Erstellt am 16. November 2014, 10:56

ÖFB-Teamspieler warnten vor verfrühter Euphorie. Bei aller Freude über den 1:0-Erfolg gegen Russland am Samstag im Wiener Happel-Stadion waren Österreichs Fußball-Teamspieler bemüht, keine verfrühte Euphorie aufkommen zu lassen.

Man befinde sich zwar auf Kurs, bis zur endgültigen Fixierung des Tickets für die EM 2016 sei es allerdings noch ein hartes Stück Arbeit, lautete der einhellige Tenor.

"Wir müssen noch einige Punkte sammeln, um die Korken knallen zu lassen", betonte Marc Janko. Marko Arnautovic meinte: "Wir haben zwar einen Top-Gegner geschlagen, aber noch einen weiten Weg vor uns." Und Aleksandar Dragovic, dessen Auswechslung wegen Muskelbeschwerden nur eine Vorsichtsmaßnahme war, ergänzte: " Wir müssen die Kirche im Dorf lassen, es stehen noch viele schwere Spiele auf dem Programm."

"Diesmal haben wir die Chancen genutzt"

ÖFB-Kapitän Christian Fuchs wies darauf hin, dass man als Tabellenführer der Gruppe G trotz eines komfortablen Vier-Punkte-Vorsprungs auf den ersten Verfolger Schweden noch sechs schwierige Partien zu absolvieren habe. "Wir bleiben so lange bescheiden, bis unsere EM-Teilnahme schwarz auf weiß feststeht", versprach der Schalke-Legionär.

Seinen Stolz über den Sieg gegen den Gruppenfavoriten konnte Fuchs aber nicht verhehlen. "Das war eine sehr konzentrierte, taktisch disziplinierte Leistung. Man wirft uns oft vor, dass wir zu wenig effektiv sind, aber diesmal haben wir die Chancen genutzt, die wir hatten."

"Wir können nur als Team bestehen"

Erfreut war Fuchs auch darüber, dass seine Mannschaft die Führung relativ sicher ins Ziel brachte. "Die gefährlichste Zeit ist nach einem Tor. Da befindet man sich in Euphorie, die Konzentration lässt ein bisschen nach. Da pocht der Teamchef besonders darauf, dass wir in so einem Fall noch mehr aufpassen müssen", erzählte der 28-Jährige.

Dass die ÖFB-Auswahl gegen die "Sbornaja" auch vom Spielverlauf begünstigt war, stritt Fuchs nicht ab. "Das Glück hat uns vielleicht in der Vergangenheit ein bisschen mehr gefehlt als jetzt."

Vom Pech war die ÖFB-Auswahl allerdings im Vorfeld der Partie verfolgt, schließlich fielen mit David Alaba und Julian Baumgartlinger zwei Schlüsselspieler aus. "Doch Ilsanker und Leitgeb haben ihre Sache gut gemacht. Wir haben immer betont, dass wir nur als Team bestehen können, und das haben wir eindrucksvoll bewiesen", betonte der Niederösterreicher.

"Konnten Ausfälle kompensieren"

Auch Janko war voll des Lobes für Ilsanker und Leitgeb. "Unser Herz ist ausgefallen, doch wir haben gezeigt, dass wir in der Breite schon viel besser aufgestellt sind und solche Ausfälle kompensieren können."

Während Alabas Fehlen bekannt war, ließ der ÖFB über Baumgartlingers Knieprobleme nichts nach außen dringen. Dabei war man intern offenbar schon seit längerem auf einen Ausfall des Mainz-Legionärs eingestellt. "Ich habe so aufgewärmt, als ob ich von Anfang an spielen würde. Der Teamchef hatte schon alles mit mir abgesprochen, er hat mir meine Aufgaben erklärt, falls Julian nicht spielen kann", erzählte Ilsanker.

Der Salzburg-Mittelfeldspieler und sein Clubkollege Christoph Leitgeb mussten eine große Lücke füllen. "David und Julian waren in den letzten Spielen das Herz und die Lunge der Mannschaft und haben überragend gespielt. Ihr Ausfall war vor allem für die anderen Spieler schwierig, weil sie die Abläufe der beiden kennen. Aber Christoph und ich haben unsere Sache ganz gut gemacht, haben uns reingehaut und gefightet", sagte Ilsanker.

"Das bessere und glücklichere Team"

Dies traf auch für Martin Harnik zu, der das entscheidende Tor durch Rubin Okotie mustergültig vorbereitete. "Am Ende hat sich das bessere und vielleicht auch etwas glücklichere Team durchgesetzt", lautete das Resümee des Stuttgart-Offensivspielers.

Der gebürtige Deutsche lieferte eine nüchterne Analyse der bisherigen EM-Quali-Spiele ab. "Wir haben das Pflichtspieljahr sehr positiv abgeschlossen, auch wenn man sagen kann, dass wir eigentlich zwei Punkte zu wenig geholt haben, wenn man das Schweden-Spiel betrachtet."

Auf Kritik am englischen Schiedsrichter Martin Atkinson verzichtete Harnik - dabei hätte es nach einer Attacke an ihm Strafstoß geben können. "Mein Gegenspieler hat mich getroffen. Man kann ihn geben, aber es war kein glasklarer Elfer."

Auch mit der Entscheidung, den Okotie-Treffer nicht anzuerkennen, sei Atkinson richtiggelegen. "Ich hatte schon den Torschrei auf den Lippen, doch wenn man sich die Videobilder anschaut, war es sicher eine knappe, aber ich denke keine falsche Entscheidung", vermutete Harnik.