Erstellt am 01. September 2015, 15:34

von APA/Red

Misshandlungsprozess in Klagenfurt vertagt. Ein Prozess wegen Kindesmisshandlung ist am Dienstag am Landesgericht Klagenfurt vertagt worden. Eine Ärztin gab an, dass sich zwei der Kinder die Knochenbrüche selbst zugezogen haben könnten, auch die Ehefrau des Angeklagten entlastete ihn.

Am nächsten Prozesstag soll eine Gerichtsmedizinerin aussagen  |  NOEN, APA (Archiv)

Der 30-jährige Ghanaer soll laut Anklage zwei Kindern jeweils einen Oberschenkel gebrochen haben, ein Kind soll er beim Haareschneiden am Kopf verletzt haben.

Schon im Jahr 2011 war die damals fünf Monate alte Tochter des Angeklagten mit einem gebrochenen Oberschenkel ins Krankenhaus gebracht worden. Im Juni 2013 wurde bei dem acht Monate alten Sohn die gleiche Verletzung festgestellt. Ebenfalls 2013 soll der Angeklagte einem weiteren, damals vierjährigen Sohn mit einer Haarschneidemaschine ohne Aufsatz die Haare geschnitten haben, wodurch dieser laut Anklage Schnittverletzungen erlitten habe.

Ärztin entlastet Beschuldigten

Am Dienstag kam eine Ärztin zu Wort, die den damals acht Monate alten Sohn des Angeklagten im Jahr 2013 nach dem Oberschenkelbruch behandelt hatte. "Wenn so kleine Kinder mit einer solchen Verletzung ins Krankenhaus kommen, muss man natürlich genauer nachfragen. Es hat sich allerdings damals kein Verdacht auf eine Misshandlung ergeben", sagte sie.

Ein Oberschenkelbruch könne entstehen, wenn sich ein Kind in den Stäben eines Gitterbetts verhakt und umdreht. Es seien weitere Untersuchungen gemacht worden, bei denen es aber keine Anzeichen für eine Misshandlung gegeben habe. Am ersten Prozesstag hatte eine ebenfalls als Zeugin geladene Ärztin es als "sehr unwahrscheinlich" bezeichnet, dass die Verletzung so zustande gekommen war.

Mutter: "Habe nicht bemerkt"

Auch die 27-jährige Ehefrau des Angeklagten sagte am Dienstag aus. Sie und die vier gemeinsamen Kinder leben nach wie vor mit dem Angeklagten im selben Haushalt in Klagenfurt zusammen. Sie habe nie gemerkt, dass ihr Mann den Kindern gegenüber aggressiv geworden sei, weder körperlich noch mental. Wie die Oberschenkelbrüche bei den beiden Kleinkindern zustande gekommen sind, dafür habe sie auch keine Erklärung - allerdings habe sie gesehen, dass die beiden Kinder von selbst ihre Füße durch die Stäbe des Gitterbetts gesteckt hätten.

"Wenn die Kinder in der Nacht geweint haben, habe immer ich mich um sie gekümmert", sagte sie. Ihr Mann habe das nie gemacht. Dass mit den Kindern etwas nicht stimmte, habe sie jeweils in der Früh gemerkt, woraufhin sie die Kinder untersuchen lassen habe - dabei seien dann die Knochenbrüche festgestellt worden.

Kindergärtnerin erstattete Anzeige

Auch von der Verletzung am Kopf des vierjährigen Buben will sie nichts bemerkt haben. "Er hat beim Haareschneiden nicht geweint, hätte ich eine Verletzung bemerkt, dann wäre ich mit ihm sofort zum Arzt gegangen." Die Schnittwunden am Kopf des Vierjährigen waren schließlich einer Kindergärtnerin aufgefallen, die Anzeige erstattete.

Richter Dietmar Wassertheurer, der dem Schöffensenat vorsaß, vertagte die Verhandlung. Am nächsten Prozesstag soll eine Gerichtsmedizinerin aussagen - man will nun Klarheit darüber erlangen, wie die Verletzungen wirklich zustande gekommen sein können.