Erstellt am 14. Januar 2015, 14:45

von APA Red

Pechstein-Urteil könnte Sportgeschichte schreiben. Die deutsche Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein hofft auf einen Freudentag, der Sportgerichtsbarkeit droht am Donnerstag ein Beben.

Das erwartete Urteil des Oberlandesgerichts München könnte die internationale Sportgerichtsbarkeit in ihren Grundfesten erschüttern und ihre Monopolstellung zu Fall bringen. Selbst der Weltverband ISU hat keine Hoffnungen mehr auf einen Sieg vor Gericht.

"Ich reise mit großen Hoffnungen nach München"

Nach dpa-Informationen wird die Internationale Eislaufunion (ISU) im Fall der erwarteten Niederlage im Schadenersatz-Prozess gegen Pechstein Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH) einlegen.

Denn bereits in der ersten OLG-Verhandlung am 6. November 2014 hatten sich die Richter klar zugunsten Pechsteins positioniert und die Alleinstellung der Verbände in Sachen Sportgerichtsbarkeit gerügt. Daher geht Pechsteins Anwalt Thomas Summerer davon aus, dass die Klage seiner Mandantin angenommen wird.

"In München wird Sportrechtsgeschichte geschrieben", sagte er am Mittwoch. "Ich reise mit großen Hoffnungen nach München", erklärte Pechstein.

Sperre im Fokus: "Das Urteil wäre ein Erdrutsch"

Ausgangspunkt des Prozesses ist die Schadenersatzforderung der 42-Jährigen an die ISU. Sie verlangt 4,4 Millionen Euro für eine aus ihrer Sicht ungerechtfertigte Sperre wegen erhöhter Retikulozytenwerte. Pechstein hatte Doping stets bestritten.

Inzwischen haben Experten eine vom Vater geerbte Blutanomalie als Grund für ihre erhöhten Blutwerte ausgemacht. Doch um die Schadenersatzforderung geht es am Donnerstag noch nicht.

Die Dimension der zu erwartenden Gerichtsentscheidung könnte annähernd jene des sogenannten Bosman-Urteils erreichen. 1995 hatte der Europäischen Gerichtshofes (EuGH) im Fall des belgischen Fußball-Profis Jean-Marc Bosman entschieden, dass Fußballer der Europäischen Union nach Ende des Vertrages ablösefrei wechseln dürfen.

"Das Urteil wäre ein Erdrutsch, denn erstmals würde ein Gericht außerhalb der Schweiz in Sachen Sportgerichtsbarkeit entscheiden", sagte Pechsteins Berliner Anwalt Simon Bergmann. Künftig dürften Athleten dann selbst entscheiden, ob sie sich an ein Sportgericht oder ein ordentliches Gericht wenden.

"Bringt Bewegung in die gesamte Sportgerichtsbarkeit"

Das Pechstein-Urteil könnte nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit für Aufsehen sorgen und selbst den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ins Wanken bringen.

"Das Verfahren bringt Bewegung in die gesamte Sportgerichtsbarkeit", prognostiziert der Heidelberger Sportrechtler Michael Lehner. Eine Reformierung des CAS scheint zwingend nötig. Das zu erwartende Urteil wäre "ein Erfolg für die Sportler und ein gerechtes Fairplay", meinte Lehner.