Erstellt am 26. Juni 2016, 14:08

Raptors setzen großen Erwartungen in Pöltl. In der Nacht auf Freitag (MESZ) ist Jakob Pöltl als erster Österreicher in die glamouröse Welt der National Basketball Association (NBA) eingetaucht.

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Dass der Wiener im Draft in New Yorks Stadtteil Brooklyn als Nummer neun "gepickt" wurde, zeigt neben seinem Potenzial auch die in ihn gesteckten Erwartungen. Mit denen sah er sich danach auch schon bei seinem neuen Club Toronto Raptors konfrontiert.

Von seinem ehemaligen, auch bei Toronto spielenden Utah-Teamkollegen Delon Wriht habe er freilich nur Gutes gehört. Auf seinen nunmehrigen Teamkollegen Jonas Valanciunas traf Pöltl übrigens im August 2015 mit Österreichs Team in und gegen Litauen, als er zur 71:86-ÖBV-Niederlage gleich 27 Punkte beisteuerte. Torontos General Manager Masai Ujiri vergaß nicht, diesen Umstand bei der Pressekonferenz hervorzuheben.

Da agierte Pöltl ebenso souverän wie in diversen Interviews. Seine Reife war neben der sportlichen Qualität für Ujiri und sein Führungsteam ein wichtiger Grund, den Wiener zu "picken". "Das war der richtige Pick für uns. Du schaust natürlich auch auf andere, die davor gepickt werden. Aber das ist nicht die Realität, wenn du den neunten Pick hast. Wir sind super, super aufgeregt, dass wir 'Jak' nun in unserer Franchise haben."

Die Kanadier hatten Pöltl auch von Anfang an auf dem Radar. Ujiri: "Er war unsere größte Möglichkeit und da war ein bisschen Angst, dass er dann nicht mehr verfügbar sein könnte. Aber er war noch da." Besonders schätzt der Funktionär den Umstand, welche Liebe zum und Leidenschaft für den Basketball Pöltl mit seinen 2,13 Metern mitbringt. "Big guys" würden oft genug nur aufgrund ihrer Körpergröße in dieses Spiel getrieben.

"Wenn man so einen 'big guy' wie ihn sieht, seine Eltern Athleten waren (Anm.: Volleyball-Nationalspieler), er in einem Basketball-Umfeld aufgewachsen ist, das Basketball-Spiel liebt und gerne im Fitnessraum arbeitet, dann umarme ihn, nimm ihn und laufe", geriet Ujiri geradezu ins Schwärmen. "Er hat gute Hände, liebt es zu laufen und bewegt sich gut. Er hat ein gutes Gefühl für das Spiel."

Bei Toronto arbeite man für die Gegenwart, aber genauso ernsthaft für die Zukunft. "Wir müssen schauen, was uns jetzt hilft und was uns in fünf Jahren helfen wird", erklärte der aus Nigeria stammende Ujiri. Pöltl ist als fixer Bestandteil der Zukunft des Teams eingeplant. "Wir hatten viele Möglichkeiten, den Jungen in den vergangenen Jahren spielen zu sehen."

Im 16-köpfigen Raptors-"Roster" auf der Toronto-Homepage ist Pöltl als Forward-Center ebenso bereits berücksichtigt wie der vom Team nach ihm ausgewählte Forward Pascal Siakam aus Kamerun. Noch fehlt bei beiden ein Foto. In einer Video-Analyse können sich die Fans aber davon überzeugen, dass Experten den ÖBV-Star als großen Gewinn für Toronto sehen - mit Stärken unter dem Korb, aber auch in der Defensive.

Pöltl selbst scheint sich auf seine neue Welt gut vorbereitet zu haben und dort schon angekommen zu sein. Er ist aber realistisch genug, um davon auszugehen, dass er sich bei den Raptors nach deren bisher erfolgreichsten Saison nur nach und nach einen guten Platz erarbeiten kann. "Ich kann von diesem Team wirklich viel lernen. Es ist eine gute Situation für mich. Wenn man normal in den Top 10 gepickt wird, kommt man nicht in so eine Situation."

Beim Work-out mit den Raptors und danach habe Pöltl einen Eindruck gewonnen, was an ihm geschätzt wird. "Ich glaube, sie schätzen es, dass ich als 'big guy' nicht nur passe, sondern als Spieler sehr vielseitig bin. Ich hoffe, dass ich mit meinem Spiel etwas beitragen kann, indem ich über den gesamten Court die kleine Dinge erledige." Pöltl weiß auch um den positiven Ruf der Raptors-Fans. "Die Atmosphäre ist wirklich toll."

Wie Pöltl seine Zeit bis zum Saisonstart gestalten wird, ist teilweise offen. "Aber ich werde sicher viel in der Kraftkammer sein, an meinem Spiel und Sprungwurf arbeiten. Ich werde mich gut auf die Saison vorbereiten. Das alles bedeutet eine Menge für mich. Ich bin der erste Österreicher in der NBA. Ich hoffe, dass wenn ich in der NBA und einige andere in guten europäischen Ligen spielen, dass das den Level in Österreich steigert."