Erstellt am 23. Oktober 2014, 12:42

von APA Red

Kanadas Premier sagt Terror Kampf an. Nach dem Anschlag auf das Parlament in Ottawa hat Ministerpräsident Stephen Harper ein härteres Vorgehen Kanadas gegen Terrororganisationen auch im Ausland angekündigt.

Kanada werde sich nicht einschüchtern lassen, sagte Harper in einer Fernsehansprache. Die genauen Hintergründe der Tat waren auch am Donnerstag noch unklar.

Harper: Kanada werde sich niemals einschüchtern lassen

In der kanadischen Hauptstadt hatte ein Attentäter einen Soldaten der Ehrenwache am Nationalen Kriegsdenkmal erschossen. Danach drang ein bewaffneter Mann in das Parlamentsgebäude ein und lieferte sich wenige Meter von Harper entfernt einen heftigen Schusswechsel mit Sicherheitskräften. Der Angreifer wurde erschossen.

Zunächst blieb unklar, ob es sich um einen Einzeltäter handelte oder ob er Komplizen hatte. Erste Erkenntnisse deuteten auf Verbindungen des Mannes zum Islamismus hin.

Harper erklärte, Anschläge auf kanadische Einrichtungen seien auch "Angriffe auf unser Land, auf unsere Werte, auf unsere Gesellschaft, auf uns Kanadier als freies und demokratisches Volk, das Menschenwürde für alle verkörpert".

Doch Kanada werde sich niemals einschüchtern lassen. Es werde noch entschlossener handeln, um Gefahren für die Bürger abzuwehren und die Sicherheit im Land zu gewährleisten. Zugleich werde Kanada gemeinsam mit seinen Verbündeten in der Welt noch entschiedener gegen jene terroristischen Organisationen kämpfen, die Menschen radikalisierten, damit sie die Gewalt auch an Kanadas Küsten trügen.

Geheimdienst warnt seit Jahren vor Radikalisierung

Aus US-Regierungskreisen verlautete, tatverdächtig sei ein zum Islam konvertierter Mann. Dies sei den US-Behörden mitgeteilt worden. Mit den Ermittlungen vertraute Insider in Kanada sagten, im Zentrum der Untersuchungen stehe ein Mann aus der Provinz Quebec.

Aus Gerichtsdokumenten geht hervor, dass er kürzlich wegen Raubes in Vancouver sowie wegen mehrfacher Drogendelikte in Montreal vor Gericht stand. Der kanadische Geheimdienst CSIS warnt seit Jahren davor, dass sich junge Menschen radikalisieren. Nach seinen Erkenntnissen haben sich mehr als 50 Kanadier dem IS oder anderen extremistischen Gruppen im Nahen Osten angeschlossen.

Laut einem Medienbericht soll der Attentäter geistig verwirrt gewesen sein und sich vom Islam angezogen gefühlt haben. "Ich denke, er war geisteskrank", zitierte die kanadische Zeitung "The Globe and Mail" einen Bekannten des Täters. Er sei nicht extremistisch gewesen, habe aber oft davon gesprochen, vom Teufel verfolgt zu werden. Er habe auch vor etwa sechs Wochen von Plänen erzählt, nach Libyen zu reisen. Dort sei er schon früher eine längere Zeit gewesen.

Erste Schüsse kurz vor 10.00 Uhr Ortszeit

Erst am Montag hatte ein 25-jähriger Konvertit in der Provinz Quebec zwei Soldaten mit seinem Auto angefahren und einen von ihnen getötet. Der Angreifer wurde von der Polizei erschossen. Ob es eine Verbindung zwischen den Taten gibt, war zunächst unklar. Am Dienstag erhöhte die Regierung die Terrorwarnstufe und begründete dies mit Beobachtungen von extremistischen Gruppen wie dem "Islamischen Staat" (IS) und Al-Kaida. Konkrete Hinweise auf einen Anschlag soll es aber nicht gegeben haben.

Die ersten Schüsse wurden kurz vor 10.00 Uhr Ortszeit an dem Denkmal in der Innenstadt von Ottawa abgefeuert. Dabei wurde ein Soldat getötet. Zeugen zufolge griff der Täter wenige Minuten später das Parlament an. Danach drang der Täter in das Parlamentsgebäude ein und wurde von Polizisten verfolgt. Demnach rannte er zunächst an dem Raum vorbei, in dem sich Regierungschef Harper aufhielt, und wurde vor der Parlamentsbibliothek schließlich erschossen. Zeugen hörten etliche Schüsse. "Harper hat mit Leuten aus seiner Fraktion gesprochen, als es plötzlich einen lauten Knall gab, gefolgt von einen Ra-ta-ta-ta an Schüssen", sagte das Kabinettsmitglied Tony Clement. "Es ist genau vor unserer Tür passiert."

Ein Zeuge sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er habe an dem Mahnmal Schüsse gehört. Dann sei ein schwarz gekleideter Mann, dessen Gesicht mit einem Schal verhüllt gewesen sei, zum Parlament gelaufen. Schwarze Kleidung ist unter IS-Kämpfern üblich, die in Syrien und im Irak ein Kalifat errichten wollen. Die Gruppe hat bei ihrem Vormarsch viele Andersgläubige getötet oder versklavt. Im Irak und auch in Syrien bombardiert eine internationale Koalition seit Wochen Ziele des IS. Kanada beteiligt sich daran mit Kampfflugzeugen.

In Kanada entbrannte umgehend eine Debatte über die Sicherheit im Parlament. Der Eingang zu dem Gebäude war nicht abgesperrt. Allerdings gibt es in Kanada im Vergleich zu den USA deutlich weniger Übergriffe mit Schusswaffen. Nach dem Anschlag vom Mittwoch wurden die Sicherheitsvorkehrungen an öffentlichen Gebäuden verschärft.