Erstellt am 16. Juli 2014, 10:32

von APA/Red

Luftangriffe auf Häuser von Hamas-Vertretern. Die israelische Luftwaffe hat in der Nacht zum Mittwoch die Wohnhäuser führender Mitglieder der radikalislamischen Hamas-Organisation im Gazastreifen angegriffen.

 Im Haus des Hamas-Anführers Mahmoud al-Zahar im Westen der Stadt Gaza hätten sich zum Zeitpunkt des Angriffs keine Menschen aufgehalten, teilten Sicherheitskräfte und Augenzeugen mit.
Den Augenzeugen zufolge landeten zwei Geschosse in Zahars Haus. Das vierstöckige Gebäude sei eingestürzt und eine benachbarte Moschee sowie andere Nachbarhäuser beschädigt worden.

In West-Gaza wurde laut Augenzeugen auch das Haus des Hamas-Anführers Bassem Naim angegriffen. In Jabaliya im nördlichen Gazastreifen hätten Kampfflugzeuge das Haus von Ex-Gesundheitsminister Fathi Hammad und das Haus des Abgeordneten Ismail al-Ashkar angegriffen. Opfer wurden bei den Angriffen nicht gemeldet.

Bereits über 200 Tote

Dagegen wurden bei weiteren Luftangriffen am Mittwochmorgen im Gazastreifen nach palästinensischen Angaben fünf Menschen getötet. Demnach erfolgten die Angriffe in den südlichen Städten Rafah und Khan Younis. Die Zahl der Todesopfer im Gazastreifen seit Beginn des israelischen Militäreinsatzes am 8. Juli stieg damit auf 202.

Am Dienstag hatte es kurzzeitig Hoffnungen auf eine Feuerpause gegeben: Israel akzeptierte den ägyptischen Vorschlag einer Waffenruhe und stellte seine Angriffe am Morgen ein.

Nachdem es dann auf israelischer Seite das erste Todesopfer durch palästinensischen Raketenbeschuss gab, kündigte Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu eine Intensivierung der Angriffe im Gazastreifen an. Die Hamas hatte den ägyptischen Vorschlag abgelehnt.

Ban Ki-moon ruft erneut zur Waffenruhe auf

Israel forderte unterdessen Bewohner im nördlichen Gazastreifen zum Verlassen ihrer Häuser auf. Dies sollte "zu ihrer eigenen Sicherheit" geschehen, teilte das Militär mit. Zivile Opfer bei Luftangriffen gegen Stellungen der islamistischen Hamas sollen so vermieden werden.

Netanyahu warf der Hamas am Dienstagabend vor, Israels einseitige Feuerpause zu ignorieren. Nun werde die Miliz dafür "einen hohen Preis bezahlen". UN-Generalsekretär Ban Ki-moon rief die Hamas auf, sich an die von Ägypten vorgeschlagene Waffenruhe zu halten. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas reist am Mittwoch nach Kairo, um doch noch eine Feuerpause zu vermitteln.

Netanyahu ließ offen, ob nun israelische Bodentruppen in den Küstenstreifen am Mittelmeer einmarschieren. Dies fordert Außenminister Avigdor Lieberman, der als Scharfmacher im Kabinett gilt.

"Wir wollen die Infrastruktur des Terrors zerstören. Daher kann man diese Militäraktion nicht nur aus der Luft betreiben", sagte er. Israelische Beobachter hielten es aber weiter für möglich, dass beide Seiten doch noch einen Waffenstillstand vereinbaren.

Inmitten des eskalierten Gaza-Konflikts entließ Netanyahu den stellvertretenden Verteidigungsminister Danny Danon. Anlass war laut einem Bericht der "Jerusalem Post" die Kritik des Politikers der rechten Regierungspartei Likud an der einseitigen Feuerpause Israels. Danon hatte dies einen "Schlag ins Gesicht" für alle israelischen Bürger genannt.

141 Raketenabschüsse seit Dienstag

Israel hatte ab Dienstagvormittag sechs Stunden lang seine Luftangriffe einseitig gestoppt. Die Hamas aber feuerte weiter Dutzende Raketen Richtung Israel, weil sie sich von der diplomatischen Initiative Ägyptens für die Feuerpause übergangen sah. Nachmittags setzte dann die israelische Armee ihre Attacken fort.

Das israelische Militär zählte bis zum späten Dienstagabend 141 Raketenabschüsse aus dem Gazastreifen. In der Hafenstadt Ashdod wurde ein Haus direkt getroffen. Nach Aufhebung der einseitigen Feuerpause berichtete das israelische Militär, die Luftwaffe habe 30 Bombenangriffe geflogen, von denen 20 Raketenstellungen gegolten hätten.

Israel hat in den vergangenen sieben Tagen nach eigenen Angaben inzwischen 1576 Hamas-Ziele angegriffen. Die Hamas hat demnach wiederum mehr als 1000 Raketen auf Israel abgefeuert. Nur knapp 200 davon wurden vom israelischen Abwehrsystem abgefangen, die meisten übrigen schlugen in unbewohntem Gebiet ein.

Inzwischen haben rund 10.800 Palästinenser in Gaza-Stadt aus Angst vor den Bombenangriffen Zuflucht in 16 Schulen des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) gesucht.

Teenager-Ermordung war Auslöser

Weitere 7000 seien im Norden in fünf Unterkünften untergebracht, berichtete UNRWA-Sprecher Chris Gunness. Die Organisation verteilt nach eigenen Angaben täglich Essen an mehr als 830.000 Menschen, also knapp die Hälfte der Einwohner des Küstenstreifens.

Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Burschen. Eine 2012 vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die seit 2007 im Gazastreifen herrscht, wurde daraufhin endgültig Makulatur.