Erstellt am 13. Juni 2016, 20:43

Orlando-Attentäter laut FBI nicht Teil eines Netzwerks. Der schlimmste Terrorangriff in den USA seit dem 11. September 2001 geht nach Ermittlungen des FBI nicht auf ein internationales Netzwerk zurück.

 |  NOEN, APA (AFP/Getty)

 Das sagten US-Präsident Barack Obama und FBI-Direktor James Comey am Montag. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte den Attentäter Omar Mateen als IS-Kämpfer bezeichnet. Mateen hatte in einem Homosexuellenklub in Orlando 49 Menschen getötet.

Comey zeichneten eine sehr verworrene Motivlage des Attentäters, der am Sonntag 49 Menschen getötet hatte. Der Schütze habe sich während der Attacke telefonisch sowohl zum "Islamischen Staat" (IS) bekannt als auch zu den Attentätern des Boston-Marathons und zur Al-Nusra-Front. Vor einigen Jahren habe er gesagt, er sympathisiere mit der Hisbollah und mit Al-Kaida.

Diese Organisationen rivalisieren, die Boston-Attentäter haben mit dem IS nichts zu tun. Comey sagte, die Angaben passten nicht zueinander. Er werde dem Attentäter nicht den Gefallen tun, dessen Namen auszusprechen.

Omar Mateen (29), ein US-Bürger mit afghanischen Eltern, hatte in der Nacht zum Sonntag in einem Homosexuellenklub in Orlando (Florida) 49 Menschen getötet und 53 verletzt, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Von den Verletzten waren 5 am Montag noch in ernstem Zustand.

Obama und Comey sagten, Orlando sei nicht Teil eines größeren Terrorplans gewesen. Beide sagten aber, es gebe Anzeichen, dass der Täter sich radikalisiert habe. Mateen sei von verschiedenen Quellen über das Internet extremistisch inspiriert worden. Es sei extrem schwierig, jemanden vor einem Anschlag ausfindig zu machen, der sich selbst radikalisiere.

Der IS-Radiosender Al-Bajan hatte am Sonntag behauptet, Mateen sei ein Kämpfer der Terrormiliz gewesen. Auch eine IS-nahe Nachrichtenagentur hatte das angegeben.

Obama sagte, der Angriff zeige, dass islamistische und extremistische Online-Propaganda genauso bekämpft werden müsse wie Terroristen im Ausland. Er sagte, die auf Orlando folgende Diskussion dürfe sich in den USA weder ausschließlich um Waffen noch ausschließlich um Terrorismus drehen, sondern sehr umfassend sein.

Fünf Monate vor der Präsidentschaftswahl wurde die Tat binnen Stunden Gegenstand erbitterten Streits im Wahlkampf. Sie wird die schon jetzt heftige Auseinandersetzung der politischen Lager weiter massiv verschärfen.

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump forderte Obama zum Rücktritt auf. Dieser habe in einer Stellungnahme nicht die Worte "radikaler Islamismus" benutzt. Trump setzte seine Forderungen ungeachtet noch laufender Ermittlungen und anderer Erkenntnisse der Ermittler bereits sehr früh am Sonntag ab und wiederholte sie am Montag. Er unterstellte Obama indirekt, mit Terrorismus zu sympathisieren.

Das Massaker heizte auch die Debatte über schärfere Waffengesetze weiter an. Mateen, der vor einigen Jahren mehrfach vom FBI überprüft worden war, hatte kurz vor der Tat legal ein Gewehr und eine Pistole erworben. Militärische Schutzkleidung sei ihm dagegen verwehrt worden.

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton sprach sich erneut für ein strengeres Waffengesetz aus. Zwar hätten gesetzestreue Bürger ein Recht, eine Waffe zu tragen, sagte Clinton CNN. "Aber wir können Maßnahmen ergreifen, damit Waffen nicht in die Hände von Kriminellen und Terroristen fallen."

Trump forderte auch die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton auf, aus dem Rennen um das Weiße Haus auszusteigen, weil sie die Wörter "radikaler Islam" ebenfalls nicht verwendet habe.

Clinton sagte am Montag NBC, sie habe kein Problem, islamischen Terrorismus beim Namen zu nennen, aber darum gehe es gar nicht. "Ich habe oft gesagt, dass wir von Terroristen bedroht werden, die den Islam nutzen, um Menschen abzuschlachten. (...) Wir müssen und werden radikalen jihadistischen Terror bekämpfen."

Der Täter hatte gegen 2.00 Uhr kurz vor der Schließung des Nachtklubs "Pulse" das Feuer auf die Besucher eröffnet. Etwa drei Stunden später wurde der mit einem Gewehr vom Typ AR-15 und einer Handfeuerwaffe ausgerüstete Mann in einem Feuergefecht mit elf Polizisten getötet. Zuvor hatten sich die Beamten unter anderem mit Hilfe eines Sprengsatzes Zugang zum Club verschafft.

Mateen arbeitete für eine Sicherheitsfirma in Florida. Seine 2011 von ihm geschiedene Ex-Frau sagte, ihr Mann sei gewalttätig und psychisch labil gewesen.

International wurde die Tat mit Entsetzen aufgenommen. Viele Gebäude erstrahlten zu Ehren der Opfer in den Regenbogenfarben der Schwulen- und Lesbenbewegung, so der Pariser Eiffelturm und die Antenne des One World Trade Center in New York. Auf allen Bundesgebäuden in den USA wehen die Fahnen auf Halbmast.