Erstellt am 14. Juni 2014, 12:15

von APA/Red

Niederlande im Freudentaumel. Bondscoach Louis van Gaal blickte mit fast ungläubigem Blick auf die Anzeigetafel, auf dem Spielfeld feierten seine Schützlinge, als hätten sie den Titel bereits in der Tasche.

Mit einem 5:1-Kantersieg gegen den regierenden Weltmeister Spanien in der prestigeträchtigen Final-Revanche für 2010 sorgte "Oranje" für das erste große Aha-Erlebnis des Turniers in Brasilien.

"Ich kann das nicht erklären, aber es ist fantastisch. Niederländer geht auf die Straßen, das müsst ihr genießen", sagte Robin van Persie nach Schlusspfiff in Salvador. Der Kapitän, der gegen eine löchrige spanische Defensive wie Sturmpartner Arjen Robben zwei Treffer verbuchte, sprach von einem "surrealen Sieg". Aus einem 0:1 nach 27 Minuten machten die erst in der zweiten Spielhälfte überlegenen Niederländer noch einen Triumphzug.

Van Gaal umjubelt

Die niederländische Presse feierte die Spieler als "Helden", Van Gaals Kritiker sind plötzlich sehr leise. Der polarisierende Trainer – er übernimmt nach der Weltmeisterschaft Manchester United – war vor der Endrunde für seine Systemänderung scharf kritisiert worden. Nun wurde er für seine taktische Ausrichtung mit einem variablen 5-3-2-System umjubelt.

Dass Spaniens Kurzpassspiel damit dermaßen unterbunden werden konnte, überraschte am Ende sogar Van Gaal. "Wir hatten nur fünf Wochen Zeit, um am neuen System zu arbeiten. Ehrlich gesagt hat es in der Vorbereitung nicht unbedingt gut geklappt, aber wir haben daran festgehalten", sagte der 62-Jährige.

Van Persie: "Bestes Tor meiner Karriere"

Auch in der ersten Spielhälfte habe seine Elf gegen den Weltmeister nicht allzu gut ausgesehen, gab Van Gaal zu. In den zweiten 45 Minuten spielte sich der Vizeweltmeister aber in einen Rausch.

Van Persie, dem beim Ausgleich zum 1:1 das seiner Meinung nach "beste Tor meiner Karriere" gelang, pries die Vorgaben des Trainerstabs in höchsten Tönen. "Das hat wie im Traum funktioniert. Ich kann es nicht erwarten, später die Highlights anzusehen", meinte der zum "Man of the Match" ausgezeichnete Angreifer von Manchester United.

Auch der überragende Robben gab sich sehr gesprächig: "Wir haben gezeigt, dass wir schön und erfolgreich Fußballspielen können, wenn wir uns das zutrauen. Jetzt heißt es für einige Stunden genießen, genießen, genießen. Aber wir müssen mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben und unseren Fokus auf das nächste Match gegen Australien richten", meinte der Bayern-Profi, der wie Van Persie nun bei drei WM-Endrunden in Folge ein Tor erzielt hat.

Gegen die Australier könnten die Niederlande am Mittwoch in Porto Alegre bereits das Achtelfinalticket lösen, während Spanien im Anschluss gegen Chile eine Reaktion zeigen muss. Auch zum Abschluss gegen die Südamerikaner wollen die Niederländer jedoch nicht locker lassen. Der Erste der Gruppe B umgeht im Achtelfinale das Duell mit dem Sieger der Gruppe A, der aller Voraussicht nach Brasilien heißen wird.


Bei aller Euphorie taten sich die Beteiligten jedenfalls schwer, die Erwartungen nach dem Start nach Maß zu dämpfen. "Das war erst die erste Partie", mahnte Van Persie. Van Gaal sprach von einem komplett anderen Spiel gegen die Australier. Zweifel an einem weiteren Erfolg gegen den Außenseiter hegt man in der Heimat jedoch keine.

7 Millionen Holländer fieberten mit

In der Nacht auf Samstag wurde mit Hupkonzerten und einem orangefarbenen Flaggen-Meer bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. In Amsterdam hatten sich rund 15.000 Fans vor dem Reichsmuseum versammelt.

Über sieben Millionen Niederländer sahen das erste Gruppenspiel ihrer Mannschaft im Fernsehen. Der Sieg bescherte nur einigen Geschäftsbesitzern leichte Einbußen: Sie hatten zuvor ihren Kunden Rabatte von 10 Prozent für jedes Oranje-Tor versprochen.