Erstellt am 09. Januar 2015, 12:12

von APA Red

Paris-Attentäter von Polizei umringt. Nach dem Terroranschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" haben sich die Polizei und die beiden mutmaßlichen Attentäter am Freitag nördlich von Paris eine Verfolgungsjagd geliefert.

Bei einem Schusswechsel nahe des Flughafens Charles de Gaulle soll es mindestens zwei Tote gegeben haben. Nach einer Geiselnahme in Dammartin-en-Goele verhandelt die Polizei mit den Verdächtigen.

Geiselnahme in kleiner Druckerei

Laut Informationen der Nachrichtenagentur AFP, die sich auf Polizeikreise berief, haben die beiden Verdächtigen Said und Cherif Kouachi eine Person in ihrer Kontrolle.

Die Geiselnahme fand nach Angaben der Gemeindeverwaltung in einer kleinen Druckerei mit lediglich vier Mitarbeitern statt, berichtete die Tageszeitung "Le Monde". Die Sicherheitskräfte sollen bereits in Kontakt mit den Geiselnehmern stehen. Laut Medienberichten haben die Hauptverdächtigen angegeben, sie seien bereit, als "Märtyrer" zu sterben.

Frankreichs Innenminister Bernhard Cazeneuve bestätigte, dass eine Operation von "Elite-Einheiten" im Gang sei. Ziel sei es, die "Verantwortlichen" für den Terroranschlag gegen die Redaktion des Satiremagazins "zu neutralisieren", zitierte die Nachrichtenagentur AFP Cazeneuve. Nach Informationen der Zeitung "Le Parisien" sollen im Zuge bei dem Schusswechsel zuvor 20 Menschen verletzt worden sein.

Duo laut CNN auf Terror-Beobachtungsliste

Einer der beiden mutmaßlichen Attentäter von Paris war nach Angaben des US-Senders CNN im vergangenen Jahr in Syrien. Um welchen der Brüder Said und Cherif Kouachi es sich handelt, sei allerdings unklar, berichtete der Sender unter Berufung auf französische Sicherheitskreise.

Bereits 2005 sei einer der Brüder im Jemen gewesen, sagte die französische Justizministerin Christiane Taubira dem Sender am Donnerstag. Zuvor hatten CNN und die "New York Times" berichtet, dass der ältere Bruder Said Kouachi (34) im Jahr 2011 bei einem Al-Kaida-Ableger im Jemen im bewaffneten Kampf ausgebildet worden sei.

Said und Cherif (32) Kouachi stehen laut CNN auf der allgemeinen Terror-Beobachtungsliste TIDE (Terrorist Identities Datamart Environment). In dieser Liste werden bekannte oder mutmaßliche internationale Terroristen geführt. Die beiden Franzosen stehen auch auf einer No-Fly-Liste, was ihnen Flüge in die USA verwehrt.

Die Brüder sind die Hauptverdächtigen des schweren Anschlags auf "Charlie Hebdo" vom Mittwoch in Paris. Dabei wurden zwölf Menschen getötet. Das Magazin ist unter anderem für seine Mohammed-Karikaturen bekannt.

Zwei Tage nach dem Anschlag geht die Großfahndung nach den beiden mutmaßlichen Tätern in Nordfrankreich weiter. Die ländliche Gegend 80 Kilometer nordöstlich von Paris war in der Nacht von Helikoptern abgesucht worden, berichtete der Sender BFM-TV.

Am Freitag in der Früh setzten Eliteeinheiten von Polizei und Gendarmerie ihre Suche nach den beiden schwer bewaffneten Brüdern in der waldreichen Region fort. Staatspräsident Francois Hollande wollte am Vormittag mit seinem Krisenkabinett die Lage erörtern. Landesweit waren 88.000 Einsatzkräfte mobilisiert, um die beiden Attentäter zu fassen.

Über neun Verdächtige hat die französische Justiz Untersuchungshaft verhängt. Diese stammten aus dem Umfeld der beiden Hauptverdächtigen, zitierten französische Medien Innenminister Bernard Cazeneuve nach einer Pressekonferenz am Donnerstagabend.

Diskussionen gibt es unterdessen weiterhin um den Ausschluss der rechtsextremen Front National (FN) von einem Solidaritätsmarsch am Sonntag. FN-Chefin Marine Le Pen und die konservative UMP rund um Nicolas Sarkozy hatten sich dagegen gewandt, dass die FN von den Organisatoren des Marsches nicht dazu eingeladen worden ist. Bei den Konsultationen im Elysee-Palast will Hollande auch Le Pen empfangen.

"Charlie Hebdo" begründete unterdessen, warum die verbliebene Redaktion auch nach den Mordanschlag weitermachen will. Auf der Internetseite der religionskritischen Zeitschrift ist eine große gezeichnete Faust zu sehen, die einen Zeichenstift umgreift. Daneben steht, die Kraft der Karikatur sei stärker als die "Barbarei". Die nächste Ausgabe der "Zeitschrift der Überlebenden" erscheine am kommenden Mittwoch. Zuvor war berichtet worden, die Ausgabe solle in einer Auflage von einer Million Exemplare erscheinen. Zuletzt hatte die Zeitschrift nur eine Auflage von mehreren Zehntausend Heften. Mehrere französische Medien haben dem Magazin nach dem Attentat Hilfe zugesagt.

Der UNO-Sicherheitsrat in New York würdigte mit einer Schweigeminute die Opfer von Paris. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon rief zur Toleranz auf.

US-Präsident Barack Obama besuchte am Donnerstagabend (Ortszeit) die französische Botschaft in Washington und trug sich dort in ein Kondolenzbuch ein und beendete seinen Eintrag mit "Vive la France!" (Es lebe Frankreich). Obama hatte das Attentat auf das Satiremagazin in Paris bereits zuvor als feige Tat und als Anschlag auf die Meinungsfreiheit verurteilt. Die US-Sicherheitsbehörden haben nach Angaben des Weißen Hauses keine Hinweise auf konkrete Terrordrohungen in den USA. Das sagte Regierungssprecher Josh Earnest nach Beratungen von Obama mit seinem Sicherheitsteam. Einzelheiten nannte er nicht.

Am Sonntag findet in Paris ein internationales Treffen zum Kampf gegen den Terrorismus statt. Der französische Innenminister Cazeneuve sagte am Donnerstagabend, er habe seine Kollegen "der am meisten vom Terrorismus betroffenen europäischen Länder" ebenso eingeladen wie US-Justizminister Eric Holder und US-Heimatschutzminister Jeh Johnson. Auch EU-Vertreter sollen kommen.

Der nächste EU-Gipfel am 12. Februar wird sich nach Worten von EU-Ratspräsident Donald Tusk ebenfalls dem Thema Terrorismusbekämpfung widmen. Tusk erklärte am Freitag nach einem Treffen mit der lettischen Ministerpräsidentin Laimdota Straujuma in Riga, er habe bereits am Donnerstagabend mit Frankreichs Präsident Hollande darüber gesprochen.