Erstellt am 22. April 2014, 12:47

ÖVP, Grüne und BZÖ präsentierten EU-Wahl-Kampagnen. ÖVP-Spitzenkandidat Othmar Karas zieht - wie schon 2009 - wieder mit einem Personenkomitee in den EU-Wahlkampf.

Vorgestellt wurde die Initiative von Unterstützern am Dienstag am Wiener Stephansplatz. Finanziert werden soll es laut Karas über Spenden, die man den Transparenzregeln entsprechend veröffentlichen will. Auch die Grünen und das BZÖ stellten am Dienstag neue EU-Wahl-Kampagnen vor.

Als erste Karas-Unterstützer fanden sich u.a. das Schauspieler-Paar Peter Simonischek und Brigitte Karner, Nationalbank-Präsident Claus Raidl, Philharmoniker-Cellist Franz Bartolomey und Journalist Rudolf Nagiller ein. Es gehe darum, "unseren besten Politiker" nach Brüssel zu schicken, bekundete Simonischek. Und Nagiller befand, Karas sei zwar "sachlich bis zur Sprödigkeit", wirke dafür aber nicht so "verspindoktort" wie andere Politiker.

Raidl hatte schon 2009 für Karas geworben, als Ernst Strasser Spitzenkandidat der ÖVP war. Er habe damals gesagt, die Partei habe den falschen Spitzenkandidaten und recht behalten, so Raidl, der bekundete, auch deshalb für Karas zu stimmen, damit ein EVP-Politiker und kein Sozialdemokrat Kommissionspräsident werde. Seitenhiebe teilte Raidl in Richtung Konkurrenz aus: SP-Quereinsteiger Eugen Freund bezeichnete er als in die Europapolitik eingeflogenen "Helikopter-Kandidaten", NEOS-Frontfrau Angelika Mlinar als klassische "Abschiebe-Kandidatin" und die Grüne Ulrike Lunacek "vertritt halt leider nur Minderheiten-Themen".

Karas selbst bekundete einmal mehr, ein parteiübergreifender Kandidat sein zu wollen: "Ich bin der Kandidat aller Österreicherinnen und Österreicher, die in Europa etwas bewegen wollen." Die ÖVP kam bei der Präsentation kaum vor, auch die Homepage des (freilich teils von ÖVP-Funktionären organisierten) Personenkomitees kommt ohne Parteilogo aus.

Die Grünen setzen unterdessen nach dem Paradeiser in ihrer zweiten Plakatwelle nun auf Ferkel, Gurken und einen Rettungsring. Die Botschaften dahinter: Für Solidarität und Menschlichkeit, gegen die "Macht der Agrarkonzerne" und gegen Korruption, wie Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek und Parteichefin Eva Glawischnig erklärten.

Die Grünen sind besorgt, dass multinationale Konzerne und die Industrie die europäische Idee untergraben, es gehe um Fragen wie Umweltschutz und Lebensmittelvielfalt, meinte Glawischnig. Die Grünen stünden auf der "richtigen Seite". Lunacek hob außerdem hervor, dass die Grünen europaweit für dasselbe stehen und schon viel erreicht hätten.

Das BZÖ startet ebenfalls eine Plakatkampagne für die EU-Wahl. Auf den Plakaten ist Spitzenkandidatin Angelika Werthmann gemeinsam mit BZÖ-Chef Gerald Grosz abgebildet, dazu der Slogan "Ans Werk! Mit voller Kraft für Österreich". Die Plakate wurden von "jungen, kreativen Köpfen im BZÖ" entworfen, erklärte Grosz bei der Präsentation der Kampagne.

Mit der Kampagne wolle man auch die Stimmung der Österreicher aufgreifen und nicht "leere Worthülsen oder kindliche Reime" vermitteln, sondern "klare Botschaften", wohin die Reise gehen soll, sagte Grosz. Die wichtigsten Themen seien die Eurokrise, die Wut auf Banken und Spekulanten, die teure Bürokratie in Brüssel und das "massive Demokratiedefizit", erklärte Werthmann. Beide betonten, auch die "50 Prozent derzeitigen Nicht-Wähler" ansprechen zu wollen.

Europa anders-Spitzenkandidat Martin Ehrenhauser musste derweil am Dienstag den beginnenden Bauarbeiten für das Wiener Deserteursdenkmal am Ballhausplatz weichen und übersiedelte ein paar Meter weiter auf die Wiese neben der Präsidentschaftskanzlei. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch will er bekannt geben, "wo wir in Zukunft sein werden", sagte er am Dienstag. Außerdem sei für morgen vor dem Ministerrat "eine kleine Aktion" geplant. Seit Sonntag vor einer Woche protestiert der EU-Abgeordnete vor dem Bundeskanzleramt gegen die Bankenrettung.