Erstellt am 28. November 2014, 18:55

von APA Red

Papst in der Türkei eingetroffen. Papst Franziskus ist am Freitagmittag zu seinem mit Spannung erwarteten Besuch in der Türkei eingetroffen. Das Flugzeug mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche an Bord landete in der Hauptstadt Ankara.

Mit einem dicken weißen Mantel gegen den anatolischen Winterwind gewappnet stieg Franziskus dann am Hauptstadtflughafen aus seiner Maschine und wurde vom türkischen Außenminister Mevlut Cavusoglu in Empfang genommen. Hoffnungen von Erdogan-Gegnern in der Türkei, dass der für seine Bescheidenheit bekannte Papst einen Besuch im umstrittenen neuen Präsidentenpalast ablehnen könnte, erfüllten sich jedoch nicht. Stattdessen wurde der rund eine halbe Milliarde Euro teure "Weiße Palast" erstmals zum Schauplatz einer offiziellen Willkommenszeremonie für einen Staatsgast. Zuvor hatte er einen Kranz am Mausoleum des türkischen Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk niedergelegt.

Bei einer Rede im Weißen Palast mahnte Franziskus dann vor Präsident Recep Tayyip Erdogan und den Spitzen der türkischen Regierung die Achtung der Religions- und Meinungsfreiheit ein. Muslime und Christen müssten gleiche Rechte und Pflichten haben, er sei gekommen, um den respektvollen Dialog seiner Vorgänger fortzusetzen, zitierte Kathpress den Papst.

Eine wichtige Rolle spielt die Türkei aus Sicht des Papstes für die Lösung der Konflikte im Nahen Osten. Dieser Vormarsch des IS und die neu aufgeflammte Debatte über Islam und Gewalt stellen den Papst in der Türkei vor schwierige Aufgaben. "Ihre Entscheidungen und ihr Beispiel besitzen ein besonderes Gewicht", sagte er. Besonders in Syrien und im Irak seien ganze ethnische Gruppen, Christen und Jesiden terroristischer Gewalt und Verfolgung ausgesetzt.

Papst verurteilt religiös gerechtfertigte Gewalt

Erdogan ließ Franziskus im Voraus bereits wissen, dass er vom Papst einen Beitrag im Kampf gegen die von der Türkei konstatierte "Islamophobie" im Westen erwarte. Der türkische Präsident und andere islamisch-konservative Politiker argumentieren, dass die Untaten des IS nicht mit dem Islam in Zusammenhang gebracht werden dürften, weil sie den friedlichen Prinzipien der Religion widersprächen.

Franziskus forderte im Zusammenhang mit der Terrormiliz IS die Verurteilung religiös gerechtfertigter Gewalt. Diese verdiene "die stärkste Verurteilung, denn der Allmächtige ist Gott des Lebens und des Friedens", sagte er nach dem Treffen mit Mehmet Görmez, dem Chef der türkischen Religionsbehörde Diyanet. "Von allen, die behaupten, ihn anzubeten, erwartet die Welt, dass sie Männer und Frauen des Friedens sind", fügte Franziskus hinzu.

Knapp 10.000 Polizisten wurden zur Sicherung des Staatsbesuchs in Ankara und Istanbul abgestellt. Statt im Papamobil wurde Franziskus am Freitag mit einer gepanzerten Limousine zum Präsidentenpalast chauffiert. Direkten Kontakt mit der türkischen Bevölkerung hatte er auf dem Weg dorthin nicht - die Straßen Ankaras blieben entlang der gesicherten Wegstrecke verwaist.

Papst-Reise diesmal unter versöhnlichen Vorzeichen

Franziskus' dreitägige Visite ist der erste Türkei-Besuch eines Papstes seit acht Jahren. Am Samstag wird er in Istanbul die Hagia Sophia, eine ehemalige christlich-byzantinische Basilika, und die Blaue Moschee besuchen. Danach steht eine Begegnung mit dem ökumenischen Patriarchen und Ehrenoberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche, Bartholomaios I., auf dem Programm.

Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. hatte kurz vor seinem eigenen Türkei-Besuch im Jahr 2006 für Empörung gesorgt, als er einen byzantinischen Kaiser mit den Worten zitierte, Mohammed habe "nur Schlechtes" in die Welt gebracht und Gewalt gepredigt. Im Vergleich zu damals stand Franziskus' Reise unter versöhnlicheren Vorzeichen.

Der Pontifex dankte der Türkei für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak. Das Land helfe an seinen Grenzen vielen von ihnen. In der Türkei halten sich gegenwärtig nach Angaben der Regierung rund 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien auf.

Keine Begegnung mit syrischen Flüchtlingen?

Entgegen vieler Erwartungen fehlt auf dem offiziellen Reiseprogramm des Papstes eine Begegnung mit syrischen Flüchtlingen, die zu Hunderttausenden in der Türkei Zuflucht gesucht haben. Dies sei nicht geplant - aber natürlich könnten bei einigen Gelegenheiten in Istanbul auch Flüchtlinge anwesend sein, betonte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.

In einer Botschaft an Italiens Staatspräsidenten Giorgio Napolitano betonte Franziskus, er reise in die Türkei, um "die Begegnung und den Dialog zwischen verschiedenen Kulturen zu fördern und den Weg der Einheit der Christen zu stärken". Der dreitägige Besuch in dem muslimisch geprägten Land ist die sechste Auslandsreise von Franziskus seit seinem Amtsantritt im März vergangenen Jahres.

Neben der großen islamischen Mehrheit leben nur knapp 100.000 Christen in der Türkei. Christen und andere Minderheiten können ihre Religion zwar grundsätzlich ausüben, sie leiden aber unter Einschränkungen, wie auch der aktuelle EU-Fortschrittsbericht bemängelt. So darf etwa die orthodoxe Kirche keine Priester in der Türkei ausbilden.

Papstattentäter Agca: Papst sei "Botschafter des Satans"

Der türkische Papstattentäter Mehmet Ali Agca hat unterdessen Franziskus vor dessen Besuch in der Türkei als "Feind Gottes" bezeichnet. Der Papst sei der "Botschafter des Satans" und "der größte Feind Allahs", sagte Agca laut türkischen Presseberichten vom Freitag. Agca kritisierte, er habe den Vatikan um ein Treffen mit Franziskus in der Türkei gebeten, aber keine Antwort erhalten. Jetzt wolle er auch nicht mehr mit dem Papst sprechen.

Auf mögliche Sicherheitsrisiken für den Papst in der Türkei angesprochen, sagte Agca, eine Kugel koste zehn Lira, etwa 3,30 Euro.

Das Leben des Papstes sei aber "nicht mal fünf Lira wert". Der heute 56-jährige Agca, der 1981 den damaligen Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz in Rom mit mehreren Schüssen verletzte, hat in den vergangenen Jahren schon häufiger mit bizarren Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht; unter anderem bezeichnete er sich selbst als Messias.

Die Bilder von Johannes Paul II., der Agca in seiner Zelle besuchte und ihm seine Tat vergab, gingen um die Welt. Seit seiner Haftentlassung in der Türkei im Jahr 2010 war es ruhig um Agca geworden.