Erstellt am 07. Dezember 2014, 20:11

von APA Red

Obama sieht tief verwurzelten Rassismus. Rassismus gegenüber Afroamerikanern ist nach Einschätzung von US-Präsident Barack Obama tief in der amerikanischen Gesellschaft und Geschichte verwurzelt. Das sagte Obama dem TV-Sender BET, der sich vor allem an ein schwarzes Publikum wendet, in einem Interview, das in voller Länge am Montag ausgestrahlt werden soll.

Angesichts wiederholter Fälle von übermäßiger Gewalt weißer Polizisten gegenüber Schwarzen wird darüber diskutiert, ob Rassismus in den USA Teil des Problems ist. Die Vorfälle und ihre juristischen Folgen hatten zuletzt für landesweite Proteste gesorgt.

"Großeltern werden sagen: Dinge sind nicht gut, aber besser"

"So schmerzhaft diese Vorfälle sind, ist es wichtig, dass wir das jetzige Geschehen nicht mit den Vorfällen von vor 50 Jahren gleichsetzen", sagte Obama. Die massive Ungerechtigkeit gegenüber Afroamerikanern hatte Mitte der 1950er Jahre zur Bürgerrechtsbewegung in den USA geführt.

"Wenn Sie mit Ihren Eltern, Großeltern, Onkeln sprechen, werden sie Ihnen sagen, dass die Dinge besser sind - nicht gut, aber besser", so Obama. Man müsse in der Rassismus-Debatte auch bisherige Errungenschaften erkennen, um weiter Fortschritte machen zu können.

Obama hatte in der vergangenen Woche angekündigt, gemeinsam mit dem scheidenden, schwarzen Justizminister Eric Holder Schritte zu unternehmen, um Rassismus-Probleme zwischen Polizei und Anwohnern im ganzen Land anzupacken.

"Wir müssen offen über die historische Rassendynamik sprechen"

Auch New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sieht in der Kluft zwischen Polizei und Bevölkerung ein "fundamentales Problem" der USA. Nach den Demonstrationen gegen extreme Polizeigewalt gegenüber Schwarzen sagte de Blasio am Sonntag im TV-Sender ABC: "Wir müssen offen über die historische Rassendynamik sprechen, die dem Problem zugrunde liegt".

De Blasio äußerte sich optimistisch darüber, dass eine Verständigung zwischen weißen Polizisten und schwarzen Mitbürgern hergestellt werden könne. Er selbst ist mit einer Afroamerikanerin verheiratet und hat, wie er sagte, seinen Sohn Dante vor Begegnungen mit der Polizei warnen müssen. Als Teil der Lösung bezeichnete er Schritte, die New York inzwischen eingeleitet habe: Lehrgänge für die Polizei im friedlicheren Umgang mit verdächtigen Personen und die Ausstattung mit Kameras an ihrer Uniform.

"Wir kommen nicht weiter, wenn wir die schwarze Bevölkerung oder die Polizei schlechter Absichten bezichtigen oder sie beschuldigen, ihre Aufgabe nicht zu erfüllen", sagte er. Auf die höhere Kriminalität unter Schwarzen angesprochen, verwies der Bürgermeister auf die "mangelnde ökonomische Fairness" in den USA. Allein in New York lebten 46 Prozent der Bürger in Armut, landesweit liege der Anteil bei einem Drittel.