Erstellt am 16. Dezember 2014, 14:34

von APA/Red

Prozess um Eisenstangen-Attacken auf Frauen. Wegen der brutalen Attacke mit einer Eisenstange ist am Dienstag der Prozess gegen einen 21-jährigen Rumänen eröffnet worden, der im Frühjahr in Wien-Favoriten Angst und Schrecken verbreitet haben soll.

Seine Opfer waren größtenteils junge Frauen, die jüngste laut Anklage erst 13 Jahre alt. Der Mann musste sich neben schweren Raubes u.a. auch wegen fünffachen Mordversuchs verantworten.

Im Falle einer Verurteilung bis zu 20 Jahre Haft

Marius C. bekannte sich zu den ihm angelasteten Raubdelikten schuldig, den fünffachen Mordversuch will er nicht begangen haben, wie seine Anwältin Irene Pfeifer dem Schwurgericht (Vorsitz: Sonja Weis) darlegte. Im Falle einer Verurteilung im Sinne der Anklage droht dem Beschuldigten zehn bis 20 Jahre Haft oder lebenslänglich.

Acht Mal soll der Mann im März und April zugeschlagen haben. In fünf Fällen attackierte er seine Opfer mit einer Eisenstange, die Frauen erlitten massive und teils lebensgefährliche Gesichts- und Kopfverletzungen bzw. Abwehrverletzungen. Laut Staatsanwalt Wolfram Bauer muss er es in diesen fünf Fällen "ernstlich für möglich gehalten und sich damit abgefunden haben, dass er die Opfer durch die von ihm verübte Gewaltanwendung tötet".

13-jährige Schülerin als jüngstes Opfer

Eine Frau gab in ihrer Vernehmung an, sie habe geglaubt, der Täter würde nicht von ihr ablassen, bis sie tot sei. Eine von dem Räuber attackierte 25-jährig Frau überlebte die Attacke nur knapp und lebt seitdem mit schweren Dauerfolgen.

Eine weitere Frau (24) wird ihr Sehvermögen am linken Auge wahrscheinlich nicht wieder erlangen. Das jüngste Opfer war eine 13-jährige Schülerin, die abends am Nachhauseweg von einer Freundin war, nachdem die beiden eine Ostermesse in einer Favoritner Kirche besucht hatten.

Nach seinem achten Überfall am 26. April konnte der Mann festgenommen. Er befand sich allerdings bereits eineinhalb Woche zuvor für kurze Zeit in Polizeigewahrsam, weil der Rumäne nachts mit einem Brecheisen unterwegs war und man ihn für einen Einbrecher hielt. Die Polizei ließ ihn allerdings wieder laufen, woraufhin der Mann zwei weitere Überfälle begehen konnte.

Ein Raubopfer konnte bis heute nicht ausgeforscht werden. Marius C. beschrieb die Frau als etwa 20-Jährig, groß und blond. Sie dürfte das erste Opfer des Rumänen gewesen und Mitte März überfallen worden sein. Erbeutet hatte der Mann meist nur geringe Geldbeträge, Handys oder Bankkarten sowie Ausweise.

50 Zentimeter lange Eisenstange als Tatwaffe

Seine Tatwaffe war eine 50 Zentimeter lange Eisenstange, die als Steher für einen Zaun einer Grünfläche in Favoriten gedacht war. Von dort wurde sie laut Anklage von C. abmontiert. Der 21-Jährige stellte seine Waffe auch immer wieder an den ursprünglichen Platz zurück, um sie dort sicher zu verstecken.

Vor Gericht gab er an, die Stange nicht bewusst als Waffe für die Raubüberfall von dort weggenommen zu haben. Der Steher sei dort angelehnt gewesen. Er habe ihn bei einem nächst gelegenen Container entsorgen wollen. "Sie wollten den 10. Bezirk aufräumen, oder wie", schüttelte Richterin Weis den Kopf.

"Ich wollte die Frauen nicht verletzen", sagte der Angeklagte Marius C. bei seiner Aussage vor dem Schwurgericht. Nur in drei Fällen gab er zu, die Eisenstange als Waffe verwendet haben. Ansonsten habe er mit seinen Fäusten auf die Opfer eingeschlagen. Das war für das Gericht insofern unglaubwürdig, weil die Frauen zum Teil lebensgefährliche Verletzungen erlitten haben.

Brüche, Gehirnerschütterung, Rissquetschwunde, Läsion

Sein zweites Opfer, eine 24-Jährige, die in der Nacht auf den 23. März den Nachtbus verpasst hatte und zu Fuß nach Hause gegangen war, erlitt multiple Brüche.

Der Täter fügte ihr Brüche beider Unterkieferseiten, der linken Augenhöhle, eine Zerreißung des linken Augapfels, einen Bruch der Nase, eine Gehirnerschütterung, eine Rissquetschwunde an der linken Wange und am linken Ohr sowie die Läsion mehrerer Zähne zu, wie Richterin Sonja Weis aus dem Akt vorlas.

Die Frau, die nach der Mittagspause Dienstagnachmittag vor Gericht als Zeugin aussagen soll, dürfte ihr Augenlicht verlieren.

Sein viertes Opfer, die 25-Jährige, lag nach dem Übergriff zwei Wochen in künstlichem Tiefschlaf, überlebte den Angriff nur knapp. Auf die Aufforderung des Gerichts, sich das Fotos des zugerichteten Gesichtes der Frau nach dem Überfall genauer anzusehen, drehte sich der 21-Jährige weg.

"Schauen Sie hin! Schauen sie, was Sie angerichtet haben!"

"Ich will das nicht sehen", meinte Marius C., was den beisitzenden Richter Norbert Gerstberger laut werden ließ. "Schauen Sie hin! Schauen sie, was Sie angerichtet haben!", schrie der Beisitzende.

Marius C. kam am 9. März mit Verwandten nach Wien, um am sogenannten Arbeiterstrich auf der Triester Straße Geld zu verdienen. Eigentlich hatte er vor, im Mai wieder in seine Heimat zurückzukehren, doch nur eine Woche nach seiner Ankunft soll er den ersten Überfall begangen haben.

Ob dies aus Geldgründen geschah, muss nun das Gericht klären, mit seiner Schwarzarbeit hatte er immerhin rund 2.000 Euro verdient und auch von den Eltern finanzielle Zuwendungen erhalten. Jedoch bereits zwei Jahre zuvor hatte er in Rumänien eine junge Frau überfallen und sie die Stiegen hinuntergestürzt. Dafür saß er über ein Jahr im Gefängnis.

Urteil soll voraussichtlich am Freitag erfolgen

Der Prozess ist für drei Tage anberaumt, am Freitag soll ein Urteil erfolgen. Staatsanwalt Bauer forderte im Eröffnungsplädoyer eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Bei den Taten habe es sich um "Blitzattacken mit hoher Aggressivität gehandelt", sagte der Ankläger. Laut Gutachten sei die Gefährlichkeitsprognose als "sehr ungünstig" anzusehen.