Erstellt am 01. Juni 2015, 13:25

Nicole Hosp gab Ende ihrer Karriere bekannt. Mit einem abschließendem "Pfiat enk" hat die Tiroler alpine Skirennläuferin Nicole Hosp auf der Zugspitze in Ehrwald am Montag ihre beeindruckende und fast 14-jährige Karriere beendet.

Unter Tränen informierte die 31-Jährige die Öffentlichkeit  |  NOEN, APA (EXPA/Groder)

"Ich bin froh, dass es endlich öffentlich ausgesprochen ist", erklärte Hosp, die es bei Großereignissen wie Olympia und WM auf zwölf Medaillen in allen Disziplinen gebracht hat.

Hosp musste im fast fünfzigminütigen offiziellen Teil der Pressekonferenz im Bergpanorama-Restaurant auf der österreichischen Seite des Berges wiederholt mit den Tränen kämpfen, so wie nach dem Slalom des diesjährigen Weltcupfinales in Meribel (FRA), das ihr letztes Rennen gewesen war. "Ich bin halt doch etwas nahe am Wasser gebaut", entschuldigte sich die 31-jährige Bichlbacherin. Hosp bedankte sich bei ihren Eltern Hans und Rosi, die ihr schon im frühen Alter die Rennkarriere ermöglicht hatten, bei ihrer Schwester Sonja und bei den Trainern im österreichischen Skiverband.

Mit zwei Jahren schon auf Skiern

Dabei erinnerte sich Hosp, wie sie mit zwei Jahren von ihren Eltern auf die "Brettln" gestellt wurde und mit acht Jahren einen Privattrainer bekam, der ihr eine "Supertechnik" beigebracht habe. Im Februar 2001 bestritt sie in Garmisch-Partenkirchen ihr erstes Weltcup-Rennen im Slalom. "Da wusste ich, dass mein großer Lebenstraum in Erfüllung gegangen ist, ich als Rennläuferin angekommen bin", sagte Hosp.

Mit ihrer Karriere ging es steil bergauf. Bereits im Oktober in Sölden feierte sie ihren Weltcupsieg im Riesentorlauf, 2003 folgten in St. Moritz die ersten WM-Medaillen mit Silber (Kombination) und Bronze im Slalom. "Der Höhepunkt meiner Karriere war sicherlich, als ich 2007 die große Kristallkugel für den Gesamt-Weltcup gewonnen habe", erinnerte sich die Tirolerin, die sich selbst als "Rennpferd" bezeichnet: "Im Training fuhr ich oft hinterher."

"Immer wieder zurückgekämpft"

Doch es gab auch schwere Zeiten in der schillernden Karriere von Hosp, mit Knöchelbruch und Kreuzbandriss (Oktober 2009), und auch jene Zeit, als sie aus Gesundheitsgründen ihre Paradedisziplin Riesentorlauf aufgeben musste. "Aber ich bin stolz, dass ich mich immer wieder zurückgekämpft habe", beteuerte die 31-Jährige rückblickend. Dank und Stolz waren sowieso die dominierenden Worte bei ihrem emotionalen Abschied auf der 2.962 Meter hohen Zugspitze.

Zwölf Medaillen holte sie bei Großereignissen. "Genau so viele wie die große und legendäre Annemarie Moser-Pröll. Das erfüllt mich mit Stolz. Auch dass ich Medaillen in allen Disziplinen geholt habe, das ist nur wenigen Rennläuferinnen gelungen", freute sich Hosp. "Ein Abfahrtssieg im Weltcup hätte meine Karriere komplettiert, aber man kann halt nicht alles haben", sagte sie.

Wie es zum Abschied kam, erläuterte Hosp in kurzen Worten, denn gegenüber der vergangenen Saison habe sich doch einiges geändert: "Letztes Jahr war ich mir sicher, da hatte ich so ein Bauchgefühl. Aber heuer lodert das Feuer nicht mehr so, der Stress fordert seine Opfer." Sie beendet ihre Karriere so, wie sie sich immer gewünscht hatte: Gesund und erfolgreich.

"Will für viel österreichischen Skinachwuchs sorgen"

Über ihre Zukunft nach der Rennkarriere hat sich Hosp auch schon Gedanken gemacht, und will den Skisport in irgendeiner Form erhalten bleiben. An Konzepten wird gerade gearbeitet. "Nur Trainerin werde ich nicht, ich will nicht mehr so viel reisen", sagte Hosp und freut sich nun auf ihr Privatleben in Bichlbach. "Zusammen mit Roland (Lebensgefährte, Anm.) möchte ich für viel österreichischen Skinachwuchs sorgen", kündigte Hosp an. Fragen nach einer aktuellen Schwangerschaft verneinte sie.

Auch auf Unternehmungen mit ihrer deutschen Schäferhündin Aila in der frischgewonnen Freizeit freut sich Hosp. Über Aila sagte Hosp einmal: "Wozu brauche ich einen Mentaltrainer, ich habe ja meinen Hund."

Auch ÖSV-Sportdirektor Hans Pum würdigte auf der Zugspitze vor rund 50 Journalisten, Freunden und Fanclub-Mitgliedern die Karriere einer seiner Paraderennfahrerinnen. Nachdem Hosp erläuterte, sie habe von den "Golden Girls" (Alexander Meissnitzer, Renate Götschl, Michaela Dorfmeister) viel gelernt, streute Pum Rosen: "Auch du bist ein Golden Girl."

Pum verwies auf die zwölf Medaillen bei Großereignissen, ein Podestplatz in jedem zweiten Rennen. Und bei 287 Weltcupstarts fuhr Hosp 57 Mal auf das Podium. "In jedem fünften Rennen. Die Statistik spricht für sich. Du warst oberste Spitze", lobte Pum. Auch innerhalb der Mannschaft sei Hosp wegen ihres Gemüts und als Vorbild ein wichtiger Faktor gewesen. "Du warst der Sonnenschein der Mannschaft", streute Pum weitere Blumen.