Erstellt am 08. Oktober 2015, 12:15

Prozess wegen tödlicher Kindesmisshandlung. Unter großem Medieninteresse hat am Donnerstag am Landesgericht Klagenfurt der Prozess gegen einen 23 Jahre alten Kärntner begonnen, der seine zwei Monate alte Tochter zur Tode misshandelt haben soll.

 |  NOEN, APA (Pfarrhofer)

Das Mädchen hatte nach Quetschungen und Schütteln im März dieses Jahres einen Atemstillstand erlitten und starb. Der Mann bekannte sich nicht schuldig.

Staatsanwältin Sandra Agnoli erklärte, der Angeklagte habe dem Kind immer wieder schwere Verletzungen zugefügt. Bei der Obduktion habe man neben der Todesursache, einem Hirnödem, hervorgerufen durch massives Schütteln, auch ältere Rippen-Serienfrakturen gefunden, sagte Agnoli.

Der Mann habe immer Aggressionstendenzen und "aus nichtigen Gründen überzogene Reaktionen" gezeigt. Der Säugling habe sich wegen eines Darmproblems wiederholt in ärztlicher Behandlung befunden und sei laut Angabe der Eltern ein "Schreibaby" gewesen, schilderte die Staatsanwältin.

Der Angeklagte belastete bei seiner Einvernahme die Mutter des Kindes. Nicht er habe das Kind geschüttelt, sondern seine Lebensgefährtin, erklärte er bei in seiner Einvernahme. Der Vorsitzende des Schöffensenats, Richter Norbert Jenny, hielt dem Angeklagten die verschiedenen Varianten seiner Aussagen, die er vor der Polizei gemacht hatte, vor.

Dabei hatte er unter anderem angegeben, das Kind sei ihm beim Wickeln hinuntergefallen. Dann wieder erzählte er, er habe das Mädchen nur geschüttelt, weil dieses erbrochen habe und er Angst gehabt habe, dass der Säugling ersticken könnte. In einer späteren Version belastete er jedoch die Kindsmutter: Sie habe die Tür blockiert und das Kind geschüttelt, und er habe 30 bis 45 Minuten lang versucht, ins Zimmer zu kommen.

Warum er zuerst sich selbst belastet habe, fragte der Richter. Seine Lebensgefährtin habe erklärt, sie bringe sich um, wenn sie ins Gefängnis müsse, antwortete der Mann. Ob er gegen seine Freundin gewalttätig geworden sei, wie diese ausgesagt hatte, wollte Jenny wissen. Nein, man habe ganz normal gestritten, sagte der Angeklagte.

Dann waren die Zeugen am Wort. Sie erklärten, dass sich in erster Linie der Angeklagte um das Kind gekümmert habe und die Kindsmutter kein großes Interesse an dem Mädchen gehabt haben soll. Die Mutter der Kindsmutter bestätigte diese Aussagen nicht. Die Schwester der Kindsmutter erklärte, der Angeklagte sei die stärkere Bezugsperson des Kindes gewesen. Sie erzählte auch, dass er nach dem Tod des Kindes beim Verlassen des Krankenhauses zu seiner Schwester gesagt habe: "Du wirst schon sehen, wir kommen noch beide in den Häfen."

Der Großvater des Angeklagten bestätigte unter anderem die verschiedenen Versionen, erzählte aber auch, gehört zu haben, wie sein Enkel am Abend des Todes des Kindes zu seiner Gefährtin gesagt haben soll: "Ich hab dem Kind nichts getan, du warst es."

Die Mutter des Angeklagten erzählte, die Freundin ihres Sohnes habe keine Liebe zu dem Baby gezeigt und sie habe das Kind immer auf und ab geschüttelt. Damit es schneller aufstoßen könne, habe sie argumentiert. Außerdem sei sie einmal Zeugin gewesen, wie die Frau ihrem Sohn eine Ohrfeige versetzt hatte. Darüber hinaus habe sie ihr erzählt, dass sie in einer Familie mit häuslicher Gewalt aufgewachsen sei.

Auch eine Tante des Angeklagten erklärte, dass die Kindsmutter kein Interesse an dem Baby gehabt, hingegen der Angeklagte sich liebevoll um den Säugling gekümmert habe.

Verteidiger Philipp Tschernitz erklärte, er sei etwas betrübt, dass die Mutter nicht ebenfalls auf der Anklagebank sitze. Wenn sie so unschuldig sei, wie die Staatsanwältin geschildert habe, hätte sie sich ja persönlich verantworten können. Ihre Aussage werde aber nur als Video vorgespielt. Es könne durchaus ein, dass der Mann aus vorauseilendem Gehorsam gegenüber seiner älteren, dominanten Lebensgefährtin diese in Schutz habe nehmen wollen. Die Verhandlung ist auf zwei Tage anberaumt.