Erstellt am 16. Juni 2014, 11:05

Neun Traditionen werden Kulturerbe. Die Österreichische UNESCO-Kommission nimmt insgesamt neun weitere Traditionen aus mehreren Bundesländern in ihr Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes auf.

Darunter befinden sich unter anderem die Traunkirchner "Mordsgeschicht", das Metnitzer "Kinisingen" und der Aberseer "Schleuniger", wie die Kommission am Montag mitteilte.

Im Unterschied zum Weltkulturerbe wie beispielsweise Schloss und Park von Schönbrunn in Wien geht es beim immateriellen Kulturerbe um gelebte Traditionen wie Tanz, Musik, Theater und Handwerkskünste. Auf der internationalen "Repräsentativen Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit" stehen unter anderem der Flamenco, die italienische Geigenbaukunst und aus Österreich das Imster Schemenlaufen in der Fasnacht und die Falknerei.

77 Traditionen gelistet

Im Österreichischen Verzeichnis stehen nun aktuell 77 Traditionen. Zu den neun jüngst aufgenommenen gehört das Österreichische Sensenschmieden, das noch von zwei Erzeugern in Kärnten und in Oberösterreich betrieben wird. Letzteres Bundesland ist auch die Heimat der Mordsgschicht, ein musikalischer Vortrag im Stil des Moritatengesanges am Faschingssonntag in Traunkirchen in Oberösterreich, weiters des Liebstattsonntages in Gmunden, bei dem verzierte Lebkuchenherzen an die Bevölkerung und Gäste verschenkt werden, um ihnen "die Liebe abzustatten" und der Erzeugung der Maultrommel, wo in Molln noch drei Meisterbetriebe existieren.

In Tirol ist das Gauderfest in Zell am Ziller daheim - das größte Frühlingsfest des Bundeslandes - sowie das Nikolausspiel, das nur alle sieben Jahre in Reith im Alpbachtal in Tirol aufgeführt wird. Kärnten steuert das Kinisingen zum Umzug der Heiligen Drei Könige in Metnitz bei. Salzburg hat den Schleuniger zu bieten, das ist ein sehr langer und komplexer Tanz, der meist bei Hochzeiten in Abersee am Wolfgangsee gespielt und getanzt wird. Alle neun Bundesländer betrifft das Wissen um traditionellen Samenbau und Saatgutgewinnung, dessen Aufnahme in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes vom Verein Arche Noah in Schiltern in Niederösterreich beantragt wurde. Dort werden in einem Festakt am 23. Juni auch die entsprechenden Urkunden an die jeweiligen Traditionsträger überreicht.