Erstellt am 09. November 2015, 09:15

von APA/Red

Myanmars Regierungspartei räumte Wahlniederlage ein. Die Regierungspartei in Myanmar (Burma) hat ihre Niederlage bei der Parlamentswahl gegen die Partei von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi eingeräumt.

Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi feiert Wahlsieg  |  NOEN, APA (AFP)

 "Wir haben verloren", sagte der amtierende Chef der Solidaritäts- und Entwicklungspartei, Htay Oo, einer Nachrichtenagentur am Montag. Seine Partei werde den Ausgang der ersten freien Wahl seit 25 Jahren akzeptieren.

Offizielle Ergebnisse der Abstimmung vom Sonntag liegen zwar noch nicht vor, doch deuten vorläufige Resultate auf einen deutlichen Sieg der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) von Suu Kyi hin. Die NLD hatte 1990 auch die bisher letzte freie Wahl in dem früheren Birma gewonnen. Der Sieg wurde jedoch vom Militär nie anerkannt. Rund 10.000 Beobachter befanden sich in dem über Jahrzehnte vom Militär regierten Land, um den Ablauf der Wahlen zu prüfen.

"Es würde mich nicht wundern, wenn die Ergebnisse heute einen überwältigenden NLD-Sieg bestätigen", twitterte auch der renommierte Myanmar-Historiker Thant Myint-U, ein unabhängiger Berater von Präsident Thein Sein. Die Wahlkommission wollte sich im Laufe des Tages mit ersten Ergebnissen melden. Thein Sein und der Oberbefehlshaber Min Aung Hlaing haben versichert, sie würden das Ergebnis anerkennen, wie auch immer es ausgehe.

Aung San Suu Kyi rief ihre Anhänger zur Zurückhaltung auf. Sie deutete ein gutes Resultat für ihre Partei an, wollte sich vor Bekanntgabe erster offizieller Ergebnisse aber nicht konkret äußern. "Es ist zu früh, unseren Kandidaten zu gratulieren, aber ihr habt sicher alle eine Vorstellung, wie die Ergebnisse aussehen", sagte sie am Montag vor Anhängern in der Parteizentrale.

Niemand solle herumprahlen, mahnte sie, das verletzte die Gefühle der Verlierer. In einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP hatte es geheißen, dass Suu Kyi nicht bei der Parteizentrale aufgetaucht war, sondern ein Parteivertreter stattdessen eine Botschaft von der Oppositionsführerin verlas.

Die USA begrüßten das Votum, prangerten zugleich aber Defizite bei der Wahl an. US-Außenminister John Kerry sagte am Montag in Washington, die hohe Wahlbeteiligung sei ein Zeichen für "den Mut und die Aufopferung" der Menschen in dem seit Jahrzehnten vom Militär regierten Land.

Die Wahlen seien freilich weit davon entfernt, "perfekt" gewesen zu sein. Es habe "wichtige strukturelle und systembedingte Hindernisse" für eine demokratische Wahl gegeben. Kerry verwies unter anderem darauf, dass ein bestimmter Anteil der Sitze im Parlament von vornherein für Militärvertreter reserviert war. "Wir werden die Auszählung weiter beobachten", fügte er hinzu.