Erstellt am 08. September 2014, 22:45

von Wolfgang Wallner

Österreich mit Power-Play 1:1 gegen Schweden. Trotz über weite Strecken drückender Überlegenheit reichte es am Ende nur für ein Unentschieden. Dabei hatte David Alaba die Österreicher per Elfmeter schon früh in Führung geschossen.

Gänsehautatmosphäre im ausverkauften Wiener Ernst-Happel-Stadion, ein rot-weiß-rotes Fahnenmeer und große Träume: Nämlich von der Qualifikation für ein Großereignis. Zuletzt war das bei der WM 1998 gelungen. Durch ein Traumtor des Breitenfurters Andreas Herzog – gegen Schweden. Ein Da capo bliebt diesmal aus.

Teamchef Marcel Koller schenkte auf zum Auftakt der EM-Qualifikation wieder dem Maria Enzersdorfer Marc Janko das Vertrauen. Schließlich hatte der 31-Jährige beim letzten Heimspiel gegen die Skandinavier getroffen. Der Australien-Legionär – seit Anfang August beim FC Sydney unter Vertrag – agierte als Solospitze. Koller: „Marc hat immer gute Leistung im Team gebracht.“ Als zweiter NÖ-Beitrag im ÖFB-Aufgebot im Einsatz: Christian Fuchs. Der Teamkapitän aus Pitten beackerte die linke Außenbahn in der Kette. An der Seite von Martin Hinteregger, der mit Aleksandar Dragovic die Innenverteidigung bildete. 

Flottes Gegentor als Wermutstropfen

Die Freude über den rot-weiß-roten Traumstart – Larsson blockte einem Alaba-Stanglpass mit der Hand, der Bayern-Star traf per Penalty (7.) währte nur kurz. Denn Routinier Kim Kallström hämmerte das Leder per Freistoß Richtung Strafraum, Superstar Zlatan Ibrahimovic verlängerte per Kopf nach links. Und dort ließ Erkan Zengin Florian Klein alt aussehen – 1:1. Der Stuttgart-Legionär sah sich allerdings zwei Gegenspielern gegenüber, auch Fuchs war am Zuordnungs-Wirrwarr nicht ganz schuldlos. Zengin setzte gleich nach, wieder ging's über die rechte Abwehrseite der Österreicher viel zu leicht. Die Latte rettete für Robert Almer (15.). 

Immerhin: Marko Arnautovic kam postwendend zum Abschluss. Die Koller-Kicker hatten den Ausgleich endgültig verdaut, versuchten die nicht wirklich nicht sattelfesten Schweden unter Druck zu setzen. Prompt hatte Martin Harnik bei einem Junuzovic-Corner im Rückraum Platz, schloss gar nicht ungefährlich ab (26.). Erst Junuzovic, dann Harnik aus spitzem Winkel (37.): Die Österreicher waren am Drücker, macht mit Kollers Markenzeichen – dem Offensivpressing – Dampf. Julian Baumgartlinger scheiterte nach starker Balleroberung durch Zlatko Junuzovic an Routinier Isaksson (40.). Kurz vor der Pause tauchte auch Marc Janko auf, brachte aber zu wenig Druck hinter den Kopfball. So recht im Spiel war der Niederösterreicher nicht, wirkte ein wenig isoliert in einer gut kombinierenden Austro-Elf, die vor allem über Alaba und Junuzovic Spielfreude versprühte.

Power-Play fordert seinen Tribut

Mit einem Kopfballaufsetzer nach Junuzovic-Corner setzte Martin Hinteregger das erste Ausrufezeichen nach der Pause (50.). Der Salzburger setzte wenige Minuten später Junuzovic in Szene, Isaksson hätte sich beinahe aus der Distanz überraschen lassen. Neun Corner waren's mittlerweile für Österreich – nur der Abschluss fehlte. Wie bei Janko, der überhastet per Kopf versiebte (54.). Da hätte der Mödlinger Zeit gehabt, um sich die Kugel herzurichten. Sein NÖ-Landsmann Christian Fuchs agierte offensiv weit weniger auffällig als Florian Klein, sein Pedant auf rechts, im Stellungsspiel aber bis auf zwei Patzer vor der Pause solide. Besser wurde es für den Pittener aber nicht. 

