Erstellt am 21. März 2016, 20:27

von APA/Red

Obama traf bei historischem Kuba-Besuch Raul Castro. US-Präsident Barack Obama ist am Montag bei seinem historischen Besuch in Kuba von Staatschef Raul Castro empfangen worden.

 |  NOEN, APA (AFP)

Obama pries in Havanna den Neuanfang in den Beziehungen der einst verfeindeten Länder. "Es ist ein neuer Tag", sagte Obama und lobte die "Fortschritte" in Kuba, doch Castro blieb distanziert und meinte: "Alles, was sich ändern sollte, ist exklusive Sache der Kubaner."

Obama und Castro schritten am Montag nach dem Erklingen beider Nationalhymnen eine militärische Ehrenformation im Palast der Revolution in Havanna ab. Die beiden begrüßten sich per Handschlag und zogen sich anschließend zu Gesprächen zurück.

Obama versuchte Castros Befürchtungen zu zerstreuen. Er betonte die Eigenständigkeit des vor der kommunistischen Machtergreifung unter US-Einfluss stehenden Karibikstaates. "Die Zukunft der Kubaner wird von den Kubanern entschieden, von niemandem sonst", sagte Obama.

US-Präsident warb für Reformen

Zugleich warb der US-Präsident für Reformen in dem autoritär regierten Staat. "Amerika glaubt an die Demokratie", sagte er bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Castro. Dazu gehöre auch die Meinungsfreiheit. Castro konterte, indem er Washington "Doppelmoral" bei den Menschenrechten vorwarf. Solange dies so bleibe, werden die Meinungsunterschiede zwischen den USA und Kuba nicht verschwinden.

Auch Castro bewertete die Annäherung zwischen den USA und Kuba positiv. Allerdings müssten beide Länder noch einen "langen und komplexen Weg" zurücklegen. "Es ist wichtig, Unterschiede zu akzeptieren und zu respektieren", sagte der kubanische Präsident. Erneut forderte er das Ende des US-Handelsembargos gegen den kommunistischen Karibikstaat.

"Wir erkennen die Position von Präsident Obama und seiner Regierung bei der Blockade sowie ihre wiederholten Appelle an den Kongress, diese aufzuheben, an", sagte Castro. Die jüngsten Schritte Washingtons seien "positiv, aber nicht ausreichend". Obama kündigte bei der Visite weitere Schritte für eine Annäherung der langjährigen Feinde an: So werde American Airlines noch in diesem Jahr Direktflüge von den USA nach Kuba aufnehmen.

Ende 2014: Normalisierung eingeleitet

Obama und Castro hatten Ende 2014 eine Normalisierung der Beziehungen zwischen den Gegnern aus den Zeiten des Kalten Kriegs eingeleitet. Vergangenen Sommer nahmen beide Länder wieder diplomatische Beziehungen auf, die USA lockerten ihre Reise- und Handelssanktionen gegen den kommunistischen Karibikstaat. Das Anfang der 60er Jahre verhängte Embargo kann nur der US-Kongress aufheben, wo sich die Republikaner mit ihrer Mehrheit gegen Obamas Kuba-Politik sperren. Kuba fordert zudem eine Rückgabe des seit 1903 unter US-Kontrolle stehenden Stützpunktes Guantanamo.

Obamas dreitägiger Besuch in Kuba - der erste eines US-Präsidenten seit fast 90 Jahren - markiert den bisherigen Höhepunkt des Annäherungskurses. Obama wird von seiner Frau Michelle und seinen zwei Töchtern begleitet. Nach seiner Ankunft am Sonntag unternahm der US-Präsident einen Spaziergang durch die Altstadt von Havanna. Am Dienstag will er sich in einer Rede an die kubanische Bevölkerung richten. Auch Treffen mit Privatunternehmern und Oppositionellen sowie der Besuch eines Baseballspiels stehen auf seinem Programm.

Vor Obama war überhaupt erst ein US-Präsident in Kuba, 1928 Calvin Coolidge. Ein Treffen Obamas mit Rauls Bruder und Revolutionsführer Fidel Castro (89) ist nicht geplant.