Erstellt am 27. Juli 2016, 14:02

von APA Red

Stoss über IOC-Chef-Bach: "Einer muss Kopf hinhalten". Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, bekommt nach der viel kritisierten Russland-Entscheidung Rückendeckung von Karl Stoss.

Karl Stoss  |  APA

"Am Ende des Tages muss eine Person den Kopf hinhalten, aber die Entscheidung wurde ja nicht von ihm allein aus dem Blauen heraus getroffen, sondern nach Diskussion der 15 Exekutivkomiteemitglieder", sagte der ÖOC-Präsident im APA-Interview.

Nach der Menschenrechtskonvention habe jeder das Recht auf ein faires, transparentes, offenes Verfahren, meinte Stoss, und es gäbe wahrscheinlich auch eine ganze Reihe von Sportlerinnen und Sportlern, die nie etwas mit Doping und einem Dopingsystem zu tun gehabt haben. Es wurde den russischen Athleten aber schwer gemacht, nach Rio zu gelangen. "Man hat Hürden eingebaut, damit sie herausgelöst werden aus diesem nationalen Sumpf. Und diese Auflagen sind schon nicht ganz ohne. Es sind ja nur Athleten zugelassen, die nie in ein Dopingverfahren verwickelt waren, das gilt auch für Funktionäre."

Das IOC spielte den Ball weiter, die Verantwortung, wer für Rio zugelassen wird, liegt nun bei den Internationalen Fachverbänden. Für Stoss nachvollziehbar. "Die Verantwortlichkeit für die Vorbereitung von Spielen liegt immer in den Fachverbänden. Wir als ÖOC bekommen ja die Sportler erst ganz knapp vor den Spielen, dann während der Spiele, und nach den Spielen gehen sie wieder in ihre Verbände oder Vereine." Einige Verbände haben bereits russische Athleten von Rio ausgeschlossen, so der Kanuverband - Österreich erbte zwei Quotenplätze - oder jene der Schwimmer, Ruderer, Segler. "Ich würde einmal die Behauptung aufstellen, dass die Mannschaft der russischen Föderation wahrscheinlich halb so groß sein wird, wie sie ursprünglich geplant war."

Auf Bach prallten auch Vorwürfe einer Befangenheit wegen seiner große Nähe zu Wladimir Putin ein. "Es steht mir nicht zu, dies zu beurteilen. Aber es ist natürlich wichtig, sich mit den jeweiligen Regierungsverantwortlichen oder Staatsoberhäuptern zu treffen. Russland war Austragungsort der letzten Winterspiele. Und in der Vorbereitung von solchen Spielen kommt man öfters mit Regierungsverantwortlichen zusammen. Da das russische System kein föderales ist, im Sinne da reden auch Gouverneure der Provinzen mit, sondern ein präsidiales, muss man halt direkt den Kontakt zum Präsidenten suchen", sagte Stoss, der selbst vor der Aufnahme in das IOC steht.

Was die vom IOC abgelehnte Akkreditierung für Doping-Kronzeugin Julia Stepanowa als aktive Athletin in Rio betrifft, sieht Stoss, dass das IOC keine andere Möglichkeit hatte. "Das IOC hat Hürden aufgestellt, und Frau Stepanowa war selbst einmal gesperrt wegen Dopings. Man hat sie als Whisteblowerin begrüßt. Aber es war dann wohl ein Abwägen: Halten wir uns an die Kriterien, die wir gerade vereinbart haben, haben, oder machen wir hier schon die erste Ausnahme."