Erstellt am 30. September 2015, 12:32

Österreich mit "Tischtennis-Cordoba". Ihren Beinamen "Die Chinesen Europas" sind Deutschlands Tischtennis-Herren los. Nach sechs EM-Siegen von 2007 bis 2013 bedeutete die zweite Endspiel-Niederlage in Serie das Ende einer Erfolgstory für den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB).

 |  NOEN, APA (AFP)

Österreichs Herren-Team durfte dagegen nach dem 3:2-Finaltriumph in Jekaterinburg über das DTTB-Team ein "Tischtennis-Cordoba" bejubeln.

"Wir haben gewonnen, weil wir das Spiel mehr gewinnen wollten als die Deutschen", betonte Österreichs Matchwinner Stefan Fegerl treffend. Ähnlich fiel auch der Kommentar von Österreichs Nummer eins aus. "Wir wollten diesen Erfolg einfach unbedingt, hatten einen großen Willen", sagte Robert Gardos, der auf 1:0 gestellt hatte. Und auch Daniel Habesohn hielt dem Druck stand und holte mit dem Sieg über Patrick Franziska den wichtigen Punkt zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung.

Das mehr als vierstündige Drama auf asiatischem Terrain war gespickt mit abgewehrten und nicht genutzten Matchbällen sowie Ballwechseln chinesischer Güteklasse. Auf deutscher Seite stemmte sich Europameister Dimitrij Ovtcharov mit viel Kampfgeist und großer Willensstärke gegen die Niederlage, konnte sie trotz seiner zwei Siege aber nicht verhindern. "Letztlich war Österreich einen Tick besser", gestand Deutschlands Coach Jörg Roßkopf.

Was der nach einer Knie-Operation arg vermisste deutsche Top-Star Timo Boll als "bittere Kiste" bezeichnete, war für den neuen DTTB-Sportdirektor Richard Prause ein Weckruf. "Wir müssen jetzt richtig Gas geben, um an die alte Position zurückzukommen", forderte der ehemalige Cheftrainer der Werner-Schlager-Akademie in Schwechat nach der Finalniederlage gegen Österreich. Ovtcharov bemängelte fehlende Nerven und Kondition seiner beiden Mitstreiter. Noch während der Partie hatte er seinen Trauzeugen Patrick Baum gerüffelt.

Gardos hatte den Linkshänder Baum im Auftakteinzel, in dem er einen Matchball abwehrte, gebrochen. Fegerl, der in einer Weltklassepartie gegen Ovtcharov noch einen Matchball vergeben hatte, nützte diese Schwäche und fegte den zweifachen Vizeeuropameister in der Entscheidungspartie mit 3:0 von der Platte. "Es wird Zeit, schnell wieder fit zu werden", lautete deshalb die Kampfansage von Rekord-Europameister Boll auf Facebook.

Zeit für eine große Feier blieb den Österreichern vorerst nicht. Erst nach 23.00 Uhr kam das Team ins Hotel zurück, wo beim Essen auch noch auf den Erfolg angestoßen wurde. Schon am Donnerstag geht es für das Erfolgs-Trio mit dem Einzelbewerb weiter.