Erstellt am 23. Mai 2016, 16:17

von APA Red

Österreich wartet auf den Sieger der Bundespräsidenten-Wahl. Das Innenministerium rechnet mit dem Vorliegen des Wahlergebnisses zwischen 15.30 und 16.00 Uhr. Indes sind erste Wahlkarten-Ergebnisse durchgesickert, die auf ein äußerst knappes Rennen deuten.

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In Kürze wird verkündet, wer der neue Bundespräsident ist. Allerdings deuteten mit fortschreitendem Nachmittag immer mehr Signale auf Alexander Van der Bellen (Grüne), der denn auch etwa auf Twitter von verschiedenen Quellen schon zum Präsidenten ausgerufen wurde. Das Innenministerium hat bisher noch nichts bestätigt.

Aber die meisten Bundesländer-Ergebnisse lagen um 15.45 Uhr bereits vor. Und in allen hatte sich Van der Bellen deutlich verbessert gegenüber dem Wahltag. So lag der Grüne Professor in der Steiermark inkl. Briefwahl bei 43,78 Prozent, am Wahlsonntag waren es nur 41,32 Prozent. In Wien kletterte er von 61,16 auf 63,32 Prozent. Laut ORF fehlen noch sechs Bezirkswahlergebnisse.

Wiener und Steirer ließen Hofers Vorsprung weit schmelzen

Die Wiener und steirischen Briefwähler haben dem Grünen Kandidaten Alexander Van der Bellen mehr als die Hälfte dessen an Stimmen gebracht, was er brauchte, um den Vorsprung von Norbert Hofer (FPÖ) abzubauen. Um 144.006 lag Hofer im vorläufigen Endergebnis Sonntagabend vorne, die Auszählung der Wiener und der steirischen Briefwahl ließ diesen Vorsprung um fast 87.000 Stimmen schmelzen.

Aus Kärnten kam ein weiteres Plus von 4.000 Stimmen für Van der Bellen. In Wien baute der Grüne (mit letztlich 63,32 Prozent) den Vorsprung auf Hofer von 135.119 Stimmen mit der Briefwahl auf 209.560 aus. In der Steiermark blieb zwar Hofer mit 56,22 Prozent (am Wahlsonntag waren es noch 58,68 Prozent) vorne. Aber durch die Briefwähler schmolz sein Vorsprung gegenüber dem Grünen von ursprünglich fast 97.000 auf nach der Briefwahl nur mehr rund 85.000 Stimmen. Van der Bellen steigerte sich von 41,32 auf 43,78 Prozent.

Das Land Salzburg veröffentlichte auf seiner Homepage einen laufend aktualisierten Gesamtstand.

Demnach wies Alexander Van der Bellen gegen 14 Uhr einen österreichweiten Briefwahl-Zwischenstand von etwas über 60 Prozent auf - damit hat der ehemalige Grünen-Chef nach wie vor gute Chancen, das Ergebnis vom Wahlsonntag noch zu seinen Gunsten zu "drehen".

Bisher sind laut dieser Statistik 67 von 117 Briefwahlergebnissen österreichweit eingelangt.

Rückschlüsse unseriös

Im Innenministeriums betonte man, zum derzeitigen Zeitpunkt seien sämtliche Rückschlüsse aus den Teilergebnissen der Wahlkartenauszählung auf das Gesamtergebnis unseriös. Um tatsächlich Ergebnisse ableiten zu können würden noch viel zu wenig Daten vorliegen. Allerdings schreitet die Auszählung der Briefwahlstimmen rasch voran.

Das Innenministerium rechnet mit dem Vorliegen des Ergebnisses zwischen 15.30 und 16.00 Uhr, hieß es zur APA. Verlesen wird es von Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) im Festsaal des BMI, der bereits ab 15.00 für die Medienvertreter geöffnet wird.

Wann genau dies erfolgen wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis ohne Briefwähler erhielt Hofer 51,9 Prozent der Stimmen, Van der Bellen 48,1 Prozent. Für Hofer bedeutet dies einen Vorsprung von rund 144.000 Stimmen. Mehr als 700.000 Wahlkarten fehlen in dem Ergebnis allerdings noch.

Gemäß der Wahlkarten-Prognosen von ARGE Wahlen und SORA wird dieser Vorsprung aber massiv schrumpfen und beinahe ein Gleichstand erzielt.

ARGE: Hofer, SORA: VDB

Während die Schätzung der ARGE Hofer hauchdünn vorne sieht, liegt bei SORA Van der Bellen knapp 2.900 Stimmen voran. Das Institut für Wahl-, Sozial- und Methodenforschung in Kaufbeuren sieht den Grün-Kandidaten letztlich um 6.000 Stimmen vor Hofer. Ziemlich sicher ist, dass die Wahlbeteiligung, die im ersten Durchgang bei 68,5 Prozent lag, auf über 70 Prozent steigen dürfte.

Alexander Van der Bellen will nach Bekanntgabe des endgültigen Ergebnisses inkl. Briefwahlstimmen ein Pressestatement für in- und ausländische Medien im Palais Schönburg abgeben.

Die FPÖ nimmt hingegen offenbar ihren "blauen Montag" auch angesichts einer möglichen Wahl ihres Kandidaten Norbert Hofer zum Bundespräsidenten ernst.

Erst am Dienstag nach dem Parteivorstand soll es eine Stellungnahme zur dann entschiedenen Wahl geben, kündigten die Freiheitlichen am Montag an. Auch Ort und Zeit blieben am Montagnachmittag vorerst noch unklar.

Sollte Van der Bellen gewinnen, dürfte es jedenfalls Freudengesänge von Unterstützern am Heldenplatz geben. Einmal mehr soll das "Alexander"-Lied der Gesangskapelle Hermann - die Adaption eines alten Wahlkampfsongs der ÖVP aus dem Jahr 1966 - zum Vortrag gebracht werden, hieß es in einer Aussendung.