Erstellt am 13. Mai 2015, 12:27

Weltumspannender Kokainring in Österreich ausgehoben. Steirische Kriminalisten haben einen weltumspannenden Kokainring mit der Operation "Primavera" zerschlagen: 30 Verdächtige sind in Haft, der Schmuggel von rund 38 Kilogramm des weißen Suchtgifts nach Österreich wurde von den Ermittlern nachgewiesen.

Insgesamt soll die Gruppierung weitere 50 Kilogramm teilweise bis nach Australien gebracht haben, hieß es am Mittwoch in Graz.

Im Februar 2011 waren die Ermittlungen im Grazer Rotlichtmilieu angelaufen. Ein 45-jähriger Grazer verkaufte Kokain an Konsumenten und brachte den Fall ins Rollen. Über ihn gerieten die Beamten an einen 47-jährigen Wiener und einen 66-jährigen Grazer, wobei einer von ihnen wiederum Kontakte zu einem 56-jährigen Niederösterreicher hatte, der seit Jahrzehnten in Costa Rica lebt. Der Mann war nach einer Straftat von Österreich nach Mittelamerika geflüchtet und finanzierte sich seither seinen Lebensunterhalt mit Suchtgifthandel, schilderten die Kriminalisten.

Der 56-Jährige versorgte laut Polizei von Costa Rica aus die Österreicher mit Kokain in großen Mengen. Für den Transport war der 47-jährige Wiener verantwortlich, der als "Reiseleiter" der Gruppe galt. Er organisierte Kurierflüge zwischen Costa Rica, Brasilien, Chile und Europa. Im Dezember 2011 wurde der 45-jährige Grazer beim Schmuggeln von 2,2 Kilogramm Kokain in Costa Rica verhaftet.

"Reiseleiter" mit 2,2 Kilo erwischt

Ähnlich wie der Grazer ging auch der 47-jährige Wiener "Reiseleiter" der Polizei beim Schmuggeln ins Netz. Sie erwischten ihn im September 2012 nach seiner Heimkehr aus Costa Rica auf der A2, Südautobahn, bei einer Kontrolle - ebenfalls mit 2,2 Kilo hochwertigen Kokains. Daraufhin lichtete sich das Netzwerk immer mehr: Es stellte sich heraus, dass die Schmuggelflüge zu wesentlichen Teilen von österreichischen Gewerbetreibenden etwa aus der Gastronomie und dem Rotlichtmilieu finanziert wurden.

Von Jänner bis Mai 2014 wurden auch noch 24 Männer und zwei Frauen im Großraum Wien festgenommen. Unter ihnen war auch der "Waffenmeister" der Gruppierung, ein gebürtiger Serbe, der laut Ermittler Alois Eberhart als äußerst gefährlich einzustufen sei : "Er hatte in seiner gesamten Wohnung in Wien Feuerwaffen in Griffweite bereitgestellt." Der Mann soll vier Identitäten verwendet haben.

"Bodypacks" oder Verstecke im Gepäck

Der Schmuggel funktionierte mit "Bodypacks" oder Verstecken im Gepäck, sagte Kriminalist Andreas Frühauf beim Pressegespräch. Seine "Ermittlungsreise" führte ihn von Graz nach Wien und weiter durch Europa, bis nach Südamerika und wieder zurück zu den Flughäfen Rom und Barcelona, weshalb auch die Namenswahl der Operation auf "Primavera" gefallen sei. Auch in Costa Rica sei es zu Verhaftungen gekommen und es wurde Vermögen im Wert von rund zehn Millionen US-Dollar (8,90 Mio. Euro) sichergestellt. Der 56-jährige Niederösterreicher sei wieder untergetaucht. Gegen ihn liegt ein internationaler Haftbefehl vor.

Insgesamt wurden rund fünf Kilogramm Kokain mit sehr hohem Reinheitsgrad sichergestellt. Würde es noch marktüblich verschnitten, hätte es einen Straßenverkaufswert von rund zwei Millionen Euro gehabt. Zusätzlich fanden die Ermittler bei Hausdurchsuchungen im Großraum Wien zwei Maschinenpistolen, sieben Faustfeuerwaffen, sechs Schrotflinten mit abgesägten Läufen, etwa 100 Meter wasserfeste Zündschnur und diverse Suchtgift-Utensilien. Zuletzt wurden im Februar und im April 2015 auch noch zwei Verdächtige in Wien und Graz ausgeforscht, die mit dem Kokain aus Costa Rica Freigänger von Haftanstalten versorgt haben sollen.

Von den 30 Verdächtigen wurden in der Zwischenzeit mehrere Personen rechtskräftig zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ihnen wurde zusammengerechnet der Kauf und Verkauf von 88 Kilogramm Kokain nachgewiesen. Hansjörg Bacher von der Staatsanwaltschaft Graz sprach von einem "Paradebeispiel für perfekte internationale Zusammenarbeit" und von "heiklen Maßnahmen" wie etwa Observationen, Scheingeschäften und Lauschangriffen.