Erstellt am 30. Juni 2014, 16:26

Primärversorgung im Gesundheitswesen. Das Konzept zur Primärversorgung in Österreichs Gesundheitswesen kann umgesetzt werden.

Im Gesundheitsministerium wurde es am Montag von Vertretern von Bund, Ländern und Sozialversicherung einstimmig beschlossen.

Der Beschluss fiel in der (durch die jüngste Gesundheitsreform geschaffenen) Bundeszielsteuerungskommission. Für die Bundesregierung stimmte neben Stöger auch Finanzstaatssekretär Jochen Danninger (ÖVP) dafür. Für die Länder waren Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP), Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ), Vorarlbergs Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (ÖVP) und Kärntens Gesundheitslandesrätin Beate Prettner (SPÖ) vertreten, für die Sozialversicherungen unter anderen Hans Jörg Schelling, Vorsitzender des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger.

"Das Konzept ist kein Allheilmittel, aber eine wichtige Weichenstellung für viele Herausforderungen des Gesundheitswesens", ließ Stöger danach wissen. Für die Patienten werde die Grundversorgung verbessert, und die Gesundheitsberufe inklusive Arztberuf würden attraktiver.

Einhaltung der Ausgabenobergrenze

Danninger unterstrich für das Finanzministerium die Einhaltung der Ausgabenobergrenze und die Vermeidung von Doppelstrukturen. Pühringer erwartete sich einen neuen Stellenwert für die Gesundheitsvorsorge. Wehsely kündigte für Wien eine Vielfalt von Primärversorgungsmodellen an, sie will Pilotprojekte im kommenden Jahr mit Hochdruck auf Schiene bringen. Schelling schließlich erwartet sich, dass das neue Modell genau den Wünschen der Bevölkerung nach mehr Zeit für das ärztliche Gespräch, einer umfassenden Betreuung und längeren Öffnungszeiten entsprechen wird.

Durchwachsen sind am Montag die Reaktionen auf das Konzept zur Primärversorgung ausgefallen. Kritisch - wenn auch mit unterschiedlichen Ansätzen - äußerten sich Patientenanwaltschaft,FPÖ und NEOS. Positiv war das Urteil der Grünen oder der ARGE Selbsthilfe.

Patientenanwälte-Sprecher Gerald Bachinger kritisierte im Ö1-"Mittagsjournal" einen "Schwenk von der Patientenzentrierung hin zur Ärztezentrierung". Nicht vom Team rund um den Hausarzt, sondern von jenem rund um den Patienten müsse die Rede sein, verwies er auf den Titel des Konzepts. Ähnliche Kritik übte Ursula Frohner, Präsidentin des Gesundheits- und Krankenpflegeverbands.

Fundamental anders fiel das Urteil von FPÖ-Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch-Jenewein, selbst Medizinerin, aus. "Der rote Gesundheitsminister bastelt offensichtlich mit seinen SPÖ-Experten an der Neuauflage eines DDR-Gesundheitssystems", meinte sie. Es werde der Weg weg vom selbstverantwortlichen Hausarzt und hin in Richtung verstaatliche Versorgungszentren erkennbar.

Grünen unterstreichen Effizienz

Die Grünen begrüßten die heutige Beschlussfassung. Die künftige verbindliche Zusammenarbeit von Ärzten und anderen spezialisierten Gesundheitsberufen im Team "soll die Effizienz der Gesundheitsversorgung in Österreich erhöhen und den Zulauf zu den teuren Spitalsambulanzen stoppen", meinte Gesundheitssprecherin Eva Mückstein. Auch sie bedauerte aber, dass die Forderung nach einer gleichberechtigten Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe auf Augenhöhe am Widerstand der Ärztekammer gescheitert sei.

Transparenz und einen lebendigeren gesundheitspolitischen Dialog mahnte NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker ein. "Interessenvertretungen und Medien diskutieren die Entwürfe dieses Konzepts seit Wochen, während das Parlament und insbesondere die Oppositionsparteien Details erst zu Gesicht bekommen, nachdem alles entschieden ist. Das ist untragbar", sagte er.

Als einen ersten wichtigen Schritt in die richtige Richtung bezeichnete Monika Maier, Bundesvorsitzende der ARGE Selbsthilfe Österreich, das Grundsatzpapier. "Es ist höchste Zeit, dass bei der Planung der Gesundheitsversorgung die Bedürfnisse der Patienten in den Mittelpunkt gestellt werden." Maria-Anna Pleischl vom Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) verlangte einen leichteren und zielgerichteten Zugang der Patienten zur psychotherapeutischen Heilsbehandlung.