Erstellt am 13. Juni 2014, 12:54

Proteste in Brasilien trotz Auftaktsieg. Randale und Proteste, Tore und Freudentaumel - Brasiliens "Weltmeisterschaft der Weltmeisterschaften" hat in jeder Hinsicht turbulent begonnen.

Während der Rekordweltmeister in Sao Paulo ein 3:1 gegen Kroatien bejubelte und die heimischen Fans in Ekstase verfielen, gingen die Proteste weiter. In Sao Paulo, Rio, Belo Horizonte, Brasilia, Porto Alegre und Fortaleza mündeten diese auch in Randale.

Wenige Stunden vor Anpfiff der Auftaktpartie gingen Bilder von Straßenschlachten um die Welt. Die Proteste begannen am Donnerstag an der Metro-Station Carrao etwa zehn Kilometer vom WM-Eröffnungsstadion entfernt. Maskierte Randalierer knickten Straßenschilder um, rissen Mülleimer aus den Halterungen und setzten den Müll in Brand. Zudem bewarfen sie Polizisten mit Steinen, die ihrerseits mit Tränengas, Gummigeschoßen und Schlagstöcken gegen Demonstranten vorgingen.

Die Aktion wurde von zahlreichen Journalisten begleitet, die mit Helmen und Schutzmasken ausgestattet waren. Zehn Menschen wurden verletzt, darunter zwei CNN-Journalistinnen. Ihnen geht es aber gut, wie der Sender versicherte.

Proteste gab es auch in Rio de Janeiro, wo die WM-Gegner zunächst im Zentrum demonstrierten und eine Straße teilweise blockierten. Nach örtlichen Medienangaben nahmen etwa 2.000 Menschen an dem Protest teil. Eine Gruppe zog direkt zum FIFA-Fanfest an der Copacabana. Dort feierten rund 20.000 Fans den WM-Auftakt. Die Polizeieinheiten waren massiv im Einsatz. Auch im WM-Spielort Belo Horizonte setzten die Sicherheitskräfte Gummigeschosse und Tränengas gegen Demonstranten des sogenannten Schwarzen Blocks ein. In Porto Alegre stürzten Randalierer ein Polizeiauto um. Auch aus Fortaleza und Brasilia wurden Proteste gegen die WM gemeldet.

Das Weltturnier wurde in Sao Paulo mit einer Show eröffnet, an der über 600 Tänzerinnen und Tänzern teilnahmen, die künstlerisch die drei Schätze Brasiliens darstellten: Natur, Menschen und Fußball. Im Zentrum der Darbietung stand eine riesige beleuchtete Motiv-Kugel, die sich zum Schluss der Zeremonie öffnete und die Bühne freigab für die US-Sängerin Jennifer Lopez, den US-Rapper Pitbull und die brasilianische Sängerin Claudia Leitte. Das Trio sang den offiziellen WM-Song "We are one". Unter den rund 62.000 Zuschauern war auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon.

"Einfach und schnell: Eröffnungsfest begeistert Brasilien", befand die Zeitung "Estado de Sao Paulo" nach der rund 25-minütigen Show. Es gab aber auch kritische Stimmen. "Viel Freude und wenige gute Ideen", schrieb die Zeitung "O Globo", die von einer "lauen" Eröffnungszeremonie sprach. Die "Folha de Sao Paulo" meinte, bei der Zeremonie habe das Gefühl eines unvollendeten Werks vorgeherrscht. Es sei eine "schlecht gemachte Parade nationaler Klischees" gewesen.

Nach dem 3:1 feierten an Rios Copacabana Tausende brasilianischen Fans den Sieg. Viele sangen - wie auch die Fans im Stadion - "O Campeao voltou" (Der Champion ist zurück). Wichtig für die Stimmung im Land wird das Abschneiden der Gastgeber sein. Rund 70 Prozent der Brasilianer glauben Umfragen zufolge, dass ihre Selecao den Traum vom sechsten WM-Titel wahr machen wird.