Erstellt am 15. Januar 2016, 13:37

von APA/Red

Nichtraucherschützer beklagen 13.000 Tote pro Jahr. Die Umsetzung der EU-Tabakrichtlinie muss bis Mai 2016 erfolgen, 2018 kommt in Österreich das generelle Rauchverbot in der Gastronomie.

Generelles Rauchverbot in Gastronomie ab 2018  |  NOEN, APA

Trotz dieser Maßnahmen hat die Schutzgemeinschaft für Nichtraucher am Freitag die Präventionspolitik kritisiert. Mehr als "13.000 Menschen sterben jährlich durch Rauchen", doch der "Rauchertod wird nicht wahrgenommen", sagte Bundesleiter Robert Rockenbauer.

Rockenbauer nannte bei einer Pressekonferenz in Wien das Tabakgesetz daher eine "Alibihandlung" der Regierung: "Die Feigheit der Politik muss ein Ende haben." Für den Nichtraucher-Aktivisten ist es zudem unverständlich, dass die Einnahmen aus der Tabaksteuer nicht in größerem Ausmaß für Präventivmaßnahmen gegen das Rauchen eingesetzt werden. Hingegen sei die Reaktion auf die 475 Verkehrstoten im Jahr 2015, dass hier Millionen in die Prävention investiert werden, meinte Rockenbauer.

Die Notwendigkeit dafür untermauerte Gero Kramer (Universitätsklinik für Urologie der MedUni Wien/AKH) mit Zahlen. Denn während der Anteil der Raucher in den USA seit den 80er-Jahren von 40 auf 20 Prozent gesunken ist, und in Deutschland von 1980 bis 2011 immerhin von 33 auf 24 Prozent, verzeichnete man in Österreich in diesen 31 Jahren einen Anstieg von 28 auf 32 Prozent. "Die politische Vernetzung mit der Austria Tabak ist eine der Hauptursache dafür", sagte Kramer. Daher forderte auch er mehr Aufklärung, denn real könne man von einer "Desinformation der Bevölkerung" sprechen.

In seinem Fachbereich sei feststellbar, dass die Sterberate von Rauchern bei Blasenkarzinomen bis zu viermal höher, bei Nierenzellkarzinomen bis zu zweimal höher und bei Prostatakrebs bis 1,5-mal höher als bei Nichtrauchern ist. "Aufhören verbessert die Prognose und die Rezidivrate (die Rate des Wiederauftretens, Anm.) nimmt ab", sagte Kramer. Eine kritische Haltung hat der Urologe gegenüber Nikotinersatzstoffen, die "vielleicht ein erster Schritt sein können", aber grundsätzlich nicht der richtige Weg zum rauchfreien Leben sind.

Abschließend vermisste Rockenbauer den seiner Meinung nach notwendigen Nichtraucherschutz im Freien besonders zum Schutz der Kinder, der im neuen Tabakgesetz nicht vorkommen würde. Mit dem Rauchverbot in der Gastronomie habe sich aber der Einsatz für den Nichtraucherschutz gelohnt. "Sehr zum Vorteil der Wirte, weil dann für alle, unabhängig von der Lokalgröße, gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschen und Gäste wie Personal vom gefährlichen Passivrauch geschützt sind."