniger als 23,48 Prozentpunkte und damit zehn der bisher 23 Mandate (von insgesamt 37) gingen verloren. Koalitionsvarianten bestehen mit der FPÖ als neuer zweitstärkster Kraft (neun Mandate) und den nun drittplatzierten Grünen (acht).

"Ampel"-Verhandlungen in Baden?

"Verzwickt" stellt sich die Lage in Baden dar. Schwarz-Grün wie in den vergangenen fünf Jahren ist mit gemeinsam 20 von 41 Sitzen nicht mehr möglich. Die Volkspartei hat nur mehr 15 Mandate (minus drei). Zweier-Koalitionen böten sich mit "Wir Badener - Bürgerliste Jowi Trenner", die mit ÖVP-Altbürgermeister August Breininger an der Spitze angetreten war und als neue "Nummer zwei" in der Stadt zehn Sitze erreichte, oder der SPÖ (acht) an. Ob es wie schon vor fünf Jahren womöglich auch wieder "Ampel"-Verhandlungen (damals SPÖ, Trenner, Grüne) gibt, werden die kommenden Tage zeigen.

ÖVP Klosterneuburg braucht Regierungspartner

Ein Minus von 7,99 Prozentpunkten und von vier Mandaten auf jetzt 20 der 41 Sitze bedeutet für die ÖVP in Klosterneuburg, dass sie künftig einen Regierungspartner braucht. Es könnte auf die NEOS hinausgehen, die sich diesbezüglich laut Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) schon im Oktober ins Spiel gebracht hatten. "Ja, ich wäre gerne ein Koalitionspartner der ÖVP", wurde Spitzenkandidat Walter Wirl damals zitiert.

Die NEOS haben zwei Mandate erreicht. Als ÖVP-Partner kommen zumindest theoretisch freilich auch Grüne (sechs Sitze), SPÖ (fünf), FPÖ (vier) und die "Plattform unser Klosterneuburg" (PUK) mit drei Mandaten infrage.


Weitere interessante Ausgangspositionen

Gänserndorf

Spannend wird, wie es in Gänserndorf weitergeht. Die ÖVP (37,6 Prozent) hat die SPÖ (35,24 Prozent) als Nummer eins abgelöst. Beide Parteien haben 14 Mandate. "Zünglein an der Waage" in der Bürgermeisterfrage sind Grüne und FPÖ (je vier) sowie die "Freie Bürgerliste" (FBG) mit einem Sitz.

Waidhofen a.d. Thaya

Nur mehr 14 (statt 19) von 29 Mandaten in Waidhofen a.d. Thaya bedeuten für die ÖVP, dass sie auf Partnersuche gehen muss. Es gibt drei Optionen: FPÖ (sieben), Grüne und SPÖ (je vier). Die Freiheitlichen haben am Sonntag mit Gottfried Waldhäusl, Klubobmann im NÖ Landtag, an der Spitze fünf Sitze dazugewonnen und für einen Erdrutsch gesorgt.

Amstetten

In Amstetten ist die absolute Mehrheit der SPÖ mit nur mehr 20 (minus vier) von 41 Mandaten gefallen. Die ÖVP hält zehn Sitze, die FPÖ sieben. Die Grünen stellen drei Mandatare, die NEOS einen Gemeinderat.

Altlengbach

In Altlengbach (Bezirk St. Pölten) wird wohl der einzige freiheitliche Mandatar darüber entscheiden, ob der Bürgermeister künftig von der ÖVP oder wie bisher von der SPÖ kommt. Die Volkspartei hat mit 44,82 Prozent die Sozialdemokraten (43,25 Prozent) überholt. Schwarz und Rot haben je zehn Mandate.

Gmünd

In Gmünd ist die SPÖ mit ihrem jüngsten Bürgermeister Andreas Beer (29) auf "Brautschau". Mit einem Mandat minus auf 14 Sitze ist am Sonntag die absolute Mehrheit verloren gegangen. Die weiteren Parteien im Rathaus: ÖVP (13), FPÖ und Liste "Aktiv für Gmünd" (AFG) mit je einem Gemeinderat.

Traiskirchen

Keine Sorgen braucht sich Andreas Babler in Traiskirchen zu machen. Er hat nicht einmal ein Jahr nach seiner Kür zum Bürgermeister und damit zum Nachfolger von Langzeit-Stadtchef Fritz Knotzer 73,10 Prozent erreicht. Das war ein Plus von 4,21 Prozentpunkten zum besten SPÖ-Ergebnis aller Zeiten in der Stadt im Bezirk Baden.

Korneuburg

In Korneuburg wiederum holte die ÖVP fünf Jahre nach dem Bürgermeistersessel mit Christian Gepp nun auch die absolute Mehrheit (57,01 Prozent oder 22 der 37 Mandate). Die SPÖ schlitterte mit 24,89 Prozent (minus fünf Mandate) in ein Debakel. Spitzenkandidat Robert Zodl, bisher Vizebürgermeister, zog noch am Wahlabend die Konsequenzen.

Die meisten ungültigen Stimmen

Den höchsten Prozentanteil an ungültigen Stimmen gab es am Sonntag mit 31,43 Prozent in Moorbad Harbach (Bezirk Gmünd), gefolgt von Höflein (Bezirk Bruck a.d. Leitha) mit 12,47. Es handelte sich dabei um zwei - von vier - Gemeinden, in denen nur die ÖVP angetreten war. Platz drei in diesem Ranking belegte Leitzersdorf mit 9,70 Prozent. In der Gemeinde im Bezirk Korneuburg war die SPÖ, die bisher zwei Mandate gehalten hatte, wegen eines Formalfehlers von der Kandidatur ausgeschlossen worden.