Erstellt am 22. Dezember 2014, 12:22

von APA/Red

Ort und Zeit für Jürgens-Beerdigung noch unklar. Nach dem plötzlichen Tod von Udo Jürgens ist noch völlig unklar, wo und in welchem Rahmen der Entertainer beigesetzt wird.

"Es ist noch zu früh. Wir wissen es noch nicht", sagte ein Sprecher seines Managements am Montag. Der Kärntner lebte in den letzten Jahrzehnten in der Schweiz. Dort war er am Sonntag bei einem Spaziergang in Gottlieben am Bodensee im Beisein seines Fahrers gestorben.

Jürgens hat auch die schnelle Verfügbarkeit eines Defibrillators nicht mehr das Leben retten können. Das medizinische Gerät hing nur wenige hundert Meter von der Seepromenade entfernt am Gemeindehaus in Gottlieben. "Der Begleiter von Udo Jürgens hat es dort geholt", sagte die Bürgermeisterin des Ortes, Rosmarie Obergfell.

Jürgens hatte am Bodensee eine Wohnung, in der er auf den Einzug in das neue Haus am Zürichsee wartete. Das erworbene Anwesen wird umgebaut. Jürgens wollte im Frühjahr einziehen. Der Tod des beliebten Entertainers, der gerade auf seiner 25. Tournee war, hat große Bestürzung ausgelöst.

"Er war ein großer Österreicher"

"Ein plötzlicher Tod hat einen großen Künstler mitten aus dem Leben gerissen und uns fassungslos zurückgelassen", sagte Bundespräsident Heinz Fischer am Montag. Jürgens habe den Gefühlen und Hoffnungen von Millionen Menschen Ausdruck verliehen. "Er war ein großer Österreicher und hat Musikgeschichte geschrieben."

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck schrieb in seinem Kondolenzbrief an Jürgens' Tochter Jenny, dass mit dem Sänger "ein Großer des deutschen Chansons gestorben" sei. "Seine Lieder haben uns alle begleitet und erfreut, manchmal auch getröstet und nachdenklich gemacht."

"Der letzte Gigant des Showgeschäfts"

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) betonte, dass Österreich "einen ganz Großen der Unterhaltungsmusik" verloren habe. Für das Team Stronach war Jürgens "einer der letzten Grandseigneurs des deutschen Sprachraums", für BZÖ-Chef Gerald Grosz "der letzte große Gigant des Showgeschäfts": "Er sang den Menschen aus ihrer Seele, inspirierte und tröstete."

Mit tiefer Bestürzung hat auch die gesamte Kärntner Landespolitik auf den plötzlichen Tod des in Kärnten geborenen Musikers und Entertainers reagiert. Am Montag ließ die Vizebürgermeisterin von Klagenfurt, Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ), mit dem Vorschlag aufhorchen, den Klagenfurter Flughafen nach dem Verstorbenen zu benennen. Landesrat Gerhard Köfer (Team Stronach) will die Wiener Gasse in der Innenstadt nach dem gebürtigen Klagenfurter benennen lassen.

Kondolenzbuch aufgelegt

In der Gasse in der Klagenfurter Innenstadt befand sich nämlich einst das "Tanz-Cafe Lerch", in dem Jürgens in den 50er-Jahren als Swing- und Jazzmusiker auftrat. "Nicht der Klagenfurter Krisenflughafen, sondern die Wiener Gasse wäre passend für eine zeitlose Ehrung des Künstlers, denn dort hatte er seine ersten Auftritte als Musiker überhaupt und somit dort seine spätere Weltkarriere gestartet", so Köfer.

Im Klagenfurter Rathaus wurde indes zu Mittag ein Kondolenzbuch für den verstorbenen Künstler - er war auch Ehrenbürger der Klagenfurter Landeshauptstadt - aufgelegt. "Obwohl er weltweit von Erfolg zu Erfolg eilte, seine Heimat Klagenfurt und den Wörthersee hat er nie vergessen, zu seinen Wurzeln ist er immer wieder gerne zurückgekehrt", erklärte Bürgermeister Christian Scheider.

