Erstellt am 21. November 2014, 18:07

von NÖN Redaktion

Nachbaur verlässt Team Stronach, bleibt Klubobfrau. Kathrin Nachbaur als Kronprinzessin und engste Vertraute von Milliardär und Parteigründer Frank Stronach - das war einmal.

Wie am Freitag nach längeren Spekulationen über einen Krach bekannt wurde, trat die 35-Jährige angeblich von ihrer Funktion als Vize-Parteiobfrau zurück und verließ das Team Stronach. Die Oppositionspartei soll künftig ungewöhnlicherweise eine parteilose Klubobfrau haben.

Über die konkreten Beweggründe, warum sie offenbar die Partei hinter sich lässt, nicht aber ihr Mandat und ihre Funktion als Klubobfrau, gab Nachbaur am späten Freitagnachmittag keine Auskunft. In der Partei war es schon länger ein offenes Geheimnis, dass es zwischen Stronach und Nachbaur kriselt. Zuletzt sollen zu Unstimmigkeiten in Geldangelegenheiten auch persönliche Spannungen gekommen sein.

Hauptgrund für die schlechte Atmosphäre war aber die miese Performance der Partei - in Umfragen grundelt das Team Stronach an der Wahrnehmungsgrenze. Der nicht gerade als uneitel geltende Stronach soll die Schuld dafür zunehmend Nachbaur gegeben haben. Erzählungen der beiden zufolge war es ja ursprünglich die blonde Grazerin gewesen, die den Milliardär auf langen Atlantikflügen überredet hat, in die Politik einzusteigen - und dafür Millionen im zweistelligen Bereich locker zu machen.

 "Man hat das Gefühl, mit Betonschuhen zu schwimmen"

Nachbaur soll eine der wenigen gewesen sein, auf die der 82-Jährige hört. Der Legende nach soll es ihn beeindruckt haben, wie ihn die damalige Studentin (geboren am 2. April 1979) in der Grazer Oper hartnäckig nach einem Job fragte. Aus einem Praktikum in Kanada wurden etliche Jahre, Nachbaur - nach außen stets freundlich, aber unnahbar - stieg zur rechten Hand des Magna-Gründers auf.

Ob des Ergebnisses von 5,7 Prozent bei der Nationalratswahl 2013 war Stronach aber sichtlich enttäuscht - nach einem rigorosen Umbau in der Partei zog er sich nach und nach zurück und überließ der ehrgeizigen Nachbaur die harte Oppositionsarbeit. "Man hat das Gefühl, mit Betonschuhen zu schwimmen", meinte die politisch unerfahrene Juristin einmal über die Mühen der Ebene. Reüssieren konnte das Team Stronach am politischen Parkett nicht wirklich, stattdessen machten die Abgeordneten eher mit auffälligen Aussagen zu Homosexualität oder Mindestsicherungsempfängern auf sich aufmerksam. Zuletzt erfreute sich die Medienwelt an der Schlagzeile, dass die als toughe Businessfrau geltende Nachbaur ein Kind erwartet.

140.000 Euro-Jahresgage der Stronach Group gestrichen

Schon vor einigen Wochen gab Stronach jedenfalls zu verstehen, dass er sich einen "starken Mann" an der Spitze wünscht, der angriffiger formulieren soll. Nachbaur gab sich damals nach einer Aussprache trotzdem gewohnt loyal: "Frank sagt, ich mache meinen Job sehr gut. Ich bin das freundliche, stilvolle Gesicht der Partei." Der "starke Mann" wurde bis jetzt noch nicht gefunden, und der Austro-Kanadier selbst war bei seinem aktuellen Besuch in Österreich auch nicht besser drauf, wie man aus der Partei hört.

Nach einem Bericht, wonach Stronach ihr wegen Vertrauensverlusts die 140.000 Euro-Jahresgage der Stronach Group gestrichen hat, ging Nachbaur am Freitag auf Tauchstation. In einem Zeitungsinterview hatte sie noch betont, dass sie diese Woche bei einer Vertrauensabstimmung im Klub einstimmig bestätigt wurde. Eine Sprecherin des Parlamentsklubs bestätigte am Freitag, dass Nachbaur von ihrer Funktion als stellvertretende Parteiobfrau zurücktritt und die Partei verlässt, aber Nationalratsabgeordnete und Klubobfrau bleiben soll. Nachbaur selbst wollte das auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren.