Erstellt am 20. Mai 2014, 13:26

Prozess nach Vergewaltigung 18-Jähriger in Wien. Mit der besonders brutalen Vergewaltigung einer jungen Frau hat sich am Dienstag ein Schöffensenat im Wiener Straflandesgericht auseinandergesetzt.

 |  NOEN, BilderBox - Erwin Wodicka / wodi (BilderBox - Erwin Wodicka / wodi)

Die 18-Jährige war in der Nacht auf den 24. November 2013 auf dem Nachhauseweg in Wien-Liesing von hinten gepackt, zu Boden geworfen, mit einem stumpfen Gegenstand geschlagen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt worden.

Nachdem sich der Täter an ihr vergangen hatte, soll er ihr auch noch die Brieftasche und das Mobiltelefon abgenommen haben. DNA-Spuren an der Kleidung des Opfers überführten schließlich einen 22-Jährigen, der am nächsten Tag mit Freunden Frisbee spielen gegangen war.

"Ich bin teilschuldig. Ich weiß nicht, wie es dazu gekommen ist. Ich kann mich nicht daran erinnern. Aber meine DNA wurde gefunden. Es ist wohl so oder so passiert", gab der Angeklagte nun zu Protokoll. Der schmächtige, klein gewachsene Mann war nach der Schulpflicht keiner geregelten Beschäftigung nachgegangen und hatte sich mit Gelegenheitsarbeiten und der Unterstützung seiner Eltern, die ein Lokal betreiben, über Wasser gehalten.

Er erklärte, er wäre vor dem ihm angelasteten Verbrechen mit Freunden in der Innenstadt unterwegs gewesen und hätte dabei vier bis fünf Bier, zehn bis 20 Tequila und eine Flasche Cognac getrunken. Die behauptete Trinkmenge hätte allerdings eine Alkoholisierung von mehr als sechs Promille zur Folge gehabt.

Er wisse nicht mehr, was nach der letzten Flasche passiert sei und wie er in den 23. Bezirk gelangt war: "Ab der Cognac-Flasche ist blank bei mir." Als man ihn festnahm und mit den Fotos der malträtierten jungen Frau konfrontierte - die 18-Jährige erlitt infolge der Schläge schwere Verletzungen im Gesichts- und Kopfbereich -, "habe ich zu zittern begonnen und bin kreideweiß geworden." Gewalt entspreche nämlich nicht seiner Persönlichkeit, versicherte der Angeklagte: "Das Mädchen tut mir wirklich leid. Ich hätte nicht gedacht, dass ich zu so etwas imstande gewesen wäre."

Die Verhandlung verzögerte sich, weil der vom Gericht zum Sachverständigen bestellte Psychiater zeitgleich auf zwei Hochzeiten tanzte: Er hatte in einem anderen, im Grauen Haus laufenden Prozess ebenfalls die gutachterliche Tätigkeit übernommen und war beim Großteil der Einvernahme des 22-Jährigen gar nicht anwesend.

Richterin Martina Hahn rief den Psychiater schließlich zweimal auf seinem Mobiltelefon an und bat ihn um rasches Erscheinen. Als sich nichts tat, wandte sich Hahn telefonisch an die ältere Kollegin, in deren Verhandlung der Gutachter saß, und bettelte nachgerade darum, diese möge ihr doch den Psychiater vorbeischicken: "Es geht immerhin um eine Vergewaltigung mit einer schweren Körperverletzung."