Erstellt am 01. Juni 2016, 05:55

von Markus Lohninger

Vom Sprung ins blaue Nass wird abgeraten. Gmünder Apotheker und Abwasserverband schlagen wegen Kupfersulfat im Pool Alarm. Infokampagne wird vorbereitet.

Ein Strahlen zaubert das knallblaue Kupfersulfat nicht nur ins hochsommerliche Pool, sondern auch in die Gesichter von Lena Müllner (r.) und Birgit Berger. Die Gmünder Apotheken schlagen dennoch Alarm.  |  NOEN, M. Lohninger

Sie sind damit Feind ihres eigenen Geschäfts – dennoch gehen die Gmünder Apotheken gemeinsam gegen eine bei ihnen erhältliche Chemikalie in die Offensive: „Kupfersulfat“ nennt sich ein spottbilliges, tiefblaues Pulver, das zunehmend als „Wundermittel“ zur Pool-Hygiene eingesetzt wird.

Beliebtheit erlangt es vor allem in heißen Wochen, weil es da selbst robusteste Algen vernichtet und obendrein einen herrlich blauen Schimmer ins Wasser zaubert. Die „Apotheke zum Auge Gottes“ von Gottfried Libowitzky und die „Apotheke Gmünd-Neustadt“ von Isabella Kitzler starten aber in den nächsten Tagen gemeinsam mit dem Abwasserverband Lainsitz eine Aufklärungs-Kampagne gegen den Einsatz von Kupfersulfat, die auch auf andere Teile des Bezirkes übergreifen soll. Dabei wollen sie ihre Kunden nicht bevormunden, indem sie das Produkt aus dem Regal nehmen: Sie setzen vielmehr auf Überzeugungsarbeit und wollen über Alternativen aufklären.

Hautreizend, unnötige Last für die Umwelt

Die Chemikalie übt nämlich nicht nur optische Reize, sondern auch weniger gewollte Reize aus – die alle an der Kampagne Beteiligten vom Sprung in ein damit schöngefärbtes Pool abhalten. „Kupfer ist ein gesundheitsschädliches Schwermetall, das der Körper nur in minimalen Spuren benötigt. Im Poolwasser greift es die Schleimhaut an und ist besonders für Kinder hautreizend“, klärt Lena Müllner von der Stadtapotheke auf.

Im Pool kann Kupfersulfat indes Verfärbungen an Filtern, Kunststoffen und Metallteilen auslösen – und auch hellem Kopfhaar einen sommerlich blauen Teint verpassen.

Dazu kommt ein Entsorgungs- Problem: In die Kläranlage abgelassen kann Kupfer, so Abwasserverband-Geschäftsführer Franz Höllrigl, nicht gefiltert werden und landet somit als Endprodukt im Klärschlamm – der wiederum sogar als Kompost verwertet werden kann. „In hoher Konzentration privat in den Graben entsorgt, kann Kupfersulfat sogar zum Fischsterben in einem nahe gelegenen Teich oder Bach führen“, ergänzt Höllrigl.

Derzeit seien die Kupferwerte im Abwasserverband aber noch absolut im grünen Bereich. Die Info-Kampagne soll dazu beitragen, dass es auch dabei bleibt – gelangt Kupfer doch ohnehin schon über Kupferleitungen oder Kupfer-Dachrinnen unvermeidbar ins Grundwasser.

Optisch sauber heißt nicht gleich desinfiziert

Chlor ist im Vergleich relativ unbedenklich, kann sogar im Trinkwasser Verwendung finden. Vor allem sticht es das Kupfersulfat bei der „Pool-Hygiene“ aus, weil Chlor auch tatsächlich desinfiziert. Dazu Lena Müllner: „Dass Kupfersulfat optisch sehr gut aussieht, täuscht darüber hinweg, dass es gar nicht desinfizieren kann. Es kann Bakterien, Viren und sonstige Parasiten nicht beseitigen!“