Erstellt am 24. April 2016, 18:46

von APA/Red

Politische Verhältnisse auf den Kopf gestellt. Auf den Kopf gestellt wurden bei der Hofburg-Wahl die politischen Kräfteverhältnisse. Während sich bisher SPÖ- und ÖVP-Kandidaten in der Hofburg abwechselten und meist an die 80 Prozent Zustimmung hatten, teilten sich heute die vier Oppositions- und unabhängigen Bewerber 80 Prozent der Stimmen.

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Bisher war für die Bewerber von FPÖ, Grünen und Parteiunabhängige wenig zu holen, die Österreicher vertrauten das Amt des Staatsoberhauptes lieber einem verdienten SPÖ- oder ÖVP-Funktionär an oder von ihnen nominierten unabhängigen Kandidaten wie Rudolf Kirchschläger. Als Protestwahl wurde die Hofburg-Kür kaum genützt.

Das hat sich geändert - und zwar kräftig. Während sich Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP) am Sonntag gerade noch über zehn Prozent halten konnten, wurde FPÖ-Kandidat Norbert Hofer mit rund 35 Prozent Erster. Das ist viel mehr als die FPÖ bei der letzten Nationalratswahl erhielt (20,5), aber auch noch etwas mehr als die 33 bis 34 Prozent, bei denen die FPÖ in den Sonntagsfrage-Umfragen liegt. Und deutlich mehr als das Doppelte dessen, was blauen Hofburgbewerbern bisher zukam. Der beste von ihnen war Willfried Gredler 1980 mit 17,0 Prozent.

Weit über das Grüne Potenzial (12,4 Prozent bei der NR-Wahl und 13 bis 15 Prozent in den Umfragen) hinaus fischte der frühere Grünen-Chef Alexander Van der Bellen im Wählerteich. Mit 20 bis 21 Prozent dürfte er in die Stichwahl einziehen. Früher gab es maximal 5,8 Prozent (Robert Jungk 1992) für Grüne Hofburg-Bewerber.

Für die parteiunabhängige Irmgard Griss - für die sich die NEOS kräftig engagiert haben - dürfte es nach letztem Stand zwar nicht für die Stichwahl reichen. Aber sie hat mit wesentlich schmäleren Mitteln als die partei-unterstützten Konkurrenten ebenfalls einen Rekord geschafft: Annähernd 19 Prozent (laut Hochrechnung) hat noch nie ein unabhängiger Bewerber bekommen.

Die bisher höchste Zustimmung hatte Gertraud Knoll, die 1998 - mit einzelnen SPÖ- und LIF-Politiker und den Grünen im Rücken - 13,6 Prozent holte. Im selben Jahr stand auch Richard Lugner erstmals am Stimmzettel. Die damals 9,9 Prozent - das bisher zweitbeste Ergebnis Unabhängiger - unterbot er bei seiner zweiten Wahl heute, Sonntag, bei weitem.