Erstellt am 23. März 2015, 19:25

Ogris übernahm bei Herzensclub: "Müssen hart arbeiten". Nach 346 Pflichtspielen als Aktiver hat Andreas Ogris bei der Wiener Austria am Montag erstmals als Chefcoach den Trainingsplatz betreten. Als Trainer auf Zeit will die violette Stürmerlegende mit den tief in die Krise geschlitterten Favoritnern in den kommenden zwei Monaten noch die Wende zum Guten schaffen.

"Ich bin überzeugt, dass in der Mannschaft genug Qualität steckt, um unser Ziel noch zu erreichen", sagte Ogris bei seinem ersten Pressetermin als Betreuer seines Herzensclubs. Für den 50-Jährigen ist die Aufgabe eine große, aber auch ehrenvolle: "Es macht mich sehr stolz. Jeder der mich kennt weiß, dass ich violett bis in die Knochen bin."Über das Angebot, den glücklosen Gerald Baumgartner abzulösen, habe er nicht lange überlegt, "sondern gleich Ja gesagt". Ogris soll in den zehn ausstehenden Runden bis Saisonende bei den auf den siebenten Tabellenrang abgerutschten Austrianern für neue Impulse sorgen.

Montagnachmittag 15:07 Uhr betrat der Ex-Teamstürmer unter vereinzeltem Applaus der rund 60 Zaungäste das Trainingsgelände neben der Generali Arena. Zuvor hatten Ogris und Sportdirektor Franz Wohlfahrt die dezimierte Mannschaft - neun Profis sind für Länderspiele abgestellt - in der Kabine zu einer kurzen Ansprache gebeten.

"Wir müssen lauter werden, noch lauter"

Besprochen wurde dabei laut Ogris Grundsätzliches, "damit jeder weiß, wie die Züge verkehren". Längere Gespräche sollen in den kommenden Tagen folgen, dann soll auch der neue Co-Trainer ernannt werden. Ogris sieht sich vorerst eher als Beobachter, der vormalige Trainer der Amateur-Mannschaft will die Lage genau sondieren.

In der 90-minütigen Trainingseinheit verfolgte Ogris das Geschehen auch meist stoisch. Beim abschließenden Trainingsspiel gab es kurze Anweisungen in den Trinkpausen. "Wir müssen lauter werden, noch lauter", war in breitem Wiener Dialekt einmal zu hören. Am Dienstagabend (19.00 Uhr) bestreitet die Austria unter Ogris einen ersten Testauftritt. Gegner ist auswärts die in der achten Leistungsstufe engagierte SG Waidhofen/Ybbs.

Schwierige Aufgaben für Veilchen

Weitaus schwieriger werden die nächsten Matches nach der Länderspielpause. Gleich dreimal muss die Austria auswärts antreten, nach Salzburg (4. April), dem Cup-Viertelfinale in Kapfenberg (7. April) und der Partie in Grödig (11. April) wartet erst am 19. April das nächste Heimspiel gegen den WAC. Zusätzlichen Druck verspürt Ogris mit Blick auf die Aufgaben aber nicht.

"Wenn man bei der Austria arbeitet, hat man immer Druck. Ich habe in meiner aktiven Zeit damit umgehen können, und ich glaube, ich kann das auch jetzt", betonte der 63-fache ÖFB-Internationale. Die nächsten zwei Monate wolle er hart arbeiten, aber auch genießen - und dies auf die Mannschaft übertragen. "Wir müssen hart arbeiten, aber trotz allem auch Spaß im Training haben", meinte Ogris. Die Spieler dürften ihn deshalb auch "Andi" nennen. "Aber wichtig ist, dass sie mir den Respekt entgegenbringen, wie ich ihnen."

"Blicke in die Zukunft"

Nicht näher äußern wollte sich Austrias fünffacher Meisterkicker zu den Gründen für den Absturz der Wiener. Er wolle nicht über die Vergangenheit sprechen, sondern blicke in die Zukunft. "Ich weiß, dass wir einiges aufzuarbeiten haben, aber das, was geschehen ist, können wir nicht mehr ändern", erklärte Ogris, der seinen Spielstil als "flexibel" titulierte.

Wohlfahrt sah die Bestellung des Fan-Lieblings jedenfalls als gelungenen Schachzug in der aktuellen Situation. "Wir hoffen natürlich, dass das positiv aufgenommen wird von der Fangemeinde. Aber auch seine fachlichen Qualitäten stehen außer Frage", sagte der Sportdirektor über seinen ehemaligen Mitspieler. Über die Saison hinaus ist eine Verlängerung als Cheftrainer mit Ogris aber auch im Erfolgsfall - einer Qualifikation für die Europacup - nicht geplant.

Wohlfahrt selbst will bereits eine Liste mit 20 möglichen Kandidaten für den Posten vorliegen haben. Bevor konkrete Gespräche geführt werden, soll der Kreis der Anwärter aber noch einmal eingeengt werden.