Erstellt am 05. April 2016, 08:04

von APA/Red

Panamas Justiz prüft Vorliegen von Straftaten. Nach den Enthüllungen über Briefkastenfirmen in Panama leitet das südamerikanische Land Ermittlungen ein.

Panama rückt international in den Fokus  |  NOEN, APA (AFP/Getty)

Es werde geprüft, inwieweit Straftaten vorlägen und von wem sie begangen worden seien, teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Montag (Ortszeit) in Panama-Stadt mit. Auch dadurch möglicherweise entstandene finanzielle Schäden würden ermittelt.

Nach den Medienenthüllungen zu insgesamt 214.000 Briefkastenfirmen vor allem in Panama und auf den Britischen Jungferninseln hatte bereits der panamesische Präsident Juan Carlos Varela die Bereitschaft seines Landes zur Zusammenarbeit mit Regierungen und Ermittlern aus aller Welt erklärt.

Mossack Fonseca weist Anschuldigungen zurück

Die in Panama-Stadt ansässige Kanzlei Mossack Fonseca, die mutmaßlich illegale Dienstleistungen erbracht hat, nannte die Enthüllungen einen Angriff auf das Land und wies alle Anschuldigungen zurück. Einen Tag nach den öffentlichen Anschuldigungen gingen die Finanzanwälte zum Gegenangriff über: Am Montagabend (Ortszeit) stellte das Unternehmen ein komplettes Informationsportal ins Internet und äußerte sich dort erstmals offiziell und umfassend zu den Vorwürfen über undurchsichtige Finanzgeschäfte mit Briefkastenfirmen.

"Diese Berichte stützen sich auf Vermutungen und Stereotypen", teilte die Anwaltsfirma in einer vierseitigen Stellungnahme mit. Mossack Fonseca sei noch nie im Zusammenhang mit kriminellen Handlungen beschuldigt oder angeklagt worden und werde in ein falsches Licht gerückt. Der Öffentlichkeit fehle das Fachwissen, um "die Arbeit von Firmen wie uns" richtig einordnen zu können.

Die Kanzlei halte sich an internationale Standards, um weitestmöglich sicherzustellen, dass von ihr gegründete Gesellschaften nicht zur Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Terrorfinanzierung oder für andere kriminelle Zwecke genutzt würden. "Wir bieten auch keine Lösungen an, die den Zweck haben, ungesetzliche Handlungen wie Steuerhinterziehung zu verbergen", heißt es in der Stellungnahme. Die unter dem Schlagwort "Panama Papers" ausgewerteten Dokumente würden zeigen, dass Mossack Fonseca "kompromittierten Personen" oder solchen, die benötigte Informationen zurückhielten, seine Dienste verweigere.

400 Journalisten aus fast 80 Ländern deckten auf

Mossack Fonseca gründet Kapitalgesellschaften und verkauft diese an Zwischenhändler wie Banken und Vermögensberater, die sie dann an die Endkunden weitergeben. Zudem bietet die Kanzlei auch bestimmte Verwaltungsdienstleistungen für die Offshorefirmen an.

Die Informationen über die Offshore-Geschäfte wurden den Medien von anonymer Seite zugespielt. An den Recherchen wirkten etwa 400 Journalisten aus fast 80 Ländern mit, darunter in Österreich Reporter von ORF und "Falter". Offshore-Geschäfte sind nicht per se illegal - es sei denn, Briefkastenfirmen werden genutzt, um Steuern zu hinterziehen oder Geld aus verbrecherischen Aktivitäten zu waschen.