Erstellt am 02. Oktober 2015, 17:30

von APA/Red

Coups bei Tiroler Geldtransporterfirma: Fünf Schuldsprüche. Im Prozess um zwei Coups bei einer Tiroler Geldtransporterfirma im Jahr 2014 sind die fünf Angeklagten im Alter zwischen 21 und 40 Jahren am Freitag am Landesgericht Innsbruck schuldig gesprochen worden. Sie fassten zwischen zwölf Monate bedingt und viereinhalb Jahre unbedingt aus. Vier der fünf Urteile sind vorerst nicht rechtskräftig.

Fünf Männer vor Gericht  |  NOEN, APA

Die beiden Haupttäter im Alter von 27 und 40 Jahren, ehemalige Angestellte der geschädigten Firma, bekamen von Richter Bruno Angerer viereinhalb und vier Jahre unbedingte Freiheitsstrafen auferlegt. Die beiden Komplizen im Alter von 29 und 35 Jahren fassten drei Jahre unbedingt und 18 Monate bedingt aus. Der fünfte Mitangeklagte, der Sohn des 40-Jährigen, der lediglich das Geld des Vaters versteckt hatte, bekam zwölf Monate bedingt. Sein Verteidiger meldete Rechtsmittelverzicht an, das Urteil ist somit rechtskräftig.

Widersprüchliche Aussagen

Nachdem sich alle fünf Angeklagten zu Prozessbeginn schuldig bekannt hatten, drehte sich die Verhandlung hauptsächlich um die Höhe der Beute. Insgesamt sind laut Angaben der Firma aus den Tresors rund 2,7 Millionen Euro entwendet worden.

Alle fünf Beschuldigten behaupteten jedoch unisono, "nur" rund 2,2 Millionen Euro erbeutet zu haben. Die Polizei konnte lediglich 1,9 Millionen Euro sicher stellen. "2,7 Millionen Euro können nicht stimmen. Es war nicht so viel Geld", zeigte sich der 27-Jährige, der nach dem Diebstahl das Geld in seiner Wohnung gezählt hatte, überzeugt.

Für den Richter war diese Aussage jedoch nicht glaubwürdig. "Sie haben seit Ihrer Festnahme immer wieder widersprüchliche Aussagen gemacht", meinte Angerer zum 27-Jährigen. Die Geldtransporterfirma habe jedoch sehr akribisch versucht, das übermittelte Geld nachzuvollziehen, weshalb der Schöffensenat davon überzeugt sei, dass die von der Firma angegebene Summe die Richtige sei.

Täter gingen äußerst professionell vor

Am 14. Februar 2014 war es zunächst zu einem angeblichen Überfall auf einen Geldtransporter in Hall in Tirol gekommen. Dieser stellte sich letztlich als vorgetäuscht heraus. Vor der Polizei hatte der 27-jährige Geldbote behauptet, während der Fahrt auf der Inntalautobahn (A12) von drei Tätern, die sich als Zivilstreife ausgegeben hätten, auf einen Parkplatz gelotst und dort überfallen worden zu sein. Tatsächlich hatten jedoch die beiden Haupttäter die Sache geplant.

Rund zehn Monate später, nach dem letzten Einkaufssamstag vor dem Heiligen Abend, erbeuteten die beiden Haupttäter bei einem Einbruchsdiebstahl bei der Geldtransporterfirma einen Bargeldbetrag in Millionenhöhe.

Der Coup, der insgesamt 20 Minuten dauerte, lief äußerst professionell ab. Die Ermittler gingen bereits unmittelbar danach von Insidern aus, da die Täter über einen Schlüssel für das Zufahrtstor verfügt und die Zahlencodes der Tresore gekannt hatten. Die beiden Komplizen standen während des Einbruches bei nahegelegenen Polizeistationen Wache. Das Quintett wurde Ende Juni festgenommen.