Erstellt am 21. April 2015, 12:39

von APA/Red

Nonne aus Kirchberg in Südafrika getötet. Eine aus Kirchberg an der Pielach (Bezirk St.Pölten) stammende Nonne ist am Wochenende in Südafrika ermordet worden.

Schwester Stefani Tiefenbacher  |  NOEN, Pfarrchronik Kirchberg
Die Polizei der Provinz KwaZulu-Natal im Osten des Landes geht davon aus, dass die 86 Jahre alte Frau Opfer eines Raubmordes wurde. Nach Angaben eines Polizeisprechers ist vermutlich Geld in ausländischer Währung aus dem Zimmer des Opfers verschwunden.

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Die Frau gehörte nach Informationen von Polizeisprecher Thulani Zwane dem Herz-Jesu-Ordens an und lebte in Ixopo. Gertrud T. sei am Samstagabend mit gefesselten Händen tot in ihrem Zimmer gefunden worden. Auf ihrem Gesicht lag ein Handtuch, mit dem die 86-Jährige möglicherweise erstickt wurde.

Darüber hinaus wird untersucht, ob die Nonne Opfer von sexueller Gewalt wurde, wie Zwane erläuterte. Der Polizeichef von KwaZulu-Natal, Mmamonnye Ngobeni, sprach von einem "barbarischen Mord" und versicherte, dass die Kriminalbeamten mit Nachdruck an der Ausforschung der Täter arbeiten. Die Ermittler richteten die Bitte an die Öffentlichkeit, sich mit allfälligen Hinweisen an die Polizei zu wenden.

Diözese St. Pölten "erschüttert"

Die Diözese Sankt Pölten zeigte sich tief erschüttert über den Mord an der Ordensschwester. Die Frau aus Kirchberg an der Pielach hätte am 31. Mai ihre 65-jährige Profess (Ablegung des Ordensgelübdes, Anm.) gefeiert, hieß es in einer Aussendung.

Schwester Stefani gehörte nach Angaben der Diözese Sankt Pölten der Kongregation vom "Kostbaren Blut" in Wernberg (Kärnten) an, der sie 1947 beigetreten war. 1952 sei sie nach Südafrika gegangen, habe aber immer engen Kontakt mit ihrer Heimatpfarre gehalten. Die Ordensschwester hatte vor allem in einem Büro einer Schule gearbeitet. Informationen der Diözese zufolge schließen die Ermittler nicht aus, dass der oder die Täter das Kloster in der Provinz KwaZulu-Natal gut kennen.

„Aufgeschlossen, sonnig und leutselig“

Der Missio-Direktor der Diözese, Pater Benno Maier, hatte für Oktober eine Reise zu Schwester Stefani nach Ixopo geplant. Er beschreibt sie als „aufgeschlossen, sonnig und leutselig“. Sie habe mit ihrem Wesen die „Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes vermittelt und dargestellt“. Wichtig sei Tiefenbacher die Spiritualität gewesen, sie habe eine tiefe Christus-Verbundenheit gehabt. Sie sei aktiv bis zum Ende ihres Lebens gewesen, zuletzt habe sie sich sehr stark dem Gebet gewidmet. Mit ihrer lebensbejahenden Art habe sie zeigen wollen: „Das Leben ist ein Geschenk!"

In Kirchberg finde am 2. Mai ein Gedenkgottesdienst statt, kündigte Pfarrer August Blazic an.

Exklusive Hintergrund-Infos:

Schwester Stefani Tiefenbacher, Missionsschwester beim Orden vom Kostbaren Blut in Ixopa-Natal, Republik Südafrika.

Geboren 1928 in Frankenfels. Damaliger Vorname `Gertrude` Tiefenbacher.
(Ab dem Eintritt in den Missionsorden führte sie den Vornamen `Schwester Stefani`).
 
Kam dann als kleines Kind mit ihren Eltern und Geschwistern nach Kirchberg. Es war
damals eine sehr schwere Zeit. Über Ersuchen vom damaligen Dechant Hiebl wurden
Kinder aus ärmeren Familien von Bauern zum Mittagstisch aufgenommen und bekamen damit einmal täglich eine warme Mahlzeit.
 
So kam Frau Tiefenbacher zur Familie Enne auf den Bauernhof Thalhof in der Schlossgegend 25 in Kirchberg an der Pielach. Dort wurde Sie sehr herzlich und wohlwollend aufgenommen. Ab dem Jahre lebte 1936 lebte Sie dann als Ziehkind auf dem Bauernhof und es ging ihr gut.
 
Im Jahre 1947 verließ Frau Tiefenbacher dann Kirchberg. Sie kam nach Wernberg in Kärnten und trat dort in die Klostergemeinschaft ein. Im Jahre 1952 entsandte Sie der Orden nach Südafrika. Schwester Stefani Tiefenbacher ging in Mariann-Hill in der Provinz Natal ihrer Berufung  als Missionsschwester nach.
 
Im September 1988 verbrachte Sie einen Heimaturlaub im Pielachtal und in Kirchberg an der Pielach. Pfarrer Augut Blazic zelebrierte die Hl. Messe in der Pfarrkirche Kirchberg. Schwester Stefani stellte der Pfarrgemeinde ihre Arbeit in der Missionsstation in Südafrika vor.
 
Im Jahre 1992 schreibt sie in einem Brief zu Weihnachten an Pfarrer August Blazic in Kirchberg, dass Sie nun in der Missionsstation an der Pforte eingeteilt und damit das Aushängeschild für die Klostergemeinde ist. Im Brief meinte Sie: „Diese Tätigkeit an der Pforte ist nun sehr viel leichter für mich als meine vormalige Arbeit. Ich bin nicht mehr so sehr im Stress, wie zuvor bei meiner Tätigkeit in der Verwaltung.“
 
Schwester Stefani Tiefenbacher berichtete auch über die Vorgänger in der Provinz Natal in Südafrika, wo einerseits in diesem Jahr eine Dürrezeit für eine `magere Ernte` sorgte und es anderseits zugleich auch viele Unruhen in der Provinz Natal gab.
 
Im Jahr 2002 verbrachte Schwester Stefani einen weiteren Heimaturlaub im Pielachtal und in Kirchberg. Damals meinte Sie schon, dass es wohl die letzte Heimfahrt sei, da ihr die Reise schon zu beschwerlich sei.
 
Juli 2010 gratulierte die Pfarre Kirchberg der Schwester Stefani Tiefenbacher  brieflich zum Jubiläum ihrer Diamantenen Profess (60 Jahre).