Erstellt am 09. August 2014, 16:16

von APA/Red

Prammer mit Lob und Dank verabschiedet. Das offizielle Österreich hat am Samstag Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) verabschiedet, die eine Woche zuvor verstorben war.

An der Trauerfeier vor dem Parlament nahmen 2.000 Personen teil, darunter Ehrengäste aus dem In- und Ausland ebenso wie viele Bürger. Prammer wurde als überzeugte Demokratin und ein Vorbild gewürdigt, ihr Vermächtnis sei ein Auftrag, so der Tenor der Nachrufe.

"Sie wäre eine gute Bundespräsidentin geworden"

"Ich verneige mich heute respektvoll vor einer großen Demokratin", sagte der Zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopf (ÖVP) vor Prammers Familie, der fast vollständig versammelten Regierung, in- und ausländischen Würdenträgern, fast allen Klubobleuten sowie zahlreichen Mandataren, Freunden, Wegbegleitern und Bürgern. Prammer sei eine "engagierte Kämpferin für den unverzichtbaren Stellenwert und die Würde des Parlaments" und die stetige Weiterentwicklung der Demokratie gewesen, erinnerte Kopf an ihre "Beharrlichkeit", der u.a. letztlich die U-Ausschuss-Reform und die Einigung auf die Parlamentssanierung zu verdanken sei, an die von ihr eingerichtete Demokratiewerkstatt und das Jugendparlament.

Prammers Engagement für Demokratie, Minderheiten und Frauenrechte stand im Mittelpunkt der Würdigungen. Prammer habe vorgelebt, "dass man Politiker, Politikerin sein kann, ohne sich zu verbiegen", sagte die Publizistin Barbara Coudenhove-Kalergi. Für ihr Schlusswort - "Sie hat uns allen nicht nur gezeigt, wie man mit Anstand lebt, sondern auch, wie man mit Anstand stirbt. Ich glaube, sie wäre eine gute Bundespräsidentin geworden"- bekam sie spontanen Applaus, auch die folgenden Reden wurden akklamiert.

Bundespräsident Heinz Fischer nahm die unzähligen Respektsbekundungen für die verstorbene Nationalratspräsidentin zum Anlass, darüber nachzudenken, "wie sehr sich Barbara auch nur über einen kleinen Bruchteil dieses Lobes zu Lebzeiten gefreut hätte". Seine "Bitte" daher: "Entwickeln wir alle miteinander zeitgerecht möglichst viel Sensibilität, Verantwortungsbewusstsein und Fairness im Umgang mit anderen Menschen. Das gilt besonders für Politik und Medien, aber es gilt auch für alle Menschen."

"Sie wird als große Frau in unsere Geschichte eingehen"

Fischer erinnerte wie andere Redner an den "bewundernswerten und mit Recht bewunderten Weg", wie Prammer, die nur 60 Jahre alt wurde, mit ihrer Krebserkrankung umgegangen war. "Ihr könnt sicher sein, dass eure Barbara als beeindruckende Persönlichkeit unseres Landes, als große Frau in unsere Geschichte eingehen wird", sagte er zu Prammers Familie. "Wir alle können stolz auf sie sein. Wir danken dir, liebe, gute, tapfere Barbara."

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"Durch ihren Tod verliert die Republik eine führende Persönlichkeit, sie verliert eine Leitfigur der Demokratie", sagte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ). "Wir alle verlieren einen außerordentlich liebevollen und wertvollen Menschen." Prammer sei für Toleranz und Offenheit gestanden. "Ein demokratisches Gemeinwesen braucht Menschen mit Grundsätzen, wie sie es war, mit einer Vorstellung davon, wie das Zusammenleben in einem Staat aussehen soll."

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) wiederum hob Prammers frauenpolitischen Leistungen hervor. Sie sei stets für eine "Zukunft, in der Frauen gleichberechtigt und selbstbestimmt leben können", eingetreten. "Du hast so vielen Frauen geholfen", so Heinisch-Hosek. "Du warst ein liebenswerter Mensch, und du bist eine große Tochter Österreichs und Europas. Ich bin stolz, dich gekannt zu haben."

Reden wurden durch Musikbeiträge ergänzt

Bundesratspräsidentin Ana Blatnik - eine Kärntner Slowenin - bezog sich auf Prammers Engagement für Volksgruppen und Minderheiten. Mit "Draga Barbara, hvala lepa za vse" ("liebe Barbara, danke für alles") beschloss sie ihre Rede.

Die Trauerfeier fand bei strahlendem Sonnenschein und entsprechender Hitze vor dem Parlament statt. Die Ringstraße war abgesperrt, um der Bevölkerung die Teilnahme zu ermöglichen, viele suchten sich indes Schattenplätze am Straßenrand. Prammers Sarg wurde zu Beginn die Parlamentsrampe herabgetragen und überdacht vor dem Hohen Haus abgestellt. Die Reden wurden ergänzt durch Musikbeiträge von Harri Stojka sowie Timna Brauer, internationale Parlamentsvertreter legten Rosen vor dem Sarg ab.

Als dieser dann zu den Klängen des Zapfenstreichs - dargeboten von einem Solisten der Militärmusik vom Balkon des Büros der Präsidentin - im Glaswagen den Parlamentsvorplatz verließ, wurden Ergriffenheit und Trauer offensichtlich. Lange applaudierten die Gäste ein letztes Mal der Nationalratspräsidentin, und nicht wenige hatten Tränen in den Augen. Danach nahmen die Angehörigen Prammers Beileidsbekundungen von Freunden und Weggefährten entgegen. Die Beisetzung in einem Ehrengrab am Zentralfriedhof findet - zu einem nicht bekannt gegebenen Zeitpunkt - im engsten Familienkreis statt.