Erstellt am 21. Juni 2015, 17:03

Papst Franziskus kritisierte Umgang mit Asylwerbern. Papst Franziskus hat den Umgang mit Flüchtlingen in Europa verurteilt und vor Ausländerfeindlichkeit und Zukunftsangst gewarnt. Die Migranten dürften nicht "wie Ware behandelt werden", sagte der Pontifex am Sonntag bei einer Rede in Turin.

 |  NOEN, APA (epa)

Die Bilder von Bootsflüchtlingen, die sich auf die gefährliche Reise über das Mittelmeer nach Europa begeben, "treiben einem Tränen in die Augen".

Franziskus, der in Turin das berühmt Grabtuch besichtigte, rief die Gläubigen auf, sich nicht von Zukunftsangst lähmen zu lassen und sich nicht in Gesellschaftsformen zu flüchten, die Fremde ausschließen anstatt sie aufzunehmen. Bei der Sonntagsmesse auf der Piazza Vittorio ermutigte der Papst die Gläubigen dazu, die "unerschütterliche Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen nicht nur wahrzunehmen, sondern auch weiterzutragen".

Er forderte mehr Verständnis für die Nöte von Migranten, indem er auf die Geschichte der Auswanderung aus dem Piemont verwies, die auch seine eigene Familie betraf. Die Großeltern des 78-Jährigen lebten bis 1929 in der Turin, bevor sie in die argentinische Hauptstadt Buenos Aires emigrierten. Franziskus' Vater Mario Bergoglio war damals 20 Jahre alt.

Papst Franziskus hatte am Sonntagvormittag das Turiner Grabtuch besichtigt. Das Oberhaupt der Katholiken betete im Dom der norditalienischen Stadt vor dem Stück Stoff, das viele Gläubige als Grabtuch Jesu verehren. Der Besuch im Dom stand zu Beginn seines zweitägigen Besuchs in Turin, bei dem der Papst unter anderem auch mit jugendlichen Häftlingen, mit Migranten und Obdachlosen zusammentreffen wird.

Der Papst betete mehrere Minuten lang vor dem Grabtuch in Anwesenheit von einigen Geistlichen und Ordensschwestern, danach segnete er es. "La sacra Sindone", wie das Grabtuch auf Italienisch genannt wird, wurde zuletzt 2010 öffentlich ausgestellt und wird nur alle paar Jahre präsentiert. Gläubige halten den Stoff für das Leichentuch, in das Jesus nach seiner Kreuzigung gehüllt wurde. Kritiker meinen, das Tuch stamme aus dem Mittelalter. Das Grabtuch ist seit Mitte April und bis zum kommenden Mittwoch zu sehen.

Der Papst war am Sonntagvormittag auf dem Turiner Flughafen eingetroffen und vom Chef des Autobauers Fiat Chrysler, Sergio Marchionne, empfangen worden. Am Montag soll es ein privates Treffen mit Verwandten des Papstes geben.