Erstellt am 26. Oktober 2016, 15:19

Schauspiel und Musik im Hohen Haus am Nationalfeiertag. Das Parlament hat seinen vorerst letzten Tag der offenen Tür auf besondere Art und Weise begangen. Wer am Mittwoch das Gebäude besichtigte, bekam nicht nur die Möglichkeit, mit den Abgeordneten zu plaudern und die Räumlichkeiten zu sehen, sondern eine Reihe an schauspielerischen und musikalischen Darbietungen zum Thema Demokratie geboten.

Großer Andrang beim offenen Parlament  |  APA

Rund um den heutigen Nationalfeiertag haben Interessierte vorerst das letzte Mal Gelegenheit, den traditionellen Tag der offenen Tür im Gebäude am Ring zu besuchen: Bis 2020 werden die Tore des Parlaments nämlich wegen der Generalsanierung geschlossen bleiben.

Für das Kunstprojekt "Im Herzen der Demokratie", das die Besucher zur Auseinandersetzung mit Demokratie und Parlamentarismus anregen sollte, hatten Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf acht deutschsprachige Autoren eingeladen, sich mit dem Begriff Demokratie auseinanderzusetzen und sich Gedanken über Österreich zu machen. Die Texte von Juli Zeh, Christine Nöstlinger, Milena Michiko Flasar, Paulus Hochgatterer, Clemens Setz, Martin Pollack, Franz Schuh und Angelika Reitzer wurden in verschiedenen Räumen des Parlaments von Schauspielern und Musikern umgesetzt. Im Wechsel mit den etwa zehnminütigen Schauspielszenen wurden Musikeinlagen, unter anderem von den Gruppen Federspiel, Alma und von Marino Formenti, geboten. Auch am morgigen Donnerstag sind die Darbietungen noch zwischen 16.00 und 22.00 Uhr zu sehen.

Schilder mit bunten Kreuzen lotsten die Besucher von einer Aufführung zur nächsten. So war im Sitzungssaal des Bundesrats etwa eine Aufnahme von Christine Nöstlingers Rede zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen zu hören. Interpretiert wurde die Rede von der Puppenspielerin Ulrike Langenbein, die eigens dafür eine langhaarige, blonde Puppe anfertigte - die achtjährige Christine Nöstlinger.

In beeindruckendem Ambiente, nämlich dem Historischen Sitzungssaal des Nationalrats, aber bei schlechter Akustik interpretierten Katharina Stemberger und Sona MacDonald den Text "Die strenge Kammer der Phrasen" von Franz Schuh. Durch das ständige Raus- und Reingehen der Besucher war die Darbietung, die die Phrasendrescherei von Politikern und Journalisten thematisierte, in dem großen Saal nur schlecht zu verstehen.

Auf ungewohnte Art genutzt wurde auch der Budgetsaal, wo die Musiker von "Die Strottern" beim Spielen auf den Tischen spazierten. Martin Pollak, der für den erkrankten Bert Oberdorfer einsprang, las seinen Text "Im Wald" - "ein Text über Großväter anhand von Vernehmungsprotokollen aus Nürnberg", so Pollack.

Neben den Darbietungen gab es auch heuer wieder die Möglichkeit, mit den Abgeordneten ins Gespräch zu kommen. Besonders beliebt bei den Besuchern, die teilweise bereits eine Stunde vor Öffnung vor dem Parlament Schlange gestanden hatten, war wieder die Möglichkeit, sich am Rednerpult im Sitzungssaal des Nationalrats fotografieren zu lassen. Auf großen Plakatwänden wurden die Besucher über die bevorstehende Generalsanierung des Gebäudes, die 2017 startet, sowie über das Ausweichquartier bei der Hofburg informiert.

Außerdem luden die Nationalratspräsidenten in ihre Büros. Beim Dritten Nationalratspräsidenten und Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer drehten sich die Gespräche vor allem um die Präsidentenwahl. Hofer, der am Vormittag vor allem von Anhängern besucht wurde, zeigte sich zuversichtlich in Bezug auf den Wahlausgang und nahm gute Wünsche für den 4. Dezember entgegen.

Großer Andrang herrschte am Mittwochnachmittag auch beim Tag der offenen Tür im Bundeskanzleramt. Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) begrüßte die Besucher, schüttelte Hände und ließ sich fotografieren. "Es macht riesen Spaß", sagte er über seinen ersten Auftritt als Gastgeber beim Tag der offenen Tür am Nationalfeiertag. "Es ist ein sehr entspannter Nachmittag."

Auch Englisch sprechende Touristen interessierten sich für den Kanzler, der auf seinem Rundgang durch die Räume des Bundeskanzleramts immer wieder für Staus sorgte. Dem Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ) lief Kern zwar deutlich den Rang ab, doch auch Drozda ließ sich mit einigen Besuchern fotografieren und erklärte ihnen geduldig die Räumlichkeiten.

Zudem beleuchtete eine Ausstellung des Staatsarchivs die "Anfänge der Republik" und für die Kampagne #GegenHassimNetz konnten eigene Unterstützungspostings kreiert werden. Auch am schlichten, weißen Schreibtisch des Bundeskanzlers konnten die Besucher Platz nehmen. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Hofmusikkapelle mit den Wiener Sängerknaben. Infostände gab es unter anderem zu "Digitales Österreich & E-Government", die jüngsten Besucher wurden beim Kinderschminken und Malen betreut.

Auch das Wissenschaftsministerium und das Bildungsministerium öffneten ihre Pforten und boten ein vielfältiges Programm. So konnten die Besucher den Pflegeroboter "HOBBIT" bewundern, einen 3D-Drucker beim Herstellen von Vasen beobachten oder die vom "Amalettomat" automatisch hergestellten Palatschinken kosten. Anklang fand auch der Auftritt des Jugendchors "Superar" und Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) ließ sich mit den Besuchern ablichten.