Erstellt am 11. Mai 2014, 13:36

von APA Red

Ostukrainer halten Referendum ab. Die Ostukrainer haben am Sonntag in einem von Separatisten angesetzten Referendum über den Status ihrer Region abgestimmt. Vor einigen Wahllokalen in Donezk und Luhansk bildeten sich lange Schlangen.

Am Rand des vom Westen und der Regierung in Kiew als illegitim eingestuften Referendums lieferten sich in den Vororten der Separatistenhochburg Slawjansk prorussische Kräfte und Militär neue Gefechte.

In der Hafenstadt Mariupol standen Wähler in zum Teil mehrere hundert Meter langen Warteschlangen vor eilends eingerichteten Stimmlokalen. In der Stadt mit rund 500.000 Einwohnern konnte an lediglich acht Orten abgestimmt werden. An einer Stelle lehnten Wahlurnen draußen auf dem Gehweg an einer Wand. Die Separatisten gingen davon aus, dass das Ergebnis der Abstimmung am Montagnachmittag vorliegen würde.

Auf den Stimmzetteln sollte mit Ja oder Nein beantwortet werden, ob eine Selbstbestimmung der Region unterstützt wird. Strittig war, worum es in der Abstimmung in den Regionen Donezk und Luhansk genau ging - mehr Autonomie, Unabhängigkeit oder gar einen Schritt Richtung Anbindung an Russland.

"Wir sind alle für die Unabhängigkeit der Volksrepublik Donezk", sagte der Ingenieur Sergej, der seine Stimme in Mariupol abgab. "Damit lassen wir die faschistische proamerikanische Regierung in Kiew hinter uns." In der gleichen Schlange wie Sergej stand auch Irina. Ein Ja-Votum sei die Zustimmung zu mehr Autonomie innerhalb der Ukraine, sagte sie.

Auch in Slawjansk bahnten sich Wähler ihren Weg durch Barrikaden aus gefällten Bäumen und Reifen zu den Wahllokalen. "Ich wollte so früh wie möglich kommen", sagte der 20-jährige Schenja Denjesch. "Wir wollen alle in unserem eigenen Land leben. Auf die Frage, was nach dem Referendum kommen werde, sagte er: "Es wird weiter Krieg geben."

In der Separatistenhochburg kam es zu Kämpfen in der Nähe eines Fernsehturms. Das Verteidigungsministerium in Kiew erklärte, prorussische Kräfte hätten eine Einheit angegriffen, die zum Schutz des Turms abgestellt worden sei. Dabei sei ein Soldat verletzt worden. Präsidialamts-Leiter Sergej Paschinski sagte, ukrainische Truppen hätten rund um Slawjansk und im nahegelegenen Kramatorsk eine Basis der Separatisten und Kontrollpunkte zerstört.

Die ukrainische Regierung verurteilte das Referendum prorussischer Separatisten im Osten des Landes. "Das ist nichts anderes als eine Informationskampagne, um Verbrechen zu vertuschen", sagte Präsidialamtschef Sergej Paschinski am Sonntag in Kiew. "Niemand nennt das, was in den Gebieten Donezk und Lugansk geschieht, ein Referendum", betonte Paschinski Medien zufolge.

Zugleich räumte Paschinski ein, das Vertrauen der Bevölkerung in den abtrünnigen Gebieten in die Kiewer Führung sei gering. "Es sollte ein politischer Kompromiss gefunden werden", sagte er. Die Regierung hatte zuvor einen Dialog mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft in der Südostukraine angeboten, Verhandlungen mit "Terroristen" aber vehement abgelehnt.

Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow hatte vor dem Referendum vor einer Spaltung des Landes gewarnt. Es wird befürchtet, dass die Ukraine nach der Abstimmung ins Chaos abgleiten könnte und die Präsidentenwahlen am 25. Mai dadurch verhindert würden.