Erstellt am 13. Juli 2015, 10:56

von APA/Red

17-jähriger IS-Heimkehrer in Wien vor Gericht. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ist Montag früh im Wiener Straflandesgericht der Prozess gegen einen mittlerweile 17-Jährigen eröffnet worden.

Großer Medienandrang am LG Wien  |  NOEN, APA

Er soll in Syrien für die der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gekämpft haben . Im März war der nun angeblich geläuterte Islamist nach Österreich zurückgekehrt. Der Bursche bekannte sich vor Richterin Alexandra Skrdla teilweise schuldig.

Anklage: Beteiligung an terroristischer Vereinigung

Die Anklage legt dem Lehrling aus Wien Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung, Ausbildung für terroristische Zwecke und Aufforderung zu terroristischen Straftaten zur Last. Dem Burschen droht eine Strafe von bis zu fünf Jahren Haft. Daneben sind von der Anklage auch Sachbeschädigungen und gefährliche Drohungen umfasst, die mit dem Aufenthalt des Burschen im syrischen Bürgerkriegsgebiet nichts zu tun haben.

Der Beschuldigte, der keinen Migrationshintergrund aufweist, war im Mai 2014 zum Islam konvertiert. Im August brach er nach Syrien auf und schloss sich laut Anklage dem bewaffneten Jihad an. Er soll eine Waffenausbildung in einem Terror-Camp mitgemacht haben. Bei der Schlacht um die nordsyrische Stadt Kobane wurde er seiner Aussage zufolge vom IS als Rettungsfahrer eingesetzt.

"Ja, Oliver N. ist Mitglied einer terroristischen Vereinigung gewesen. Dafür übernimmt er die Verantwortung", sagte sein Anwalt Wolfgang Blaschitz. Er habe aber keine Waffenausbildung genossen und habe nicht an Kampfhandlungen teilgenommen. "Täter Oliver N. ist gleichzeitig Opfer der terroristischen Vereinigung IS."

Mit lebensgefährlichen Verletzungen zurückgekehrt

Staatsanwältin Stefanie Schön geht allerdings davon aus, dass der 17-Jährige auch selbst gekämpft hat. Die Anklagebehörde stützt sich dabei auf Beweismaterial, das bei der Auswertung von Kommunikations-Daten zutage trat, die am Handy des Burschen zu finden waren. Nicht zuletzt unter dem Eindruck von lebensgefährlichen Verletzungen, die er bei einem Bombenangriff auf Raqqa erlitt, dürfte sich der Bursch zur Rückkehr nach Wien entschlossen haben.

Anfang Oktober war gegen ihn ein internationaler Haftbefehl erlassen worden, nachdem über Youtube ein IS-Propaganda-Video verbreitet wurde, in dem der 17-Jährige dazu aufrief, Ungläubige "abzuschlachten".

Oliver N. sei ein Heimkind, das "Zeit seines Lebens nach einer Familie gesucht hat", das sein ein "gefundenes Fressen und Nährboden für Scharlatane" gewesen, sagte sein Anwalt. Der blass wirkende 17-Jährige erklärte vor Gericht, durch den Islam habe er "bedingungslose Liebe und Anerkennung" erfahren. Neben dem Prozesstag am Montag wird die Verhandlung am Mittwoch fortgesetzt, da soll dann auch ein Urteil gefällt werden.