Erstellt am 08. November 2014, 12:10

von APA/Red

Spindelegger warf keine Steine in Abschiedsrede. Der zurückgetretene ÖVP-Chef Michael Spindelegger hat in seiner Abschiedsrede beim Parteitag am Samstag in Wien nicht ausgeteilt. Vielmehr appellierte er an alle Mitglieder, die neue Führungsmannschaft zu unterstützen.

Spindelegger wurde mit Standing Ovations und seinem Wahlkampfjingle aus dem Vorjahr verabschiedet.

"Wer erwartet, dass ich heute Steine werfe, den werde ich enttäuschen", hielt Spindelegger gleich eingangs fest und meinte, er wolle sich "in aller Form und Würde" verabschieden.

Er sei "stolz und durchaus glücklich", dass er die Partei dreieinhalb Jahre leiten durfte. Diese dreieinhalb Jahre gelten oft als "nicht lange", gefühlt seien es aber "mindestens zehn Jahre" und dies würde jeder frühere Parteichef bestätigen, so Spindelegger, wofür er Schmunzeln unter den Gästen erntete.

Dankesrede statt Vorwürfe

Spindelegger nutzte die Gelegenheit, um sich bei seinem damaligen Regierungsteam zu bedanken. Hervor hob er seinen früheren Staatssekretär Jochen Danninger – ein "treuer Freund" – der allerdings nach Spindeleggers Rückzug die Regierung verlassen musste.

Erwähnt hat er auch seinen Unterstützer aus Niederösterreich, Landesparteichef Erwin Pröll, und Klubchef Reinhold Lopatka, mit dem er sich "erst finden" musste, wie Spindelegger einräumte.

Zum Abschluss richtete er einen "emotionalen Appell" an die ÖVP-Mitglieder: "Wer wenn nicht wir, wenn nicht diese ÖVP, gibt Österreich die richtige Richtung?"

Aufforderung: "Zu Mitterlehner stehen"

Er forderte sie außerdem auf, hinter dem neuen Chef Reinhold Mitterlehner zu stehen, "wenn andere ihn angreifen" und ihn und seine Mannschaft "voll und ganz zu unterstützen. Das ist die Aufgabe, die jetzt vor uns allen liegt". Er selbst werde jetzt zu jenen gehören, die mitfiebern und "Zettel austeilen".

Die ÖVP sei seine Partei in der Vergangenheit gewesen, sie sei es in der Gegenwart und "bleibt's natürlich auch morgen", schloss Spindelegger. Die Besucher verabschiedeten ihn mit Standing Ovations.

Die Begrüßung der knapp über 800 Gäste, darunter 449 stimmberechtigte Delegierte (von 527 geladenen), übernahm Wien-Chef Manfred Juraczka. Er nutzte seine Begrüßungsrede für den Landtagswahlkampf und richtete Kritik an die rot-grüne Stadtregierung.

Alle Anwesenden ernteten großen Applaus

"Ich fürchte mich nicht", erklärte er zur "angeblichen Einstelligkeit" der Landespartei und "angeblichen Problemen bei der Abgrenzung zum neuen Mitbewerb". Zu den NEOS hielt er daher fest: Pink mag eine Modefarbe sein, aber schwarz sei immer in Mode. Er zeigte sich überzeugt, dass die ÖVP bei der Wiener Landtagswahl erfolgreich sein wird.

Unter den Besuchern des Parteitags waren auch die früheren Obmänner Josef Riegler, Josef Taus, Wolfgang Schüssel, Wilhelm Molterer und Josef Pröll sowie Mitterlehners unmittelbarer Vorgänger Spindelegger. Letzterer wurde schon bei der Begrüßung mit deutlichem Applaus bedacht, bei Mitterlehner schien dieser gar nicht mehr zu enden.