Rund 1.000 Lieder komponiert

Der tschechische Schlagersänger Karel Gott würdigte Jürgens als "großartigen Kollegen". "Ich habe seine wunderschönen Lieder bewundert, von denen er während seines Lebens rund 1.000 komponiert hat, sowie die Art, wie er sich während seiner Konzerte ganz dem Publikum hingegeben hat", teilte Karel Gott der Deutschen Presse-Agentur in der Nacht auf Montag mit. Er werde niemals vergessen, dass Jürgens ihm für die Teilnahme am Eurovision Song Contest in London im Jahr 1968 das Lied "Tausend Fenster" komponiert hatte. "Damit hat er zu meinem Durchbruch in der westeuropäischen Musikszene erheblich beigetragen", betonte Karel Gott. Von der traurigen Nachricht habe er nach einem Konzert in der Slowakei erfahren. "Ehre seinem Andenken", ergänzte der Tscheche.

Viele Fans und Freunde zeigten sich tief betroffen über seinen Tod, darunter auch Fußball-"Kaiser" Franz Beckenbauer. "Mein Freund Udo Jürgens ist tot - ich bin erschüttert und tieftraurig", schrieb Beckenbauer im Kurznachrichtendienst Twitter. Moderator Johannes B. Kerner, der durch die Gala zum 80. Geburtstag des Entertainers geführt hatte, sagte: "Ich bin unfassbar traurig."

Udo Jürgens dominiert Titelseiten

Die deutschsprachigen Medien ließen Jürgens noch einmal hochleben. "Merci, Udo", "Vielen Dank für die Blumen", "Adieu, Adieu, Adieu", heißt es in Anspielung an Lieder und Liedtexte des Stars.

In der Schweiz und in Deutschland dominiert auf den Titelblättern und Nachrichten-Websites ein Mann: Udo Jürgens, der am Sonntagnachmittag im Alter von 80 Jahren überraschend auf einem Spaziergang im Schweizer Kanton Thurgau zusammengebrochen und im Spital an Herzversagen gestorben ist.

"Merci, Udo", titelt die Schweizer Boulevardzeitung "Blick" und räumte die Frontseite für ein ganzseitiges Bild des populären Musikers. "Die Welt muss Abschied nehmen von einem der letzten großen Entertainer".

"Mitten aus dem Leben gerissen", heißt die Schlagzeile beim Schweizr "Tages-Anzeiger". Anspielungen auf den Titel seiner gerade abgeschlossenen Tournee "Mitten im Leben" machen viele Zeitungen und Websites.

"Abschied von einer Musiklegende", verkündet die "Neue Zürcher Zeitung" nüchtern auf ihrer Titelseite. "Das Ende einer unaufhörlichen Melodie", schreibt die "Basler Zeitung". "Seine Lieder bleiben", heißt es auf SRF.ch. Das Schweizer Fernsehen SRF sendete am Sonntagabend einen Dokumentarfilm zu Udo Jürgens anstelle eines Best of-Zusammenschnitts der Satieresendung "Giacobbo/Müller".

"Keiner beherrschte die Kunst besser"

Udo Jürgens lebte im Kanton Zürich, kam in Österreich als Sohn deutschstämmiger Eltern auf die Welt und hatte sowohl die schweizerische wie auch die österreichische Staatsbürgerschaft - entsprechend überspannt sein Tod die Medien in den drei Ländern.

"Keiner beherrschte die Kunst besser, dem deutschen Schlager Tiefgang zu geben. Keiner stand zugleich so über diesem Genre. Udo Jürgens war die Größe in der Branche, die doch sonst so von Oberflächlichkeit lebt", schreibt "Spiegel online".

"Merci dem Mann am Klavier", titelt Welt.de. Eine stilbildende Art Lied habe er entwickelt, das Udo-Jürgens-Lied. "Er sang über unsere Hoffnungen, weil er sie teilte", hieß es auf Sueddeutsche.de.

Ebenfalls ein omnipräsentes Thema: Udo Jürgens und die Frauen. "Treue war was für die Anderen", fasste die deutsche "Bild"-Zeitung zusammen.

Nicht fehlen auf den Onlineseiten dürfen die zahlreichen Reaktionen aus Showbusiness, Medien und Politik. In Tweets und anderen Kurzzitaten kommen Weggefährten, Bewunderer und Familienmitglieder zu Wort.