Erstellt am 22. Januar 2016, 10:57

von Veronika Löwenstein

Privater Spieleabend: Nein von Ministerium. Ministerium untersagte Spieleabend für Jugendliche, weil dieser in einem Raum der evangelischen Pfarre stattgefunden hätte.

Der erste Spieleabend kam bei den Jugendlichen gut an, dann ortete das Ministerium einen »religiösen Bezug«. Foto: Shutterstock/Anton Gvozdikov (Symbolbild)  |  NOEN, Shutterstock/Anton Gvozdikov (Symbolbild)

Die Idee war so nett wie simpel: Eine private Initiative veranstaltete einen Spieleabend für jugendliche Asylwerber, die in der ehemaligen SDV-Schule in Bundesbetreuung untergebracht sind. Vor dem zweiten Termin plötzlich die böse Überraschung: Das Innenministerium untersagte den Spieleabend, weil der in einem Raum der evangelischen Pfarre hätte stattfinden sollen.

Ministerium: „Möglicher religiöser Bezug“

„Der Betreuungsstellenleiter hat seine Bedenken geäußert, dass einzelne Asylwerber darin einen religiösen Bezug sehen könnten, und daher ersucht, nach Möglichkeit einen neutralen Veranstaltungsort zu wählen“, wiederholt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums, auf NÖN-Anfrage die Argumentation des Ministeriums.

Die Privatinitiative, ohne religiösen Hintergrund übrigens, fühlte sich vor den Kopf gestoßen, wollte das Verbot aber nicht an die große Glocke hängen. Herumgesprochen hat es sich dennoch und für Kopfschütteln gesorgt.

Pfarrerin Peterson sieht „falsches Signal“

„Wir hätten als Pfarre nur den Raum zur Verfügung gestellt, Initiatoren waren andere“, betont die evangelische Pfarrerin Anneliese Peterson. Sehr wohl versteht sie, dass man gerade bei jungen Flüchtlingen Vorsicht walten lassen müsse, um muslimische Jugendliche nicht zu vereinnahmen. „Aber das war in diesem Fall überhaupt kein Thema“, verwehrt sie sich gegen den „Generalverdacht“.

Die Pfarrerin ortet es jedenfalls als „falsches Signal“, wenn man den Jugendlichen vermittle, dass sie mit Kirche nicht in Berührung kommen dürfen. „Viele, die in der Flüchtlingsbewegung helfen, sind Christen.“

„Es wäre ein schöner Raum gewesen“, trauert Mitinitiatorin Elisabeth Kerschbaum der Location nach, immerhin wolle man die Spieleabende regelmäßig anbieten. Auch sehe sie ein, dass es strenge Regeln in Bezug auf Kinder und Religion gibt, „aber hier geht’s um Freizeitbeschäftigung.“

Der Spieleabend findet künftig in der Volkshochschule statt. „Nur müssen wir dort Miete zahlen, den Saal in der Pfarre hätten wir gratis bekommen“, seufzt sie.