Erstellt am 05. Dezember 2014, 11:26

von APA/Red

OeNB erwartet heuer nur 0,4 Prozent BIP-Wachstum. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat am Freitag ihre Wachstumsprognose für Österreich gesenkt.

Demnach dürfte die heimische Wirtschaft heuer nur 0,4 Prozent real wachsen, Ende August hatte die OeNB noch 0,9 Prozent Plus erwartet. 2015 dürfte mit 0,7 Prozent auch nur wenig BIP-Zuwachs drin sein, für 2016 werden 1,6 Prozent für möglich gehalten, auch weniger als zuletzt.

Infolge der schwachen Wirtschaft dürfte die Arbeitslosenrate 2015 auf 5,3 Prozent ansteigen. Die heimische Inflation - seit längerem immer wieder die höchste Rate in der EU oder der Eurozone - dürfte sich auf dem aktuellen Niveau von rund 1,5 Prozent einpendeln, hieß es am Freitag seitens der Notenbank.

Die geringe Wachstumsdynamik des Welthandels und die Konjunkturschwäche im Euroraum belasten die heimische Exportwirtschaft. Die für Österreich maßgeblichen Exportmärkte dürften heuer nur um drei Prozent wachsen, übernächstes Jahr dann um fünf Prozent. Das sei aber deutlich unter den Raten von vor der Krise.

Die heimischen Investitionen werden? ?laut OeNB nur wenig zu einem Aufschwung beitragen können.? ?Das hohe Maß an Unsicherheit bezüglich der Absatzchancen im In-? ?und Ausland werde sich nur langsam zurückbilden,? ?die Investitionskonjunktur daher insgesamt recht schwach bleiben.

Der private Konsum werde sich 2014 und 2015 ?nur sehr verhalten entwickeln. 2016 würden jedoch wieder stärker wachsende Reallöhne für eine leichte Beschleunigung des Konsumwachstums sorgen. Die für die Eurozone maßgebliche HVPI-Inflationsrate werde 2014 bis 2016 um die 1,5 Prozent pendeln.

Für das gesamtstaatliche Budgetdefizit (laut Maastricht) erwartet die OeNB für heuer mit einer Verschlechterung auf 2,4 Prozent des BIP. Diese budgetäre Verschlechterung gehe insbesondere auf die stark steigenden Vermögenstransfers an Banken im Zuge der Reorganisation der Hypo Alpe Adria Gruppe (Heta) zurück. Für 2016 und 2016 rechnet die OeNB aber mit einer "signifikanten Verbesserung" des Maastricht-Defizits auf 1,8 bzw. 1,4 Prozent des BIP.

Auch der Anstieg der öffentlichen Schuldenquote im heurigen Jahr auf 85,4 Prozent des BIP werde durch die Hypo-Reorganisation getrieben.? ??Für 2015? ?wird eine Trendumkehr in der Entwicklung der öffentlichen Schuldenquote erwartet, und die öffentliche Schuldenquote soll bis Ende? ?2016? ?auf? ?82,9 Prozent ?des BIP sinken.?

Österreich befinde sich nicht in einer technischen Rezession, sagte OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny am Freitag bei der Präsentation der neuen Konjunkturprognose, die für 2014 bis 2016 spürbar schlechter ausfällt. Der niedrige Ölpreis sollte zur Ankurbelung des Wachstums genutzt werden, aber auch Struktur- und Fiskalpolitik seien hier gefragt.

Ein normaler Konjunkturaufschwung sei in der Prognose "leider nicht unterlegt", sagte OeNB-Expertin Doris Ritzberger-Grünwald, "eine Rezession sehen wir auch nicht", sondern "eine Erholung in kleinen Schritten".

Österreich sei gut über die Wirtschaftskrise gekommen, sagte Nowotny rückblickend, 2014 bis 2016 weise unser Land aber eine vergleichsweise geringere Dynamik auf. "Wir müssen achten, dass wir nicht in eine strukturelle Wachstumsschwäche geraten. Ich würde das als Warnsignal sehen", betonte der Notenbank-Gouverneur in Richtung Wirtschaftspolitik.

"Genau analysieren" will die OeNB laut Nowotny die in Österreich mit heuer 1,5 Prozent und kommendes Jahr 1,4 Prozent im europäischen Vergleich recht hohe Teuerungsrate. An sich sei ja diese Rate deutlich unter dem, was die EZB als Preisstabilität ansehe. Doch gebe es eine Reihe heimischer Sonderfaktoren, etwa der Dienstleistungssektor und der Fremdenverkehr würden die Inflation antreiben - für Ritzberger-Grünwald auch ein Zeichen, dass der Tourismus gut läuft. Zudem seien rund 0,4 Prozentpunkte der Teuerung durch den öffentlichen Sektor verursacht, etwa Gebühren, so Nowotny.

Zum Budgetvollzug 2014 sei die OeNB etwas optimistischer als das Finanzministerium, sagte Nowotny. Bei den Ausgaben sei man heuer etwas sparsamer, und die Einnahmen seien heuer gut. Das Defizit steige aber, erstens weil positive Vorjahreseffekte (etwa die Telekom-Auktion) wegfielen, vor allem aber wegen der "Vermögenstransfers an Banken", also hauptsächlich die Hypo/Heta-Restrukturierung. Freilich gebe es gerade im Bad-Bank-Bereich "erhebliche Unsicherheiten", was die Bewertungsfragen betreffe.

Bei den Fiskalprojektion in die Zukunft hinein sei die OeNB vergleichsweise positiver, jedoch seien nur bereits beschlossene Maßnahmen enthalten.