Erstellt am 12. Juni 2015, 18:50

von APA Red

Neue Vorschläge Griechenlands am Samstag. Im Schuldenstreit mit seinen Geldgebern will Griechenland die Gespräche wieder aufnehmen und Gegenvorschläge vorlegen.

 |  NOEN, APA (epa)

Athen sei bereit, die Differenzen mit den Gläubigern zu überbrücken, sagte ein Regierungsvertreter am Freitag. Für Samstagfrüh seien dazu erneut Verhandlungen in Brüssel vorgesehen. Die Eurozone bereitet sich indes erstmals offiziell auf einen griechischen Staatsbankrott vor.

Alle Reformvorschläge bisher zurückgewiesen worden

Die griechische Regierung sei der Auffassung, dass man näher an einer Einigung sei als je zuvor. Beim Primärüberschuss-Ziel lägen die Vorschläge nur 0,25 Prozentpunkte auseinander. Europa müsse "politischen Willen" zeigen.

Es sei "unvorstellbar", dass Europa wegen "solch einer geringen Abweichung" gespalten werde. Ministerpräsident Alexis Tsipras habe mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker telefoniert und die nächsten Schritte der Verhandlungen erörtert.

Alle Reformvorschläge aus Griechenland wurden von den Gläubigern bisher als unzureichend zurückgewiesen. Gibt es keine Einigung, droht die Staatspleite. Eine letzte Möglichkeit soll nach Angaben von EU-Vertretern die Sitzung der Euro-Finanzminister am 18. Juni in Luxemburg sein.

Zahlungsunfähigkeit nicht gleichzeitig Euro-Ausstieg

Alarmiert durch die festgefahrenen Verhandlungen mit Athen bereitet sich die Eurozone erstmals offiziell auf einen griechischen Staatsbankrott vor: Vertreter der Euro-Staaten hätten mit den Beratungen über die Folgen einer Pleite begonnen, verlautete am Freitag aus EU-Kreisen. Eine Zahlungsunfähigkeit bedeute aber nicht gleich einen Euro-Ausstieg. Die Nachricht schickte die Börse in Athen auf steile Talfahrt, auch in Frankfurt am Main gaben die Kurse nach.

Die Verhandlungen zwischen Athen und den Gläubiger-Institutionen treten seit Monaten auf der Stelle, aus Verdruss über die hartnäckige Haltung Griechenlands waren am Donnerstag die Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus Brüssel Richtung Washington abgereist.

Für eine Auszahlung der 7,2 Milliarden Euro aus dem verlängerten Rettungsprogramm rechtzeitig bis Ende des Monats läuft die Zeit ab. Sollte die Hilfsgelder nicht ausgezahlt werden, dann würde Athen das Geld fehlen, um seine Schulden beim IWF zu begleichen. Das Land wäre pleite.

Die Mitgliedsstaaten würden sich daher notgedrungen mit dem möglichen Staatsbankrott Athens befassen, hieß es von einer weiteren Quelle. Die Beratungen fanden demnach am Donnerstag bei einem Treffen der Euro-Finanzstaatssekretäre im slowakischen Bratislava statt. Es sei das erste Mal gewesen, dass die Pleite und ihre Konsequenzen auf der offiziellen Tagesordnung standen.

Börsen in Frankfurt und Paris reagierten

In Frankfurt und auch Paris sackte die Börse zwischenzeitlich um zwei Prozent ab, die Wall Street öffnete mit Verlusten, die Kurse in Athen schlossen sogar mit 5,9 Prozent im Minus.

Die "Bild"-Zeitung berichtete, es gebe schon konkrete Beratungen, was im Falle einer Pleite Athens zu tun sei. Demnach sei unter anderem im Gespräch, bei einem Bankrott in Griechenland Kapitalverkehrskontrollen einzuführen - also ein Verbot von Überweisungen ins Ausland. Außerdem werde ein Schuldenschnitt für das Euro-Land diskutiert - das war bisher für Berlin ein Tabu-Thema.

Athen reagierte erzürnt auf die demonstrative Abreise der IWF-Delegation. Die Institution mache Druck auf die Gläubiger-Institutionen "und vor allem auf Berlin", hieß es in einer Erklärung der Regierung. Ziel des IWF sei es, eine "rigorose Politik in Griechenland durchzusetzen, um die Erstattung seiner Kredite sicherzustellen".

Die griechische Regierung setzt nach Aussage zweier Minister auf eine Einigung mit den internationalen Gläubigern bis zum Treffen der Euro-Finanzminister am kommenden Donnerstag. Es werde "am 18. Juni eine Einigung geben - oder nie", sagte Verteidigungsminister Panos Kammenos dem Sender Mega.