Erstellt am 02. Juli 2014, 18:13

von APA/Red

Prozessfinale in Gmunden. Finale im Prozess nach einer tödlichen Sex-Attacke vom Vorjahr in Gmunden: Die Geschworenen im Landesgericht Wels haben sich Mittwochnachmittag zur Beratung zurückgezogen, ein Urteil wurde für den Abend erwartet.

Die Staatsanwältin verlangte für den 39-jährigen Angeklagten eine angemessene Strafe. Er erklärte hingegen, dass ein Jahr Haft für einen "Seitensprung" genug sei.

Ein Geschworener wollte abschließend von dem Beschuldigten wissen, warum er und die 51-Jährige sich trotz seiner anzüglichen Bemerkungen über ihre Kleidung in ihrem Garten getroffen hätten. "Ich war nicht beleidigend", sagte der 39-Jährige. Die Initiative zum Sex sei durchaus von der Frau gekommen. Warum er dem Opfer gefolgt sei und ihm Gewalt angetan habe, fragte eine Geschworene. Er sei nicht der Typ, der jemandem nachsteige, betonte der Angeklagte. "Ich bin glücklich verheiratet und bleibe es hoffentlich auch."

Verteidiger "empört" über Staatsanwältin

Die Staatsanwältin wies in ihrem Schlussplädoyer erneut darauf hin, dass es in den Ausführungen des Beschuldigten vor der Polizei, in der Untersuchungshaft und vor Gericht zahlreiche Widersprüche gebe. Sie fragte die Geschworenen, ob sie wirklich glauben, dass eine Frau den ersten Geschlechtsverkehr nach dem Tod ihres Mannes auf diese Art und Weise vollziehe. Wäre es freiwillig zum Sex gekommen, wären ihre Schuhe nicht derart beschädigt worden, so die Anklägerin. Der 39-Jährige könne kein Gespräch danach schildern, da das Opfer bewusstlos gewesen sei. Ihre Hotpants seien der 51-Jährigen so zum Verhängnis geworden, "dass er sie niederschlug, vergewaltigte, 40 Stunden im Garten halb nackt in einer Urin- und Blutlache, von Maden übersät liegen ließ".

Der Verteidiger zeigte sich "empört" und "verwundert"über die Ausführungen der Staatsanwältin. Es habe sich um gewaltfreien Geschlechtsverkehr gehandelt. Dass sein Mandant die Örtlichkeit so schnell verlassen habe, passe in das Schema der Literatur, die sich mit den Eigenheiten des männlichen Wesens beschäftigt. Für einen Mordversuch gebe es keine Anhaltspunkte, für eine Vergewaltigung keine Beweise, so der zweite Verteidiger. Weder im Genital- noch im Brustbereich seien Verletzungen vorgelegen.

Dass die Frau am Bauch, an den Knien und an den Zehen verletzt war, sei darauf zurückzuführen, dass sie sich nach ihrem selbst verschuldeten Sturz robbend fortbewegt habe. Gutachter waren dagegen zu dem Schluss gekommen, dass ihr vor dem Fall zu Boden Gewalt angetan worden sein muss. Von der Entscheidung der Geschworenen hänge das Leben des Beschuldigten und seiner Familie ab, betonte der Anwalt.

In der Nacht auf den 7. Juli 2013 hatten der Angeklagte und die Frau mit Sportkollegen in ihrem Tennis-Club gefeiert. Zwei Tage später wurde sie schwer verletzt und nicht ansprechbar in ihrem Garten gefunden. Sie starb im Krankenhaus, ohne noch einmal das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Der 39-Jährige gibt einvernehmlichen Sex mit ihr zu, mit ihrem Tod will er aber nichts zu tun gehabt haben.