Erstellt am 12. August 2014, 14:54

von APA/Red

OMV: Umsatz- und Gewinneinbruch. Einen kleinen Lichtblick konnte OMV-Generaldirektor Gerhard Roiss bei der Präsentation der Halbjahreszahlen verkünden: Die Produktion in Libyen, die heuer die meiste Zeit still stand, sei teilweise wieder angelaufen, man produziere dort derzeit etwa 8.000 Fass pro Tag.

Das kann aber nicht darüber hinwegtrösten, dass der Betriebsgewinn im ersten Halbjahr auf die Hälfte zusammengeschmolzen ist.

"Wir haben mittlerweile auch wieder das erste Schiff abgefertigt, das unterwegs ist nach Triest, um unsere Raffinerie Burghausen zu versorgen und sind dabei, ein zweites mit eigenem Rohöl zu beladen", berichtete Roiss. Das aktuelle Produktionsniveau ist aber nur ein Bruchteil der 30.000 Fass, die in Friedenszeiten erzeugt wurden. Und ob die Produktion aufrechterhalten werden kann, ist auch nicht sicher - oder, wie Roiss es ausdrückt: "Inschallah."

Der Produktionsausfall in Libyen war einer der Hauptgründe für den Gewinneinbruch. Die Produktion in Libyen sei an sich die rentabelste, die die OMV habe, erklärte Finanzvorstand David Davies. "Der Unterschied zwischen null Beitrag von Libyen und 100 Prozent Beitrag von Libyen gemessen an einem Ölpreis von 105 Dollar ist fast 950 Mio. Euro beim EBIT."

"Raffineriemargen heuer noch schlechter geworden"

Im Nettoergebnis wirke sich der Libyen-Ausfall allerdings nicht so stark aus, weil der Steuersatz in Libyen so hoch sei. Wenn Libyen voll produziere, betrag die Steuerrate der OMV "eher in Richtung 40 Prozent", ohne Libyen seien es 25 Prozent, sagte Davies.

Negativ beeinflusst worden sei das OMV-Ergebnis im ersten Halbjahr auch durch "die Krise der europäischen Raffinerie-Industrie infolge dieser gigantischen Überkapazitäten", sagte Roiss. "Die Raffineriemargen waren im Vorjahr schon sehr schlecht und sind heuer noch um 35 Prozent schlechter geworden." 1,77 Dollar pro Barrel betrage die OMV-Referenzmarge, sagte der für Raffinerien und Tankstellen verantwortliche OMV-Vorstand Manfred Leitner.

Daher hätten sich die 2011 vorgenommenen Weichenstellungen als richtig erwiesen, in Norwegen und nördlich der Shetland-Inseln zu investieren und das Raffinerie-Exposure zu reduzieren, sagte OMV-Chef Roiss.

Verfall des Gas-Preises bereitet OMV Sorgen

Sorgen macht der OMV auch der massive Verfall des Gas-Spotpreises um 20 Prozent wegen der Überversorgung Europas. "Wir schreiben hier Verluste", so Roiss. Der europäische Gaspreis sei im ersten Halbjahr von 28 auf 20 Euro je MWh gefallen, sagte Finanzchef Davies.

Allerdings habe man die Interimsvereinbarung mit dem russischen Gaslieferanten Gazprom bis März 2015 verlängert, "weitere Verhandlungen sind hier im Laufen", berichtete Roiss. Ziel sei es, keine Bindung des Gaspreises an den Ölpreis mehr zu haben. "Man wird sehen, ob man in einem oder in zwei Schritten dorthin kommt."

Auch unter einem wesentlich schwächeren US-Dollar hat die OMV gelitten. Der Brent-Ölpreis habe im vergangenen Jahr im Schnitt 107,5 Dollar pro Fass betragen, in der ersten Hälfte des laufenden Jahres seien es etwa 109 Dollar gewesen, sagte Davies. Der Verfall des Dollarkurses von 1,31 auf 1,37 pro Euro habe diesen Vorteil aber weggefressen.

Stromproduktion in Rumänien nicht immer rentabel

Das Betriebsergebnis (EBIT) der OMV ist im ersten Halbjahr um 53 Prozent auf 908 Mio. Euro eingebrochen, der den Aktionären zuzurechnende Periodenüberschuss um 57 Prozent auf 433 Mio. Euro. Das um Lagerhaltungseffekte bereinigte CCS EBIT vor Sondereffekten gab um ein Drittel auf 1,037 Mrd. Euro nach. Der Cashflow aus der Betriebstätigkeit ging um 39 Prozent auf 1,587 Mrd. Euro zurück.

Der Bereich Exploration und Produktion hat im ersten Halbjahr 952 Mio. Euro zum EBIT vor Sondereffekten beigetragen - die Produktion fiel mit 304.000 boe/d höher aus als im gleichen Vorjahreszeitraum (299.000 boe/d). Gas & Power erzielte ein CCS EBIT vor Sondereffekten von 46 Mio. Euro (nach 75 Mio. Euro). Schuld daran waren ein geringerer Ergebnisbeitrag aus dem Speichergeschäft und niedrigere Kraftwerksmargen. In Rumänien musste das Gaskraftwerk trotz des günstigeren Gasbezugs immer wieder abgeschaltet werden, weil die Stromproduktion wegen des niedrigen Strompreises nicht rentabel war.

Auch die Raffinerien und Tankstellen (R&M) haben weniger zum Ergebnis beigetragen: Das CCS EBIT vor Sondereffekten sank von 272 auf 111 Mio. Euro. Negativ ausgewirkt hätten sich hier u.a. auch regulatorische Eingriffe in der Türkei.