Viel Aufwand, viele vergebene Chancen: All das fordert Tribut, Österreichs Power verpuffte nach einer Stunde. Teamchef Koller sah's ähnlich, brachte mit 1860-München-Legionär Rubin Okotie statt Janko einen frischen Stürmer. Der 31-Jährige kam als vergleichsweise statischer „Center“ gegen die tief stehenden Schweden nur selten zur Geltung. Auch mit Okotie galt's: Der Zauber war vorbei, die Skandinavier witterten ihre Chance gegen Österreicher, die mit ihrem Power-Play viel Kraft gelassen hatten. Und beim ersten Corner der Schweden wurde es gleich brenzlig, Ibrahimovic hatte gefährlich in den Fünferraum verlängert – erst im letzten Moment wurde geklärt (82.). Hinteregger bügelte kurz vor dem Strafraum einen Fuchs-Fehler im Spielaufbau aus (88.).

Wirkliche Offensivambitionen zeigten die Schweden aber nicht, macht hinten dicht. Ein Punkt in der Fremde reichte den Skandinaviern. Den durften sie auch mitnehmen – gegen eine österreichische Nationalmannschaft, die eine Stunde lang starken Fußball gezeigt hat. Aber nicht abgebrüht und nicht effizient genug war. Und auch keinen Plan B in petto hatte, als die „Akkus“ zur Neige gingen.

Stimmen zum Spiel 

David Alaba (ÖFB-Torschütze): Der Gegentreffer war sicherlich zu verhindern. Schade, weil wir hätten mehr daraus machen können. Schweden hat gut dagegen gehalten, wir hatten aber gute Chancen, um hier zuhause vor eigenem Publikum drei Punkte zu holen. Daher sind wir nicht hundertprozentig zufrieden. Aber es war das erste Spiel und wir müssen noch viele Punkte verbessern, aber wir werden unseren Weg weitergehen. Natürlich wird man irgendwann ein bisschen müde, aber über weite Strecken haben wir ein gutes Spiel gespielt. 

Zlatko Junuzovic (ÖFB-Spielmacher): Ich glaube schon, dass wir eine gute Leistung abgerufen haben. Mit dem Ergebnis sind wir aber sicherlich unzufrieden. Das Tempo kann man natürlich nicht 90 Minuten gehen. Leider haben wir die nötige Entschlossenheit vermissen lassen. Aus den Standards hätten wir mehr herausholen müssen. Wir haben bestimmt sehr viel gut gemacht, aber den Ausgleich haben wir viel zu einfach bekommen. 

Zlatan Ibrahimovic (Schweden-Stürmer): Es war ein schwieriges Spiel. Wir haben gleich den Ausgleich geschafft, waren dann aber noch gehörig unter Druck. Wir haben auswärts gespielt und können mit dem Punkt zufrieden sein. Wir waren auf dieses harte Spiel eingestellt. Die Gruppe ist sicher offen, nach dem ersten Spiel kann man aber noch nicht sehr viel sagen. 

Facts & Figures

Österreich – Schweden 1:1 (1:1)

Torfolge: 1:0 (7., Handselfmeter), 1:1 (12.) Zengin.

Gelbe Karten: (22., Foul) Ibrahimovic, (59., Foul) Larsson, (80., Foul) Källström.

Österreich: Almer; Klein, Dragovic, Hinteregger, Fuchs; Baumgartlinger, Alaba; Harnik (86. Lazaro), Junuzovic, Arnautovic (77. Leitgeb); Janko (69. Okotie).

Schweden: Isaksson; Bengtsson, Granqvist, Antonsson, M. Olsson; S. Larsson, Källström (85. Wernblom), S. Ekdal; Durmaz (72. Elmander), Ibrahimovic, Hysen

Happel-Stadion, 48.500, SR Kralovec (CZE)